Köln Übergriffe auf Frauen: "Eine völlig neue Dimension der Gewalt"

In der Silvesternacht sind im Bereich um den Kölner Hauptbahnhof Dutzende Frauen massiv sexuell belästigt und ausgeraubt worden. Bisher liegen 60 Anzeigen vor.

(Foto: dpa)
  • In Köln hat es in der Silvesternacht zahlreiche Übergriffe auf Frauen gegeben.
  • Die Gewerkschaft der Polizei spricht von stark alkoholisierten Tätern, die "völlig enthemmt gewaltvoll" vorgegangen seien.
  • Am Sonntag wurden fünf Männer festgenommen.
  • Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat für Dienstag ein Krisentreffen einberufen.

"So etwas kennen wir bisher nicht"

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) zeigt sich betroffen, nachdem es in der Silvesternacht rund um den Kölner Dom und den Hauptbahnhof zahlreiche Übergriffe auf Frauen gegeben hat. "Das ist eine völlig neue Dimension der Gewalt. So etwas kennen wir bisher nicht", sagte der NRW-Landesvorsitzende der GdP, Arnold Plickert, der Deutschen Presse-Agentur.

Die Frauen waren jeweils von mehreren Männern umzingelt und unsittlich berührt worden. Zum Teil geschah dies nach Angaben der Polizei zur Ablenkung, um Geldbörsen und Handys zu stehlen. Die stark alkoholisierten Täter seien "völlig enthemmt gewaltvoll" vorgegangen. "Ein Täter hat einer Zivilpolizistin in die Hose gefasst", berichtete Plickert. Bei den am Einsatz beteiligten Polizeibeamten herrsche eine "tiefe Betroffenheit".

Fünf Festnahmen am Hauptbahnhof

Bei einem Pressegespräch hat die Polizei an diesem Montag neue Ermittlungsergebnisse bekanntgegeben. 60 Frauen haben demnach Anzeige erstattet. Die Zahl der Geschädigten liegt nach Angaben von Polizeipräsident Wolfang Albers bei 80 Personen. Sie berichteten von unterschiedlich großen Tätergruppen. Während in manchen Fällen die Rede von zwei Angreifern war, sprachen andere von bis zu 20 Tätern. Etwa 15 Frauen zeigten sexuelle Übergriffe an, in einem Fall handele es sich "in juristischer Hinsicht um Vergewaltigung", sagte Albers.

Die Kölner Polizei hat eine eigene Ermittlungsgruppe aufgestellt und wertet unter anderem im großen Umfang Videoaufnahmen aus. Am Sonntag nahmen Beamte in der Nähe des Kölner Hauptbahnhofs fünf Männer fest, die Frauen bedrängt und Reisende bestohlen haben sollen. Noch ist unklar, ob die Männer auch zu den Tätern vom Silvesterabend gehörten.

Oberbürgermeisterin beruft Krisentreffen ein

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat unterdessen für Dienstag ein Krisentreffen anberaumt. Das berichtet der Kölner Stadt Anzeiger. "Wir können nicht tolerieren, dass hier ein rechtsfreier Raum entsteht", sagte Reker, die Vorfälle seien "ungeheuerlich". Polizei und Bundespolizei seien daher "dringend gefordert".

In einem Telefonat mit dem Kölner Polizeipräsidenten habe sie kurzfristig für Dienstag einen Termin vereinbart. An dem Treffen sollen zudem der leitende Polizeidirektor, ein Vertreter der Bundespolizei, der Kölner Stadtdirektor Guido Kahlen und der Leiter des städtischen Ordnungsamtes teilnehmen. Reker zufolge sollen Maßnahmen vereinbart werden, die "insbesondere Frauen vor solchen Übergriffen schützen".

Die Polizei bittet Zeugen und Opfer sich zu melden. Wichtig sei auch weiteres Videomaterial. Hinweise an die Polizei unter: 0221-2290 oder an poststelle.koeln@polizei.nrw.de