Lebensmittelskandal in Großbritannien Lasagne vom Pferd

Findus, ein britischer Hersteller von Tiefkühlkost, hat mit einem Lebensmittelskandal um Pferdefleisch in seinen Prdukten zu kämpfen.

(Foto: AFP)

Der Skandal um Pferdefleisch in britischen Hackfleischgerichten weitet sich aus - in getesteter Lasagne kam das angebliche Rinderhack teils zu 100 Prozent vom Pferd. An sich nichts Ungesundes. Doch nun werden die Produkte auf Tier-Medikamente untersucht, die in Lebensmitteln verboten sind.

Von Christian Zaschke, London

Der britische Lebensmittelskandal um als Rindfleisch deklariertes Pferdefleisch weitet sich immer mehr aus. Die Lebensmittel-Aufsichtsbehörde FSA hat am Freitag angeordnet, dass sämtliches verarbeitetes Fleisch auf der Insel innerhalb von einer Woche getestet werden muss. Vorangegangen waren neue Pferdefleisch-Funde in Fertiggerichten, diesmal in Tiefkühl-Lasagnen der Firma Findus - das vermeintliche Rindfleisch in diesen Gerichten stammte zum Teil zu 100 Prozent vom Pferd. Bereits im vergangenen Monat hatten Tester der FSA Rindfleisch-Hamburger entdeckt, die zu etwa einem Drittel aus Pferdefleisch bestanden.

Offenbar wusste die Firma Findus bereits seit vergangenen Samstag davon, dass es Probleme mit den Lasagnen geben könnte. Der Guardian berichtet, in Deutschland habe die Firma umgehend Tests anberaumt, in Großbritannien aber bis zum Montag gewartet. Ein Sprecher sagte dem Blatt: "Das hatte in erster Linie logistische Gründe wegen des Wochenendes." Erst am Mittwoch lagen die Testergebnisse vor. Die FSA testete 18 Lasagnen, elf davon enthielten 60 bis 100 Prozent Pferdefleisch.

Das Fleisch kommt laut Angaben von Findus nicht aus eigener Herstellung, sondern vom französischen Hersteller Comigel. Diese Firma stellt nicht nur Lasagne her, sondern auch verwandte Produkte wie Fertig-Spaghetti-Bolognese. Supermärkte wie Aldi und Tesco haben auch diese Gerichte aus den Regalen genommen. Zudem sind 180.000 Lasagnen in Packungen zu 320, 360 und 500 Gramm aus den Märkten zurückgezogen worden. Dem Labour-Abgeordneten Tom Watson gelang es allerdings noch am Freitagmorgen, eine Findus-Lasagne zu kaufen.

Laut Gesundheitsministerium habe keine Gefahr für die Gesundheit der Bürger be-standen, der Verzehr von Pferdefleisch sei vollkommen ungefährlich. Allerdings will die FSA nun testen, ob das Pferdefleisch Spuren des Medikaments Phenylbutazon enthält. Dieses wird fast nur noch in der Tiermedizin eingesetzt, darf aber Tieren, die verzehrt werden sollen, nicht verabreicht werden.

Millionen Burger vernichtet

Findus veröffentlichte am Freitag eine umfangreiche Entschuldigung. Man werde sicher stellen, dass sich ein solcher Fall nicht wiederholen könne. Oppositionspolitiker befürchten jedoch, dass die Tests der kommenden Woche weitere Fälle der Falschdeklaration aufdecken könnten. Die Schatten-Umweltministerin Mary Creagh sagte, sie werde bis auf Weiteres überhaupt kein verarbeitetes Fleisch mehr essen. Sie verwies darauf, dass erst im vergangenen Monat Millionen von Beefburgern aus dem Verkehr gezogen werden mussten.

Umweltminister Owen Paterson sagte, die Regierung werde eng mit den Herstellern zusammenarbeiten, um alle kriminelle Aktivität in der Lebensmittelindustrie auszumerzen. Regierung und Opposition gehen davon aus, dass kriminelle Hersteller das billigere Pferdefleisch einmischten, um Kosten zu sparen. Infolge des Fundes weiteten auch die Behörden in Deutschland ihre Kontrollen aus. So sagte ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Verbraucherschutzministeriums der Nachrichtenagentur AFP, die Kontrolldichte im größten Bundesland sei umgehend verschärft worden.