Korruptionsvorwürfe Gericht soll Prinzessin Cristina vorerst nicht verhören

Königstochter Cristina und die Korruptionsvorwürfe: Richter sieht vorerst keine ausreichenden Beweise.

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Aufatmen im spanischen Königshaus: Die Justiz wird in einem Korruptionsskandal vorerst nicht offiziell gegen Cristina, die Tochter von Juan Carlos, ermitteln. Die Entscheidung ist allerdings nur vorläufig.

Sie wäre das erste Mitglied der spanischen Königsfamilie, das sich jemals wegen mutmaßlichen Fehlverhaltens vor der Justiz erklären müsste - jetzt sind die Ermittlungen gegen Prinzessin Cristina vorerst eingestellt worden. Die Tochter von König Juan Carlos solle vorerst nicht verhört werden, entschied ein Gericht in Palma de Mallorca an diesem Dienstag.

Das Landgericht widerrief damit eine Entscheidung des Ermittlungsrichters José Castro, der die 47-jährige Infantin zur Verdächtigen erklärt hatte. Nach Ansicht des Gerichts war die Entscheidung des Ermittlers jedoch nicht ausreichend begründet. Es gebe keine hinreichenden Anhaltspunkte dafür, dass Cristina mit den Geschäften ihres Mannes Iñaki Urdangarin zu tun gehabt habe, entschieden die Richter.

Cristina hatte eigentlich bereits im April als Verdächtige vor Gericht erscheinen sollen. Die Vernehmung wurde aber verschoben. Die Kammer wies allerdings darauf hin, dass die Entscheidung nur vorläufig sei. Sie trug dem Ermittler auf, bei den Finanzämtern nähere Informationen einzuholen und bestehende Unklarheiten auszuräumen. Danach solle erneut entschieden werden, ob die zweitälteste Tochter von König Juan Carlos und Königin Sofía als Beschuldigte eingestuft und vorgeladen werden soll.

Die 47-Jährige stand im Visier der Ermittlungsbehörden, weil sie Medienberichten zufolge von der Veruntreuung öffentlicher Mittel in Millionenhöhe durch Urdangarin gewusst haben soll. Ihr Mann und sein früherer Geschäftspartner Diego Torres sollen über eine gemeinnützige Stiftung Gelder der Regionalregierungen auf den Balearen und in Valencia veruntreut und Steuern hinterzogen haben.

Der Finanzskandal um Urdangarin belastet seit Monaten das Ansehen des spanischen Königshauses. Er trug maßgeblich dazu bei, dass die Beliebtheit des Monarchen auf einen Tiefstand gesunken ist. Juan Carlos selbst zog sich zudem den Unmut seiner Untertanen zu, als er im Jahr 2012 inmitten der heftigsten Wirtschaftskrise in Spaniens Geschichte für eine teure Elefantensafari nach Botsuana reiste.