Von Hans Holzhaider

Was Frauen wollen: Die Anklageschrift im Fall Klatten zeichnet den mutmaßlichen Erpresser Sgarbi als skrupellosen Hochstapler - und zeigt, mit welcher Hartnäckigkeit er vorgegangen ist.

Für den ersten Verhandlungstag am 9. März hat die 8. Strafkammer des Landgerichts München den Saal A101 reserviert, den so genannten Schwurgerichtssaal, den größten im Gerichtsgebäude an der Nymphenburger Straße. 136 Zuschauer finden hier Platz, aber trotzdem werden an diesem Tag viele vor der Tür bleiben müssen. Das Publikumsinteresse wird enorm sein, vergleichbar höchstens mit dem Ansturm beim Steuerprozess gegen den Tennisspieler Boris Becker im Oktober 2002.

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Umgarntes Opfer: Der Prozess gegen den mutmaßlichen Erpresser der Münchner Quandt-Erbin und Milliardärin Susanne Klatten beginnt am 9. März 2009 vor dem Landesgericht München I. (© Foto: dpa)

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Zum Aufruf kommt die Strafsache gegen Helg Sgarbi, 44 Jahre alt, gebürtig aus Zürich, von Beruf Übersetzer. Sgarbi wird beschuldigt, im September 2007 die Unternehmerin Susanne Klatten, 46, um sieben Millionen Euro betrogen und danach versucht zu haben, weitere 49 Millionen Euro von der Milliardärin zu erpressen, die als reichste Frau Deutschlands gilt. Nach seiner Verhaftung im Januar 2008 stellte sich heraus, dass Sgarbi mutmaßlich auch drei weitere Frauen betrogen und dabei insgesamt 2,4 Millionen Euro erbeutet hat.

Die Anklageschrift gegen Helg Sgarbi macht deutlich, mit welcher Hartnäckigkeit und Skrupellosigkeit der Schweizer bei den mutmaßlichen Erpressungen vorgegangen sein soll. Im Juli 2007 soll Sgarbi sich in einem Gesundheitszentrum bei Innsbruck etwa gezielt an Susanne Klatten herangemacht und vorgetäuscht haben, er habe sich in sie verliebt. Klatten ließ ihn jedoch zunächst abblitzen und war auch nach weiteren Kontaktversuchen per Telefon und SMS nicht zu einem Treffen bereit.

14.000 Scheine à 500 Euro

Sgarbi soll einige Wochen später unangemeldet im Ferienort Klattens in Südfrankreich aufgetaucht sein. Am 20. August kam es schließlich zu einem Treffen Sgarbis mit Klatten in einem Münchner Hotel. Dort soll Sgarbi heimlich Videoaufzeichnungen von Intimitäten zwischen ihm und der Milliardärin gemacht haben. Sgarbi soll sich als Sonderberater der Schweizer Regierung ausgegeben haben, der oft in politischen Krisengebieten unterwegs sei und gleich anschließend in die USA reisen müsse.

Wenige Tage nach diesem Treffen meldete sich Sgarbi telefonisch und bat dringend um eine weitere Verabredung. In einem Hotel in der Nähe des Münchner Flughafens log er Klatten vor, er habe in den USA eine Verkehrsunfall verschuldet, bei dem ein Kind schwer verletzt worden sei. Er müsse sieben Millionen Euro aufbringen, um das querschnittsgelähmte Mädchen zu unterstützen.

Susanne Klatten glaubte ihm das und übergab Sgarbi am 11. September sieben Millionen Euro in 500-Euro-Scheinen. Sgarbi soll versprochen haben, das Geld später mit Zinsen zurückzuzahlen. Bei einer weiteren Begegnung Anfang Oktober soll Sgarbi Susanne Klatten aufgefordert haben, sich von ihrem Mann zu trennen und mit ihm zusammenzuleben. Dazu solle sie 290 Millionen Euro in eine Stiftung einbringen, um den Lebensunterhalt des Paares zu sichern. Diesmal lehnte Susanne Klatten rundweg ab.

Auf Seite 2: Wie Sgarbi die Mafia vorschob, um an mehr Geld zu kommen

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