Von Judith Raupp, Genf

Als UN-Generalsekretär sprach er der Menschheit ins Gewissen. Jetzt will Kofi Annan oberster Meteorologe Afrikas werden.

Kofi Annan hat die Welt schon oft beeindruckt. Das "Gewissen der Menschheit" wurde er genannt, als er noch Generalsekretär der Vereinten Nationen war. Letztes Jahr nach Weihnachten hat er den blutigen Bruderzwist in Kenia beendet, der nach den Präsidentschaftswahlen ausgebrochen war. Jetzt überrascht der passionierte Weltenretter mit einem Projekt, das auf den ersten Blick kurios klingt: Kofi Annan will eine Art oberster Wetterfrosch Afrikas werden.

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Kofi Annan: Die Wetterlage ist ernst. (© Foto: dpa)

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Der siebzigjährige Ghanaer schmunzelt ein bisschen, als er davon erzählt. Aber die Sache ist ernst. Annan will über den gesamten Kontinent 5000 Wetterstationen errichten lassen, weil es dort bisher nur lückenhafte Daten gibt. Die Wetterprognosen sind deshalb viel unzuverlässiger als anderswo. Für die Menschen in Afrika ist das ein großes Problem. Es geht für sie nicht darum, ob sie mit oder ohne Regenschirm aus dem Haus gehen sollen. Es geht um die Ernährung der Bevölkerung.

Über Generationen haben die Bauern das Wetter einschätzen können. Sie wussten, wann sie die Felder hacken, wann sie säen mussten und wann sie ernten konnten. "Aber der Klimawandel bringt alles durcheinander. So kommt es zu Missernten, und die Leute hungern", sagt Annan.

Gute Wetterprognosen könnten den Bauern helfen, bessere Ernteerträge zu erzielen, ist er überzeugt. In ganz Afrika stehen angeblich weniger Wetterstationen als in der kleinen Schweiz.

Die ersten Stationen sollen in Uganda noch vor Weihnachten, spätestens im Januar montiert werden. Sie messen Temperatur, Luftdruck, Wind, Sonneneinstrahlung sowie die Feuchtigkeit am Boden und in der Luft. Und sie geben Alarm, wenn ein Unwetter aufzieht. 20 Millionen Dollar kosten die Wetterstationen für den gesamten Kontinent. Die Stadt Genf, Luxemburg und private Stiftungen finanzieren die ersten 20 Wettermelder. Annan hofft auf weitere Spender, wenn man erst mal sehe, welchen Nutzen die Sensoren bringen könnten.

Der Dorfvorsteher hat meistens ein Handy

Die meteorologische Organisation der Vereinten Nationen hat festgestellt, dass etwa 8000 zusätzliche Stationen notwendig wären, um zuverlässige Prognosen erstellen zu können. Einen Anfang will das Global Humanitarian Forum nun machen, das Annan im vergangenen Jahr in Genf gegründet hat, um "das Leiden der Menschen auf der Welt auszulöschen".

"Wir starten in der Region der großen Seen, weil dort ständig Schiffspassagiere und Fischer sterben, die von Unwettern überrascht werden", sagt der stellvertretende Leiter des Global Humanitarian Forums Martin Frick, der das Projekt "Wetterinformation für alle" leitet.

Künftig sollen sich die Seefahrer informieren können, bevor sie ablegen. Außerdem, so Frick, sei es für Hilfsorganisationen wichtig, die Wetterlage zu kennen. Zu oft seien Lastwagen mit Lebensmitteln und Medizin schon auf verschlammten Pisten steckengeblieben.

Menschen in abgelegenen Regionen sollen die Wetterinformationen über kostenlose Handy-Nachrichten bekommen. In vielen Dörfern Afrikas besitzt mindestens der Vorsteher ein Mobiltelefon.

In zwei Jahren, so die Schätzung, werden 95 Prozent der Afrikaner in Reichweite eines Handynetzes wohnen. Zudem soll der Wetterbericht über Internet, Radio und Fernsehen verbreitet werden.

Die Wettermessgeräte werden an die Mobilfunkmasten montiert, die Daten werden über das Handynetz an eine zentrale Wetterstation gemeldet, die sie weiterverbreitet. Die Nähe zu den Antennen hat zudem den Vorteil, dass es dort immer Strom gibt und sie gut bewacht sind.

In Angola zum Beispiel campen neben jeder Antenne zwei Soldaten. Bald wird ihnen das Handy verraten, wie kalt es in der Nacht wird.

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(SZ vom 25.11.2008/grc/odg)