Köln "Ich glaube auf keinen Fall, dass das Flüchtlinge waren"

Vom Bahnhofsvorplatz her hörte man die ganze Zeit Böller knallen. Von einer Räumung, die zuvor stattgefunden haben soll, habe ich nichts mitbekommen. So voll wie es war, kann ich mir das gar nicht vorstellen. Die Informationspolitik war ohnehin eine Katastrophe - es gab sie eigentlich gar nicht. Ich mache den Polizisten vor Ort keine Vorwürfe. Ich verstehe nur nicht, warum das alles erst jetzt durchsickert.

"Wo war die Polizei?"

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Es ist fünf Tage her und ich bin immer noch schockiert. Ich habe einige Jahre in Berlin-Moabit gewohnt - einem sozialen Brennpunkt. Aber sowas habe ich dort nie erlebt. Auch in Köln, wo ich seit März vergangenen Jahres lebe, habe ich bis vor Kurzem überhaupt keine schlechten Erfahrungen gemacht.

Ein bekanntes Problem?

Ich glaube auf keinen Fall, dass das Flüchtlinge waren, die da unterwegs waren. Auch weil ich selbst einige Tage zuvor ausgeraubt wurde, von Männern, die so aussahen wie die vom Silvesterabend. An Heiligabend saß ich eine Station vom Hauptbahnhof entfernt in einer S-Bahn, von draußen klopfte jemand an die Scheibe. Ich drehte mich hin - da riss jemand von der anderen Seite heftig an den Henkeln meiner Tasche. Ich versuchte alles festzuhalten, er riss noch einmal. Ich fiel in den Flur. Eine Prellung am Oberschenkel habe ich davon immer noch, der Bluterguss ist schon etwas besser - und meine Schulter ist steif.

Bei der Bundespolizei im Hauptbahnhof hat man mir gesagt, dass es dieses Problem schon länger gibt. Die Räuber kennen sich aus, sie wissen, wo es keine Kameras gibt und so weiter - sie müssen also schon länger hier sein. Hoffnungen, dass die Täter erwischt werden, haben die Polizisten mir nicht gemacht. Ob ich zu Karneval vor die Tür gehe, weiß ich noch nicht - aber sicher nicht in die Nähe des Hauptbahnhofs."

*Ihren Nachnamen will sie nicht nennen, er ist der Redaktion jedoch bekannt.