Auf einer Wolkenkratzer-Baustelle in New York ist ein 19 Stockwerke hoher Baukran umgestürzt und hat mehrere Wohnhäuser getroffen. Mindestens vier Menschen starben, in den Haustrümmern soll es noch mehr Eingeschlossene geben.

Der Bürgermeister war geschockt: "Das ist einer der schlimmsten Baustellenunfälle, den New York je erlebt hat", sagte Michael Bloomberg. Zuvor hatte das Stadtoberhaupt von "Big Apple" am Unglücksort im Stadtteil Upper East Side sich selbst ein Bild gemacht.

Völlig zerstört: das Wrack eines BMWs, der von Haustrümmern bedeckt ist

Völlig zerstört: das Wrack eines BMWs, der von Haustrümmern bedeckt ist (© Foto: Reuters)

Anzeige

Was Boomberg dort sah, war in der Tat schrecklich: Haustrümmer, Teile des umgestürzten Krans, zerquetschte Autos. Das angrenzende Viertel war von einer dichten Staubwolke eingehüllt. Der obere Teil eines Gebäudes wurde so stark beschädigt, dass das Treppenhaus zu sehen war.

Feuerwehr- und Krankenwagen und riegelten die Umgebung ab. An den Unglücksort angrenzende U-Bahn-Stationen wurden gesperrt, Linienbusse umgeleitet.

Von vier Todesopfer ist bislang die Rede, zehn Verletzte soll es geben, Zahlen, die noch steigen könnten: Der Fernsehsender New York 1 und die New York Times berichteten, in den Haustrümmern seien weitere Menschen eingeschlossen.

Das Unglück hatte sich gegen 14.30 Uhr Ortszeit (19.30 Uhr MEZ) in Manhattan auf der Höhe 51. Straße und zweite Avenue ereignet. Passanten berichteten von einem lauten Knall und von starkem Gasgeruch. Eine Frau sagte, die Menschen hätten gerufen: "Lauft weg, lauft weg!" Wegen des schönen Wetters waren viele Spaziergänger unterwegs.

Anwohner sagten dem Sender New York 1, seit Januar seien Sicherheitsmängel an der Baustelle bekannt gewesen. "Wir haben vier Menschen verloren, vier unschuldige Opfer an einem sonnigen Nachmittag. Das reicht, das ist inakzeptabel, neun Verstöße sind seit Januar gemeldet worden", sagte der Vorsitzende einer Anwohnergruppe, Scott Stringer.

Inspektion am Vortag

Der Kran stand an der Baustelle eines Hochhauses, von dem bisher 19 von 43 geplanten Stockwerken hochgezogen sind. Er sollte am Samstag für den Weiterbau aufgestockt werden. Die Einsturzursache war zunächst unklar. Noch am Freitag waren bei einer Inspektion der Baubehörde keine Mängel an dem Kran festgestellt worden. Anwohner in dem wohlhabenden Viertel hatten allerdings in den 27 Monaten seit Baubeginn 13 Beschwerden bei der Bauaufsichtsbehörde eingelegt - was als normal bei einem Projekt dieser Größe gilt.

New York erlebt derzeit einen Bauboom. Dabei hat es in den vergangenen Monaten mehrere Unfälle gegeben, zum Teil auch mit Kränen.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Der Trauertänzer

"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...

(sueddeutsche.de/AFP/odg)