Noch mehr Ärger für die Stadt Köln: Die Versicherung wird wahrscheinlich nicht für den Schaden aufkommen, der bei dem Einsturz am Gebäude entstand. Der Grund: Die Stadt habe sich dagegen nicht abgesichert.
Innerhalb von Sekunden brach am Dienstag das Kölner Stadtarchiv in sich zusammen - ein Kulturgut löste sich in Luft auf. In teure Luft.
Das historische Stadtarchiv, ein Trümmerfeld: Unter dem Schutt liegen Millionenschätze begraben. (© Foto: dpa)
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Jetzt steht der Stadt Köln neuer Ärger ins Haus: Der Hauptversicherer des Gebäudes des historischen Stadtarchivs, die Provinzial Rheinland, wird wahrscheinlich nicht zahlen. Der Versicherungswert des Gebäudes liegt den Angaben zufolge bei zwölf Millionen Euro.
Der Einsturz sei von der Versicherung nicht gedeckt, erklärte der zuständige Assekuranz-Konzern. "Die Stadt Köln hat beim Gebäude auf eine Elementarversicherung verzichtet und das Stadtarchiv nur gegen Feuer, Sturm und Explosion versichert - dabei ging es wohl auch um die Höhe der Prämie", sagt Provinzial-Sprecher Christoph Hartmann auf Anfrage von sueddeutsche.de. Hat die Stadt am falschen Platz gespart?
Das Kulturgut des Stadtarchivs, zu dem beispielsweise der Nachlass von Heinrich Böll gehörte, ist nach Schätzungen von Experten rund 400 Millionen Euro wert. Die Provinzial übernimmt davon, nach Angaben des Versicherers, 60 Millionen Euro. Grundlage ist eine Allgefahrenversicherung.
Für eine endgültige Entscheidung über die Versicherungssache sei es zu früh, doch es sieht offenbar nicht gut aus für die Kommune. "Wir werden natürlich unsere Sachverständigen vor Ort schicken, wenn die Bergungsarbeiten abgeschlossen sind", sagt Hartmann. "Aber es sieht derzeit so aus, als müsste die Versicherung für das Gebäude nicht zahlen."
Bei der Stadt will man abwarten. Zu viele Informationen würden derzeit noch fehlen. "Aber wir müssen klären, wer der Verursacher ist und der muss dann bezahlen", erklärt ein Sprecher. Laut den Aussagen der eigenen Gutachter sei die Bausubstanz des Stadtarchivs nicht für den Einsturz verantwortlich. Es müsse einen anderen Grund für die Katastrophe geben - beispielsweise den U-Bahn-Bau. "Wenn das zutrifft, dann müssen die Kölner Verkehrsbetriebe bezahlen, wie schon vor ein paar Jahren, als der Kirchturm in Schieflage geraten ist." Die KVB wäre dann der Verursacher des Einsturzes.
Der Bau der vier Kilometer langen Nord-Süd-Bahn in Köln ist seit Beginn der Bauarbeiten vor fünf Jahren umstritten: Die Kosten für das Projekt sind um 320 Millionen auf rund 950 Millionen Euro explodiert. 2004 geriet der Turm der romanischen Kirche St. Johann Baptist wegen der Bauarbeiten in bedrohliche Schieflage. Die Aufrichtung kostete eine Million Euro.
Nach bisherigen Planungen sollten Mitte 2010 die ersten Züge auf der neuen U-Bahn-Strecke starten. Inzwischen hat Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) den Weiterbau der neuen Nord-Süd-Linie unter der Altstadt in Frage gestellt: "Ich halte das eigentlich jetzt fast für unverantwortlich." Es müsse grundsätzlich geprüft werden, ob man in Zukunft in bewohnten Städten U-Bahn-Bauten in einem solchen Ausmaß durchführen könne und solle.
Wenn jetzt tatsächlich die Verkehrsbetriebe für das Stadtarchiv-Desaster zahlen müssen, ändert sich an der misslichen Lage des OB Schramma nichts: Die Firma gehört auch der Stadt. Bleibt zu hoffen, dass die Verkehrsbetriebe gut versichert sind.
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(sueddeutsche.de/jja)
Müll am Fluss
Städte und große Institutionen sind nicht gezwungen, Versicherungen abzuschliessen. Einfach deshalb, weil eine Stadt kapitalkräftig genug ist solche Schäden selbst zu begleichen. Wer eine Milliarde Euro für eine U-Bahn ausgibt, für den sind 400 Millionen doch Peanuts. Versicherungen sind etwas für Personen und Betriebe die sich die Begleichung eines Schadens eben nicht selbst leisten können.
Aber Spaß beiseite. Die Verluste an Kulturgut lassen sich mit Geld allein nicht ausgleichen. Allerdings wird die Restaurierung der geretteten Bücher und Dokumente nicht nur ewig dauern sondern auch ewig teuer werden. Schon deshalb wäre es gut wenn hier jemand anderer als der Steuerzahler bluten muss. Aber eigentlich ist die Stadt auch nicht verantwortlich. Verantwortlich ist der Verursacher des Schadens. Und das scheint doch wohl die Baufirma zu sein, die die Baustelle nicht genügend gegen einen Schlammeinbruch gesichert hat. Diese Firma wird versichert sein. Und diese Versicherung wird auch herangezogen werden müssen. Sollte die Firma nicht oder nicht ausreichend versichert sein wäre das sträflich. Die Firma könnte auch Konkurs anmelden. Auch eine gerichtliche Verurteilung des Verantwortlichen Unternehmers würde dann die Behebung des Schaden nicht finanzieren. Die Stadt wird in Vorleistung gehen müssen ohne eine Chance zu haben, das Geld wieder zu bekommen.
Oder die Versicherungen versichern Risiken, die sie wissentlich gar nicht abdecken können, kassieren Prämien, zahlen damit Boni und Dividende aus und wenn dann das undenkbare eintritt - dann gehts zum Staat, der sicher schon ein Rettungspaket in der Tasche hat.
Man ist schließlich systemrelevant...
Tja, was vielen Versicherungen an ihren Kunden wohl nicht gefällt, ist die "Geiz-ist-geil-Mentalität".
Elementarschäden? Brauch ich nicht....
Das hört man oft, wenn Kunden über Sinn und Unsinn einer Gebäude oder Hausratversicherung nachdenken. Kommt es aber dann zu einem Schaden, wird sich aufgeregt, dass die Versicherung ja nicht zahlen "will".
Sparsamkeit an der falschen Stelle nenne ich so etwas. Wenn ich ein Risiko nicht versichere, kann ich auch nicht mit Erstattung rechnen, wenn ein Schaden eintritt. Ist einfach so.
Das einzige, wo die Kunden nicht auf die Idee kommen, Geld zu bekommen, wenn sie keine Versicherung haben, ist die Lebensversicherung. Aber vielleicht hats auch schon Leute gegeben, die eine Haftpflichtversicherung hatten und dann beim Todesfall eine Angehörigen eine Lebensversicherungssumme haben wollten. Für möglich halte ich das durchaus. Und dann war die Versicherung wieder die "Böse"....
Also bitte, so ein riesieger Murks mit so einem großen Wums ist schon eines Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung würdig.
Mit einem Tiefensee kann der es sicher aufnehmen.
Der Beitrag 04.03.2009 17:39:16 ca-canaris: Oh die Parteigrenzen!
kam etwas spät durch. Die Korruption "frisst" auf die Substanz! Das Land verändert sich zusehends. Und es ist die Herrschaft von Christdemokraten! Der Deutschen Bischofskonferenz ist zu raten, sich von diesen Christen in den Farben schwarz zu distanzieren. Aus einem ganz einfachen Grund: sie sind die gleichen wie die Roten und die Grünen und die Gelben. Die Farben spielen bei der Abrisstätigkeit offenbar keine Rolle. Im Abriss sind sie alle gleich. Denn die über ihnen sind die, die über allen Farben stehen! Es sind nicht die echten Christen, die Deutschland einreissen.
Cc
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