Von Johannes Nitschmann

Nach der Kölner Amokdrohung kritisiert die nordrhein-westfälische Opposition das Verhalten der Polizei, besonders die sogenannte "Gefährderansprache".

Hätte die Polizei den Selbstmord eines 17-jährigen Schülers verhindern können? Bei den Vorgängen nach der Androhung eines Amoklaufs am Kölner Georg-Büchner-Gymnasium am 16. November dieses Jahres sieht die rot-grüne Landtagsopposition nach einer gemeinsamen Sitzung des Innen- und Schulausschusses weiterhin eklatante Widersprüche zwischen den Darstellungen von Polizei und Schulleitung.

Amoklauf; Koeln; ddp

Rolf B. warf sich nach seiner Verhörung vor eine Trambahn. Hätte die Polizei den Selbstmord verhindern können? (© Foto: ddp)

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Im Zentrum der Kritik steht die "Gefährderansprache" der Polizei. Zwei von der Schulleitung alarmierte Beamte hatten Rolf B. im Lehrerzimmer zur Rede gestellt, weil der 17-Jährige fünf Fotos von einem Schulmassaker in den USA ins Internet gestellt hatte.

Nach Aussagen seiner Lehrer hatte Rolf B. das Schulgebäude nach der "Gefährderansprache" unter dem Vorwand eines Toilettenbesuchs fluchtartig mit dem Fahrrad verlassen. Zwölf Minuten später war er tot.

Der 17-Jährige hatte sich vor eine Straßenbahn geworfen. War Rolf B. nach den Fragen der Polizei in Panik geraten? Nach seinem Suizid fand die Polizei in dem Zimmer des 17-Jährigen zwei Armbruste und eine "Todesliste" mit Vornamen von Schülern und Lehrern.

Für die beiden Polizisten seien bei ihrem Gespräch "keine Anhaltspunkte für einen Suizid erkennbar" gewesen, versicherte der Inspekteur der NRW-Polizei, Dieter Wehe, vor dem Landtagsausschuss.

Obwohl die Beamten aufgrund der Aussagen von Rolf B. keinerlei Verdacht für einen geplanten Amoklauf schöpften, hätten sie ihn gefragt, ob sie bei ihm daheim einen Blick in sein Zimmer werfen könnten, "um die Sache abzurunden", berichtete der Polizeiinspekteur. Dies aber habe der Schüler "spontan, ohne wahrnehmbare Aufregung" abgelehnt. Damit sei "die polizeiliche Maßnahme beendet" gewesen.

Für die Opposition von SPD und Grünen beginnt hier ein Skandal. Es sei "nicht nachvollziehbar", erklärte der SPD-Innenexperte Karsten Rudolph, warum die Eltern von Rolf B. nicht umgehend informiert worden seien, dass ihr Sohn wegen brisanter Internet-Bilder unter Amokverdacht stehe und die Schule deswegen die Polizei alarmiert habe.

Der Bund der Kriminalbeamten (BDK) kritisierte, dass die "Gefährderansprache" zur Prävention bei Fußball-Hooligans gedacht sei, nicht jedoch für potentielle Amokläufer, die zumeist massiv selbstmordgefährdet seien. Die Fraktionsvorsitzende der Landtags-Grünen, Sylvia Löhrmann, verlangt weitere Aufklärung: "Die Sache stinkt zum Himmel."

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(SZ vom 01.12.2007/cag)