Köln Schulfrei an Karneval - aus Angst vor Übergriffen

Karnevalistinnen in Köln.

(Foto: dpa)
  • Ein Kölner Gymnasium gibt seinen Schülerinnen an Karneval frei - aus Sicherheitsgründen.
  • Andere Schulen informieren über sexuelle Übergriffe, Alkohol und K.o.-Tropfen, die Polizei verdreifacht ihre Präsenz in der Stadt.
  • In vielen Karnevals- und Faschingshochburgen gibt es nach den Vorfällen von Silvester neue Sicherheitskonzepte und Aufklärung.
Von Hannah Beitzer

"Wir wollen unseren Schülerinnen an diesem Tag den Weg zur Schule ersparen:" Mit diesen Worten zitiert der Kölner Stadt-Anzeiger eine Vertreterin der Erzbischöfliche Ursulinenschule, eines Kölner Mädchen-Gymnasiums. Die Schule, die in der Nähe des Kölner Hauptbahnhofes liegt, nutzt einen variablen Ferientag und gibt ihren Schülerinnen an Weiberfastnacht frei. "Die Eltern sind besorgter als in früheren Jahren. Dem möchten wir Rechnung tragen", äußert sich die Mitarbeiterin auch in der Regional-Ausgabe der Bild. Der Donnerstag vor dem letzten Karneval-Wochenende war schon in den vergangenen Jahren der Polizei zufolge der Tag mit den meisten Delikten.

Nach den schweren Übergriffen der Silvesternacht sorgen sich nun viele Kölner Eltern zusätzlich um die Sicherheit ihrer Kinder. Mädchen und Frauen sind verunsichert - und die Reaktionen fallen unterschiedlich aus. Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker stand schon kurz nach Silvester in der Kritik, als ein unglückliches Zitat von ihr aus einer Pressekonferenz öffentlich wurde: Es helfe Frauen immer, "eine Armlänge Abstand" zu halten.

Eine Armlänge Empörung

Kölns Oberbürgermeisterin Reker spricht auf einer Pressekonferenz über Tipps zum Schutz vor sexuellen Übergriffen. Prompt bricht unter dem Hashtag #einearmlaenge Empörung los. Von Esther Widmann mehr ...

Mehr Polizei, Beleuchtung, Anlaufpunkte

Von dieser Armlänge ist nun nicht mehr die Rede. Schulen klären dem Kölner Stadt-Anzeiger zufolge aber die Jugendlichen über K.o.-Tropfen und die Gefahren von Alkohol auf und raten ihnen unter anderem, größere Plätze zu meiden. Die Kölner Polizei wird in diesem Jahr mit 2500 Beamten im Einsatz sein, das sind dreimal so viele wie 2015.

Teil des Sicherheitskonzeptes der Stadt sind außerdem ein "Security Point" für Frauen und mobile Beleuchtungsmasten für dunkle Ecken. "Wir sind uns darüber im Klaren, dass diese Karnevalstage für uns die Bewährungsprobe darstellen, um zu zeigen, dass wir aus den furchtbaren Ereignissen an Silvester die Konsequenzen gezogen haben", sagt dazu Stadtdirektor Guido Kahlen.

Auch die Stadt Mainz hat sich Gedanken um die Sicherheit von Frauen während der Fastnacht gemacht. Zum Rosenmontagsumzug, der der Höhepunkt der Mainzer Fastnacht ist, sollen in der Stadt entlang der Umzugsstrecke Rückzugsräume für Frauen eingerichtet werden. An zusätzlichen 15 "Präsenzpunkten" in der Innenstadt werden der Allgemeinen Zeitung zufolge am Rosenmontag jeweils mindestens zwei Beamte postiert. Die Polizei in Wiesbaden will Berichten zufolge mit mehr Beamten in Zivil im Einsatz sein.

Flyer für Flüchtlinge

In einigen Städten - darunter Köln, Düsseldorf und Bonn - hat die Polizei außerdem ein spezielles Augenmerk auf mögliche Täter. Wer dort bereits im vergangenen Jahr negativ aufgefallen ist, darf in diesem Jahr die Altstadt an Karneval nicht betreten, berichtet RP Online. Das gilt in Düsseldorf auch für elf Männer, die im Verdacht stehen, an Silvester an sexuellen Übergriffen an Frauen in Düsseldorf beteiligt gewesen zu sein. Ihnen wird schriftlich ein "Bereichsbetretungsverbot" erteilt. Für Frauen soll es dort wie in Köln eine spezielle Anlaufstelle geben.

Flüchtlinge stehen besonders im Fokus der Verantwortlichen. Das Festkomitee Kölner Karneval erklärt ihnen in einer Broschüre in Deutsch, Englisch und Arabisch, was es mit Karneval auf sich hat. "Der Umgang ist sehr locker, Freundlichkeit und Respekt sind oberstes Gebot", heißt es dort.

In Rheinland-Pfalz soll die Polizei Anfang Februar gezielt in Flüchtlingsunterkünften junge Männer über diesen speziellen Aspekt deutscher Kultur aufklären. Medienberichten zufolge sollen dort verteilte Flyer auch klare Warnungen enthalten. "Die Begehung von Straftaten kann direkte Auswirkungen auf den Aufenthaltsstatus in Deutschland haben" oder: "Täter riskieren das Gastrecht". Ähnliche Broschüren und Flyer haben auch andere Karnevals- und Faschingsstädte veröffentlicht.