Krebserregendes Maisfutter Giftiges Futtermittel in sieben Bundesländern entdeckt

Mehr als 3500 Höfe in Niedersachsen und anderen Bundesländern sind mit hochgiftigem Futtermittel beliefert worden. Mindestens 10.000 Tonnen des mit einem krebserregenden Schimmelpilz verseuchten Maisfutters sollen über die Hersteller in Umlauf gekommen sein. Eine Gesundheitsgefahr für die Verbraucher wird bislang ausgeschlossen.

Tausende Tonnen giftiges Futtermittel sind in mehreren Bundesländern zu Mischfutter für Schweine, Rinder und Geflügel verarbeitet worden. Der größte Teil wurde an mehr als 3500 Höfe in Niedersachsen geliefert. Der betroffene Mais ist nach Angaben des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums mit dem Schimmelpilzgift Aflatoxin B1 kontaminiert.

Dabei handelt es sich um ein Gift, "das unter anderem von dem natürlich vorkommenden Pilz Aspergillus flavus gebildet werden kann und eine starke krebserzeugende Wirkung zeigt. Lebensmittel und Futtermittel unterliegen deshalb strikten Höchstmengenregelungen", heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums.

Aflatoxin B1 kann bei regelmäßiger Einnahme auch zu Schäden im Erbgut und im Immunsystem führen. Die akut tödliche Dosis beim Menschen wird auf ein bis zehn Mikrogramm pro Kilo Körpergewicht geschätzt. Der Pilz befällt bei warmem, feuchtem Klima auch Samen, Nüsse, Gewürze sowie Getreidesorten und Früchte. Aufgrund der Wachstumsbedingungen für die Pilze bei Temperaturen zwischen 25 und 40 Grad sind sie überwiegend in tropischen und subtropischen Gebieten und weniger in gemäßigten Klimazonen beheimatet. In Europa gelten sie daher als "importierte Toxine".

Das Schimmelpilzgift im Futtermittel lagert sich nach Angaben von Verbraucherschützern am ehesten in Kuhmilch ab, weshalb sich die Kontrollen nun besonders auf Milchviehhalter und Molkereien konzentrieren. Eine Gefährdung für die Verbraucher sieht das Landwirtschaftsministerium in Niedersachsen bislang jedoch nicht, da Milch vermischt werde, wenn sie von den Molkereien von verschiedenen Höfen abgeholt wird. Auch bei Fleisch besteht nach ersten Einschätzungen kein Risiko für den Verbraucher.

"Nach dem gegenwärtigen Kenntnisstand erscheint es uns als nicht sehr wahrscheinlich, dass eine Gesundheitsgefahr von dieser Überschreitung ausgeht", sagte Landwirtschafts-Staatssekretär Udo Paschedag. Die Behörden seien aber erst dabei, alle Lieferketten zu rekonstruieren und die nötigen Kontrollen anzugehen. Vieles sei ungeklärt.

Herkunft des vergifteten Maises unklar

"Wann die letzte Fütterung war, können wir noch nicht sagen", erklärte Paschedag. Auch woher der giftige Mais stamme, über welche Wege er transportiert wurde und wo er zu schimmeln begann und damit krebserregend wurde, ist noch unklar. "Ich vermute einmal, dass das Donaugebiet besonders geeignet ist für den Maisanbau und dass es daher auch von dort kommt", sagte Paschedag.

Dass der Mais tatsächlich aus Serbien stammt, wie das Ministerium zunächst gemeldet hatte, konnte der Staatssekretär nicht mit Sicherheit bestätigen. Der Vorfall könne ein Indiz für die Gefahr des Preisdrucks in der Landwirtschaft sein. Oft gelte das Motto: "Je billiger, desto besser".

Noch viel mehr belastetes Futtermittel importiert

Neben Niedersachsen sind auch andere Bundesländer betroffen. In geringen Mengen sei das verseuchte Futter an Betriebe in Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und in den Niederlanden geliefert worden. In NRW gebe es bislang 14 Verdachtsfälle, sagte ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums in Düsseldorf. "Die Betriebe werden überprüft."

Insgesamt sollen 45.000 Tonnen des belasteten Maisfutters über den niedersächsischen Hafen Brake importiert worden sein. 10.000 Tonnen seien in Brake, 25.000 Tonnen in einer Lagerhalle in Bremen eingelagert worden. Von diesem Freitag an soll es bessere Kontrollen geben.