Experten werfen der irischen Regierung vor, die Öffentlichkeit schlecht zu unterrichten. In Deutschland wurden fünf Betriebe beliefert.
Nicht die Gans, und noch nicht einmal der Truthahn sind die klassischen Weihnachtsmahlzeiten in Großbritannien und in Irland. Oft ist es ein dampfender, duftender Schinken, der zum Fest aufgetischt wird - mit goldbrauner Glasur und so groß und wohl gerundet wie eine ganze Schweineschulter.
Rinderhälften in einer Fleischerei. Inzwischen wurde bekannt, dass mit Dioxin verseuchtes Futter auch an Rinderzüchter geliefert wurde. (© Foto: ddp)
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Für Irlands Schweinezüchter hätte die Entdeckung von dioxinvergiftetem Schweinefleisch daher zu keinem schlechteren Zeitpunkt kommen können: Wenige Wochen vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft wurden die Regale der Supermärkte von allem Schweinefleisch leergeräumt. Würste, Speck, Schinken, Blutwurst, Salami, Steaks und Schnitzel im Gesamtwert von mindestens 125 Millionen Euro müssen vernichtet werden.
Inzwischen wurde bekannt, dass mit Dioxin verseuchtes Futter auch an mehrere Rinderzüchter in Irland geliefert wurde. Das teilte die EU-Kommission am Montag in Brüssel mit. Die betroffenen Bauernhöfe dürften kein Schlachtvieh mehr auf den Markt bringen. Die irischen Behörden untersuchten derzeit, ob das Fleisch verseucht worden sei. Das fragliche Futtermittel werde an Rinder aber in sehr viel geringeren Dosen verfüttert als an Schweine, sagte EU-Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou. Milchproduzierende Höfe seien nicht betroffen, betonte die Kommissarin.
Das Bundesverbraucherschutzministerium sieht derzeit keine Gefahr durch dioxinverseuchtes Schweinefleisch aus Irland. "Nach den Lieferlisten, die von den irischen Behörden veröffentlicht wurden, sind seit 1. September dieses Jahres 2,4 Tonnen irisches Schweinefleisch nach Deutschland gelangt", sagte Ministeriumssprecherin Ulrike Hinrichs. "Es besteht derzeit keine Gefährdung."
Notschlachtung von 100.000 Tieren
Das Fleisch sei an drei Betriebe in Nordrhein-Westfalen und an zwei Betriebe in Schleswig-Holstein geliefert worden. Es handle sich um Schweinehälften oder Teilstücke, nicht um verarbeitetes Fleisch wie Würste oder Pizzafleisch, sagte Hinrichs. Eine Dioxin-Belastung wird nach Angaben der Bundesregierung noch geprüft.
Die irische Regierung schätzt, dass irisches Fleisch in bis zu 25 Länder weltweit ausgeliefert wurde. Singapur und Südkorea waren die vorläufig letzten Staaten, die Import und Verkauf irischen Fleisches untersagten. Die EU-Kommission in Brüssel hat Lebensmittelexperten aus Irland und anderen EU-Staaten zu einer Krisentagung gebeten, die ein europaweites Vorgehen koordinieren sollen. Zur Sicherheit haben die Lebensmittelaufsichtsbehörde und das Landwirtschaftsministerium in Dublin darüber hinaus vorsorglich die Notschlachtung von bis zu 100.000 Tieren angeordnet.
Erst gegen Mitte der Woche erwarten Metzger neue Lieferungen, sobald grünes Licht für die Schlachtung nicht betroffener Schweine gegeben worden ist. Das Gift hatte sich in Schweinefutter befunden, das von einer Firma in der südostirischen Grafschaft Carlow hergestellt und an 56 Bauernhöfe in der Republik Irland und im britischen Nordirland verkauft worden war. Tests hatten ergeben, dass einige Produkte 80- bis 200-mal mehr Dioxin als gesundheitlich vertretbar enthielten.
Zugleich warnten die Lebensmittelaufsichtsbehörden in Irland und in Großbritannien die Verbraucher allerdings vor Panik. Sie wiesen darauf hin, dass das PCB im Fleisch zwar Krebs auslösen könnte; doch dazu sei ein regelmäßiger Konsum über viele Jahre notwendig. Tony Holohan vom irischen Gesundheitsministerium erinnerte an Untersuchungen, die nach einem ähnlichen Dioxin-Skandal 1999 in Belgien durchgeführt worden waren. "Ausgehend von dieser belgischen Erfahrung erwarten wir keine Auswirkungen auf den Gesundheitszustand", erklärte er. "Es ist auf dieser Basis, dass wir die Leute beruhigen."
Umweltfreundliches Image
Der Biochemiker James Heffron von Trinity College in Dublin hingegen warf der Regierung vor, die Öffentlichkeit nicht ausreichend zu unterrichten. "Erst wenn wir alle Informationen - auch über die Dauer der Gefährdung - haben, können wir sie mit den Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation über hinnehmbare Dioxin-Mengen vergleichen", erklärte er der Tageszeitung Irish Times.
Viele Farmer auf der Grünen Insel befürchten ohnehin einen länger anhaltenden Vertrauensverlust irischer und ausländischer Konsumenten. Die irische Lebensmittelindustrie setzt jährlich sieben Milliarden Euro um. Die Marketingstrategie beruht auf einem naturnahen, umweltfreundlichen Image. Der Dioxin-Skandal hat diesen Ruf nachhaltig beschädigt. Irlands Bauernverbandspräsident Padraig Walshe gab sich indes zuversichtlich. "Sobald sich die irischen Verbraucher wieder der Sicherheit und hohen Qualität des Produktes versichert haben, werden sie weiter diesen traditionellen Sektor der Landwirtschaft unterstützen", erklärte er.
Immerhin sind die Auswirkungen auf die gesamte irische Wirtschaft nicht mehr so weitreichend, wie dies noch vor einigen Jahrzehnten der Fall gewesen wäre. In dem ehemaligen Agrarland tragen Bauern und Farmer nur mehr fünf Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Die Landwirtschaft beschäftigt nur mehr sechs Prozent aller Arbeitskräfte im Land. Zum Vergleich: 67 Prozent der Iren arbeiten in einer Dienstleistungsbranche.
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(sueddeutsche.de/jüsc/dpa)
Frauen in Saudi-Arabien
...es war zu erwarten, dass sich die Lobby der Großhandelsketten zu Wort meldet.
Wir wollen hier nicht Äpfel mit Birnen vergleichen.
Es geht hier ausschließlich um Lebensmittel und nicht um Computer aus China oder sonstigen "Billigländern". Auch Kaffee aus Südamerika ist kein gutes Argument, denn diese Pflanze wächst nun mal bei uns nicht.
Hier ist von Schweinefleisch die Rede, und dieses Produkt kann im eigenen Land in ausreichender Menge produziert werden. Die Frage ist nur unter welchen Bedingungen.
Wollen wir Fleisch aus Massentierhaltung, das über hunderte oder tausende Kilometer transportiert werden muß, oder wollen wir Fleisch aus artgerechter Haltung und dafür einen etwas höheren Preis zahlen ?
Sie schreiben, es gibt kein "Billig-Fleisch". Hier bin ich anderer Meinung. In jedem Supermarkt liegen massenweise, abgepackte Fleischportionen als Sonderangebot. Kein Kunde weis wo dieses Fleisch herkommt und unter welchen Bedingungen die Tiere aufgewachsen sind.
Mein Appell war, sich auf regionale Produkte zu beschränken und dabei bleibe ich auch.
Die Frage weshalb irische Schweine in ganz Europa gehandelt werden, empfinde ich ja als irgendwie lustig. Hallo? Schon etwas vom freien Binnenmarkt gehört? Wenn die irischen Bauern ihre Schweine nach Deutschland trotz Transportkosten billiger verkaufen können als Deutsche Landwirte, dann ist das halt so (Kyotoprotokolle lassen grüßen).
Was mich viel mehr interessiert ist: Wie kam das Dioxin in das Futtermittel und was ist da sonst noch drinnen gewesen?
Es klingt zwar ein bisschen pervers, aber mit der Sau die ich fresse, schließe ich schon Freundschaft wenn sie noch ganz klein ist und an der Zitze der Muttersau hängt. Da weiss ich auch welche Schweinerein das Schwein so frisst.
@ Steinadler12 hauptsache billig / @ANDERSWIE
also wir leben in der EU. Es gibt kein, wie Sie es nennen, "Billig-Fleisch" in der EU. Wir produzieren allesamt nach etwa gleichen Kriterien. Und selbst wenn, in Rumänien ein Schweinezüchter weniger verdient als einer hierzulande, heißt es auch nicht automatisch, dass sein produziertes Fleisch schlechter wäre. Günstigere Produktionsfaktoren bedeuten nicht automatisch schlechtere Qualität.
Würden Sie einen Computer aus Deutscher Produktion kaufen, nur weil hierzulande die Produktion teurer und somit- um Ihrer Logik zu folgen- aber auch die Qualität höher ?
Und @Anderswie: warum sollte es kein Schweinefleisch aus Irland hier geben? Was hat den Kaffee aus Südamerika, oder Gas aus Rußland, oder Öl aus Saudi-Arabien, Olivenöl aus Italien, Stahl aus Indien, Wolle aus Neuseeland hier zu suchen? Oder Dorsch aus der Ostsee? Wovon wollen Sie sich ernähren wenn Sie gegen Importe sind? Und wie ist es den mit Bio-Tomaten aus Spanien? Ist Ihnen das auch zu weit? Könnte denn die Fläche des Münchner Umlands eigentlich genügend Nahrung für die Einwohner Münchens produzieren? Gäbe es dann vielleicht morgens nicht lange Schlangen vor den Geschäften und abends leere Regale?
Man sollte wirklich mal versuchen den romantischen Blick auf die Landwirtschaft, der Utopie vom kleinen süßen Bauernhof, verlieren. Landwirtschaft ist nicht romantisch. In einigen Köpfen hat sich ein Bild verfestigt vom Urlaub auf dem Bauernhof mit Streichelzoo.
Und falls Sie sich fragen was Irisches Fleisch in Deutschland zu suchen hat, sollten Sie auch die Frage stellen, warum Deutsches Schweinefleisch so günstig ist und wie der niedrige Preis mit Export-Subventionen zusammen hängt.
Des Weiteren sollten Sie sich fragen ob Sie zB beim Huhn vorwiegend nur das Brustfilet kaufen. Oder gehören Sie zu der Minderheit die stets das ganze Huhn kaufen und wissen es vollständig zu verwerten? IdR wollen die Konsumenten hierzulande nur das Brustfilet. Das führt dazu das die restlichen Teilstücke des Huhns auf afrikanischen Märkten landen- und Dank Exportsubventionen- dort auch noch günstiger angeboten werden können als ein lokaler Afrikanischer Produzent.
Also nicht immer nur die Schuld bei Anderen suchen....
Es wäre Euer Job gewesen, die Diskrepanz zu entdecken und aufzuklären
wie man zu Fleischkonsum steht.
Dieser Skandal hat mal wieder schlüssig bewiesen, dass wir uns auf Lebensmittelkontrollen, auf die Aussagen und Kompetenz der zuständigen Behörden, die Ethik der Produzenten und nicht zuletzt auf die Aufklärungskraft der Presse
zu "Hunderttausend Prozent" verlassen können :-)!
Was machen wir, wenn wirklich mal was "ernstes" geschieht?
Paging