Kriminalstatistik für 2013 Sicherer Süden

Alle dreieinhalb Minuten wird in Deutschland durchschnittlich in eine Wohnung eingebrochen.

(Foto: dpa-tmn)

Wo in Deutschland werden die meisten Straftaten begangen? Die Kriminalstatistik, die am Mittwoch vorgestellt wird, zeigt Unterschiede zwischen den Bundesländern und bei den Aufklärungsquoten. Außerdem macht sie auf eine neue Entwicklung aufmerksam - den Trend zum Ü-60-Kriminellen

Fast sechs Millionen Straftaten hat die Polizei im vergangenen Jahr erfasst. Das geht aus der Polizeilichen Kriminalstatistik hervor. Sie wird am Mittwoch von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) in Berlin vorgestellt. Die insgesamt 5,961 Millionen Straftaten stellen rechnerisch einen Rückgang um 0,6 Prozent im Vergleich zum Jahr davor dar, wie die Welt vorab berichtet.

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Sicherer Süden: Im Vergleich der Bundesländer ist die Kriminalitätsrate - wenig überraschend - in den Stadtstaaten am höchsten. So gab es im Jahr 2013 in Berlin fast 15.000 polizeilich erfasste Straftaten je 100.000 Einwohner. In Hamburg und Bremen waren es mit 13.700 beziehungsweise 13.000 Straftaten etwas weniger. Im Durchschnitt deutlich sicherer ist es in Bayern und Baden-Württemberg, wo nur gut 5000 beziehungsweise 5450 Straftaten pro 100.000 Einwohner erfasst wurden. Im Mittelfeld liegen Nordrhein-Westfalen (8500) und Sachsen-Anhalt (8600).
  • Frankfurt ist die Großstadt mit der höchsten Kriminalitätsrate: Die unsicherste Großstadt in Deutschland ist wie schon in den Vorjahren Frankfurt am Main mit mehr als 16.000 Straftaten pro 100.000 Einwohner - und das, obwohl Hessen im Vergleich der Länder am drittbesten abschneidet. Mit ausschlaggebend für die hohe Zahl ist das Rotlichtviertel am Hauptbahnhof und der größte deutsche Flughafen, wo jährlich Tausende Flüchtlinge ankommen. In die Kriminalstatistik fließen nämlich auch Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht ein. Zum Vergleich: In München gab es im vorigen Jahr nur knapp 7400 Straftaten je 100.000 Einwohner. Das ist weniger als die Hälfte der für Frankfurt/Main ermittelten Zahl und liegt auch noch unter dem Durchschnitt in Nordrhein-Westfalen. Dort liegen die Zahlen für die Großstädte in einer Bandbreite zwischen 14.800 für Düsseldorf und 11.200 für Bonn.
  • Mehr Einbrüche: Alle dreieinhalb Minuten wird in Deutschland durchschnittlich in eine Wohnung eingebrochen. Die Zahl ist im Jahr 2013 um 3,7 Prozent auf 149.500 Fälle gestiegen und hat damit den höchsten Stand seit 15 Jahren erreicht. In der Städterangliste liegt Bonn auf dem ersten Platz mit 563,8 Einbrüchen pro 100.000 Einwohner. Es folgen Aachen und Köln. Die sicherste Stadt ist Augsburg mit lediglich 53,9 Einbrüchen je 100.000 Einwohner. Im Vergleich der Länder gibt es zudem ein Nord-Süd-Gefälle: In Bayern (51) und Thüringen (54,5) sind die Bürger der Statistik nach in ihren Wohnungen am sichersten. Am schlechtesten schneiden die Stadtstaaten Bremen (525,2), Hamburg (399,2) und Berlin (342,7) ab. Der Trend, der in der Kriminalstatistik beschriebenw ird, findet sich auch in einer Untersuchung der deutschen Hausratversicherer wieder, deren Zahlen an diesem Montag veröffentlicht wurden. Demnach ist die Zahl der Einbrüche in den vergangenen tagen um 35 Prozent gestiegen.
  • Unterschiede in der Aufklärungsquote: Während 54,5 Prozent aller Straftaten aufgeklärt werden, liegt die Quote beim Wohnungseinbruchdiebstahl nur bei 15,5 Prozent - was den schlechtesten Wert seit Mitte der Neunzigerjahre darstellt. Noch schlechter ist die Aufklärungsquote beim Fahrraddiebstahl. Nur in 9,6 Prozent aller Fälle ist es der Polizei gelungen, die Täter zu ermitteln. Von den 2122 Fällen von "Mord und Totschlag" konnte die Polizei dagegen fast 96 Prozent aufklären.
  • Weniger Gewaltkriminalität: Insgesamt fast 185.000 Fälle von Gewaltkriminalität gab es 2013 - das ist ein Rückgang um 5,3 Prozent. Auch bei der sogenannten Straßenkriminalität gab es eine Abnahme um 3,5 Prozent. Das kommt daher, weil in der Unterrubrik "gefährliche und schwere Körperverletzung auf Straßen, Wegen oder Plätzen" ein Rückgang um 9,5 Prozent verzeichnet wurde.
  • Zunahme bei den Ü-60-Straftätern: Bisher werden ältere Menschen von der Polizei meist als potenzielle Opfer angesehen, doch der demografische Wandel zeigt sich auch dahingehend, dass Senioren sich in der Kriminalstatistik zunehmend als Täter finden. Aus der Altersgruppe 60+ kommen bereits 7,4 Prozent aller Tatverdächtigen, also gut 150.000 Personen - ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Davon waren fast 48.000 zwischen 70 und 80 Jahre alt, knapp 11.000 sogar noch älter. Zu den häufigsten Vergehen zählen in dieser Altersgruppe Diebstahlsdelikte.