Krawalle in Nantes In Nantes schwelt noch ein weiterer Konflikt

Die Politik versucht nun, die Gemüter zu beruhigen. François de Rugy, Präsident der Nationalversammlung und Abgeordneter des Wahlkreises Loire-Atlantique, twitterte: Man könne den Tod eines jungen Mannes nur bedauern, die Justiz müsse nun Licht in die Angelegenheit bringen. Das rechtfertige aber nicht die Gewalt in Nantes.

Wie schon in ähnlichen Fällen davor, randalieren seitdem junge Leute nachts auf den Straßen. Als im Herbst 2005 zwei Jugendliche bei einem Polizeieinsatz ums Leben gekommen waren, war es zu wochenlangen Krawallen im ganzen Land gekommen. Besonders gerne gehen dabei Autos in Flammen auf. Auch in Nantes sind inzwischen mehrere Dutzend Fahrzeuge angezündet worden, darunter das Auto von Bürgermeisterin Johanna Rolland. Frankreichs Behörden stehen seit Jahren hilflos vor diesem Phänomen, das auch an Silvester oder am Abend des Nationalfeiertags am 14. Juli jährlich wiederkehrt. Im Jahr 2007 zum Beispiel wurden landesweit 46 800 Fahrzeuge angezündet. Wobei man davon ausgeht, dass es sich bei rund einem Drittel um Versicherungsbetrug handelt.

Flughafen-Protestler weigern sich, die Region zu verlassen

In Nantes kommt hinzu, dass nicht weit entfernt ein weiterer Konflikt herrscht, der immer wieder zu Gewaltszenen führt. Nördlich der Stadt plante die Regierung jahrzehntelang einen neuen Flughafen. Während dieser Zeit entstand dort die "Zone a Défendre", eine sich selbst verwaltende und selbst versorgende Kommune, eine Art Aussteiger-Dorf. Nachdem die Regierung Anfang dieses Jahres das Aus der Flughafen-Pläne verkündet hatte, sollten die Aussteiger die Region räumen. Weil diese sich weigern, kam es zuletzt einige Male zu heftigen Zusammenstößen und Räumaktionen der Polizei. Auch deshalb sind in der Region viele Beamte der Compagnies Républicaines de Sécurité (CRS) stationiert, eine Spezialeinheit der Nationalpolizei. Sechs CRS-Beamte hatten auch die Verkehrskontrolle von Aboubakar F. durchgeführt.

Nach einem Bericht der Polizei steigt die Anzahl der Einsätze mit Schusswaffengebrauch in Frankreich stark an: 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 54 Prozent. Grund dafür ist ein Beschluss der damals sozialistischen Regierung, die Regeln zum Schusswaffengebrauch für Polizisten zu lockern und die Vorgaben für eine Notwehr auszuweiten. Eine Folge der Terrorangriffe der vergangenen Jahre und eines Angriffs mit Molotow-Cocktails auf Polizisten in einer Pariser Vorstadt im Jahr 2016.

Ausschreitungen in Nantes

Tödliche Schüsse eines Polizisten auf einen 22-Jährigen lösen Unruhen und eine verstörende Nacht aus. Von Andrea Bachstein mehr...