Interview: Violetta Simon

1000 Frauen in zehn Tagen - ein Mann knutscht sich durch die Republik. Damit will er den Ruf des männlichen Geschlechts retten.

Der Event-Moderator Marco Wanke knutscht sich durch die Republik, um den Ruf seiner Geschlechtsgenossen zu retten: Eine Studie will herausgefunden haben, deutsche Männer seien kussfaul. Der Kussmarathon startete am Sonntag, dem "Tag des Kusses", in Bayern und wird durch 16 deutsche Städte verlaufen - Ziel: Timmendorfer Strand. Wenn alles gutgeht, wird der 28-jährige Garmischer in zehn Tagen 1000 Frauen geküsst haben.

marco wanke bei kussmarathon

Marco Wanke knutscht sich von Garmisch bis zum Timmendorfer Strand. (© Foto: oh)

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sueddeutsche.de: Herr Wanke, um Ihr Ziel zu erreichen, müssen Sie jeden Tag 100 Frauen zu einem Kuss auf den Mund überreden. Liegen Sie bisher gut im Schnitt?

Marco Wanke: Ja, zwischendurch lag ich einmal ziemlich im Minus, konnte mich dann aber wieder hochschrauben.

sueddeutsche.de: Wie stellt man es an, von fremden Frauen geküsst zu werden?

Wanke: Ich vermeide plumpe Anmache, bleibe höflich und erzähle von meinem Projekt.

sueddeutsche.de: Und das zieht?

Wanke: Bei jeder Siebten, immerhin. Manchmal muss ich etwas nachhelfen, dann sage ich: "Gib dir einen Ruck!" oder "Augen zu und durch!"

sueddeutsche.de: Haben Sie denn keine Angst vor Schnupfen oder anderen ansteckenden Krankheiten?

Wanke: Nein, mein Immunsystem ist vollkommen intakt, weil ich oft in die Sauna gehe. Ich bin pumperlg'sund, wie man in Bayern sagt.

sueddeutsche.de: Woher wissen die Frauen, dass Sie kein Hallodri sind, sondern in offizieller Mission handeln?

Wanke: Ich bin in einem Kuss-Mobil unterwegs. Auf dem Dach ist ein Zähler befestigt, der den aktuellen Kuss-Stand wiedergibt.

sueddeutsche.de: Lief es in allen Städten bisher gleich gut?

Wanke: Es gibt schon Unterschiede. Vor München zum Beispiel hatte ich zunächst richtig Angst. Dabei war es dort mit Abstand am erfreulichsten. Die Münchnerinnen haben sehr gerne geküsst. Frankfurt, könnte man sagen, entwickelt sich. Stuttgart hingegen war ganz schlimm.

sueddeutsche.de: Warum denn das?

Wanke: Um jeden Kuss musste ich kämpfen. Alle waren irgendwie gestresst. Oder sie sagten, sie hätten einen Freund und Küssen sei Fremdgehen.

sueddeutsche.de: Klingt nach billiger Ausrede. Sie werden doch wohl keine Zwiebeln gegessen haben?

Wanke: Keinesfalls! Ich trinke zurzeit keinen Kaffee, esse weder Zwiebeln noch Knoblauch und putze mir dreimal am Tag die Zähne. Ich rasiere mich sogar täglich nass, obwohl ich normalerweise einen Drei-Tage-Bart trage!

sueddeutsche.de: Das ist wirklich überaus rücksichtsvoll von Ihnen. Klingt, als sei so ein Kuss-Marathon auch ziemlich anstrengend.

Wanke: Allerdings, deshalb war ich zuvor auch besonders oft im Fitness-Center, schließlich bin ich täglich zehn bis zwölf Stunden unterwegs.

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