Er war als Arzt gut, doch sein berühmtester Patient starb - jetzt muss sich Conrad Murray, Michael Jacksons Leibarzt, rechtfertigen.
Am Mittwoch noch hatte Michael Jackson gelöst getanzt, es wirkte, als könnte die Karriere des Stars neu beginnen. Am Donnerstag aber wachte er mit Glieder- und Gelenkschmerzen auf. Und der Künstler, den sie "King of Pop" nannten, brauchte offenbar wieder Demerol, ein süchtig machendes Schmerzmittel.
Bild vergrößern
Von Kollegen geschätzt, von der Polizei nicht verdächtig, von der Jackson-Familie hinterfragt - der verschuldete Kardiologe Conrad Murray. (© Foto: AP)
Anzeige
In solchen Situationen half jener Mann, dem Michael Jackson grenzenlos vertraute: der Leibarzt Conrad Murray, 51. Er soll auch ein weiteres Medikament (Lidocaine) verabreicht haben, weil der Star keine Luft mehr bekam. Am Ende hörte Michael Jacksons Herz auf zu schlagen. Doch Dr. Murray bestand auf Wiederbelebungsversuchen, berichten amerikanische Medien. Um 14.26 Uhr, zwei Stunden nach Eingang des Notrufs, wurde Michael Jackson im Krankenhaus schließlich offiziell für tot erklärt.
Nun ist Conrad Murray im Zwielicht. Jener Mann, der sich rund um die Uhr um den Künstler und seine drei Kinder gekümmert hat. Für Vater Joe Jackson ist er eine obskure Figur. Von falscher Reanimation und falscher Medikamentenabgabe bis hin zur Verweigerung von Informationen ist die Rede. Die Polizei hat Medikamente und Unterlagen beschlagnahmt, Murray wurde stundenlang befragt.
Michael Jackson soll bis nach Mitternacht am vorigen Mittwoch für die 50 Konzerte in London geprobt haben; im Juli sollte er wieder auftreten. Er sei sehr aufgeputscht gewesen und hätte eine Beruhigungsspritze und später noch ein Schlafmittel benötigt, schreibt News of the World. Kurz vor seinem Tod soll der angeblich medikamentensüchtige Star nach Angaben des Internetdienstes tmz.com dann eine Spritze Demerol bekommen haben. Entsprechende Berichte seien "absolut falsch", sagte der Rechtsanwalt des Arztes, Edward Chernoff, nach Angaben der Los Angeles Times am Sonntag. "Er hat kaum etwas gegessen und getrunken", sagte Chernoff. "Aber es gab nichts, was den Arzt hätte glauben lassen, dass Jackson Probleme hätte haben können, die zu seinem plötzlichen Tod führten."
Jacksons Familie misstraut dem Arzt
Die offizielle Autopsie vom Freitag hat kein endgültiges Ergebnis gebracht. Gewalt als Todesursache schloss die Polizei allerdings aus. Zugleich bestätigte sie, dass Jackson verschreibungspflichtige Arzneimittel genommen hat. Ergebnisse wurden wiederum nicht bekannt. Die Familie hatte dem Arzt vorgeworfen, ihr die Informationen über Jacksons letzte Stunden zu verweigern und am Samstag überraschend eine zweite Obduktion vornehmen lassen.
"Die Wahrheit muss noch herauskommen", erklärt Michael Jacksons Vater Joe. Zuvor war der Leichnam vom gerichtsmedizinischen Institut in Los Angeles freigegeben und auf Wunsch der Familie an einen geheim gehaltenen Ort gebracht worden. Die Todesursache wird nach Angaben der Gerichtsmedizin erst nach Vorlage des toxikologischen Befunds feststehen - das kann bis zu sechs Wochen dauern. In Ermittlerkreisen hieß es, Jackson sei möglicherweise an einem Herzinfarkt gestorben. Fremdeinwirkung wurde ausgeschlossen.
In Medizinerkreisen ist Jacksons Leibarzt Conrad Murray, der Zulassungen in Kalifornien, Texas und Nevada hat, höchst angesehen. In seinem Privatleben sieht es anders aus - er ist hochverschuldet. Allein im Jahr 2008 habe er sich neun Mal vor Gericht wegen unbezahlter Rechnungen in Höhe von 400.000 Euro verantworten müssen, schreibt News of the World.
"Ich bin nicht für seinen Tod verantwortlich"
Die Berufung durch Michael Jackson kam für ihn einem Lottogewinn gleich. Um der Jackson-Familie voll zur Verfügung stehen zu können, gab der Arzt, der sechs Kinder mit verschiedenen Frauen hat, sogar seine Praxis auf. Den sensiblen Künstler hatte Murray bereits im Jahr 2006 kennengelernt.
Randy Philipps, der Chef von Jacksons Konzertagentur AEG Live, sagte der Los Angeles Times, Jackson habe "mit Nachruck drauf bestanden, Murray einzustellen". Der Mediziner habe Jacksons volles Vertrauen genossen. Das Vertrauen der Jackson-Familie genießt Murray allerdings nicht - diese will ihn laut Berichten in News of the World verklagen, falls sich nach Bekanntgabe der Autopsie-Ergebnisse herausstellen sollte, dass Murray falsche Medikamente oder auch eine unangemessen hohe Menge von Schmerz-, Schlaf- oder Beruhigungsmitteln verabreicht oder verordnet habe.
"Ich bin nicht für seinen Tod verantwortlich", zitiert das Internet-Portal tmz.com Jacksons Leibarzt, der nach dem Tod seines Patienten drei Stunden lang von der Polizei verhört und als nicht verdächtig eingestuft worden war. Einzelheiten der Befragung wurden nicht mitgeteilt. Die Polizei erklärte nur, der Arzt sei kooperativ gewesen und gelte nicht als Verdächtiger, sondern als Zeuge. Und: Es gebe keine weiteren Verhöre.
Murray hat nun sogar die Erlaubnis, die Stadt zu verlassen. "Weil ich ein gutes Herz habe, bleibe ich und will so viel wie möglich zur Klärung beitragen."
"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...
- Thema
- Michael Jackson RSS
- Zum Tod von Michael Jackson Ein Junge, der 50 wurde 29.06.2009
- Suche nach der Todesursache Michael Jackson kehrt heim 29.06.2009
- Nach dem Tod von Michael Jackson Die Geier kreisen schon 28.06.2009
- Zum Tod von Michael Jackson "Tot mehr wert als lebendig" 27.06.2009
- Zum Tod von Michael Jackson Eine Vision von Erotik 27.06.2009
- VIP-Klick: Familie Jackson Keine Ruhe für die "Jackson Three" 10.05.2010
- Whitney Houston Die Klimaanlage ist schuld 26.04.2010
(sueddeutsche.de/jja)
Kapitalabzug aus Südeuropa
Hallo Herr Pillemann,
Sie haben Recht, habe ich verwechselt. Fragt sich nur, was als Zitatenquelle besser geeignet wäre ;-)
Den Vergleich mit dem Alien und dem King Of Pop, ja den verkneife ich mir hier und jetzt. Wirklich!
Grüße und ein herzliches I love you
csuess
Bitte verwechseln Sie nicht "News of the world", ein schreckliches Boulevardmagazin, mit "Weekly World News", einer schrecklich guten Boulevardmagazinsatire. :-)
Und Berichte über Aliens und anderem merkwürdigen Viehzeugs gibts hier auch schon länger in der Sparte "Mythen von Monstern" und auch sonst zuhauf :-)
Lidocain verlangsamt die Erregungsausbreitung im Herzmuskel zwischen His-Bündel und Purkinje-Fasern und wird vorwiegend bei tachykarden Herzrhythmusstörungen angewendet. Es ist ein Antiarrhythmikum der Klasse Ib (Natriumkanalblocker).Ein anderer Vorteil besteht darin, dass Lidocain fast nur an bereits geschädigten Herzmuskelzellen wirken kann, da diese bereits vordepolarisiert sind und die Ruhephase, in der das Lidocain nicht an den Natriumkanal binden kann verkürzt ist, obwohl die Zeit zwischen den Aktionspotentialen nicht verkürzt sein muss.Bei einem "vorgeschädigten" Herzen hat der Arzt durchaus plausibel therapiert.Soviel zum Thema"medizinische Rettungsversuche".
Notrufprotokoll nach hat der Arzt Jackson doch sogar im Bett versucht wiederzubeleben. Da der Anrufende meinte, er würde im Bett liegen und dort reanimiert werden.
Selbst ich, die keierlei Ausbildung o.ä. in diesem Bereich hat, weiß man reanimiert wenn schon dann aufm Boden oder ein Brett zwischen den Körper und Matraze. Man darf gespannt sein.
soll, soll, soll ... und dann wird auch noch angenommen, daß das Geschreibsel anderer Zeitungen glaubwürdig sein soll.
Die Zeit nennt diese Medien Knall-Presse und das ist dann auch gut nachvollziehbar. Außer Knallfröschen aus obskuren Vermutungen gibt es nichts. Aber die Kunst besteht eben, über Nichts ellenlange Artikel zu verfassen. Hut ab, so möchte ich mein Geld auch verdienen.
Paging