Klage des "Traumschiff"-Kapitäns Auf dem falschen Dampfer

"Traumschiff"-Schauspieler Siegfried Rauch (links) und der echte Kapitän Andreas Jungblut.

(Foto: dpa-tmn)

Auf dem "Traumschiff" ist die Welt noch in Ordnung. Zumindest im ZDF. In der Realität klagt der echte Kapitän der "MS Deutschland" gegen seine Entlassung. In Lübeck traf er die Reederei vor Gericht - der Termin war schnell beendet.

Von Jens Schneider, Hamburg

Der Dampfer, der gern "Traumschiff" genannt wird, verlässt an diesem Freitag Dubai. Das Motto dieser Reise auf der 155 Meter langen MS Deutschland mit Kabinen für rund 500 Passagiere: "Zauber des Orients". Das erinnert an die ZDF-Serie, die das Kreuzfahrtschiff als "Das Traumschiff" bekannt gemacht hat.

Am gleichen Tag, mittags um 13 Uhr, trifft sich in Lübeck Kapitän Andreas Jungblut, 60, vor dem Arbeitsgericht mit den Vertretern der Reederei der Deutschland. Jungblut und die Reederei Deilmann sollen in einem Gütetermin nach einer Einigung suchen. Der Kapitän hat die MS Deutschland 13 Jahre lang geführt, 27 Jahre lang arbeitete er für die Reederei. Vor diesem Gütetermin hat er der Bild-Zeitung gesagt, er wolle "noch mindestens zehn Jahre als Kapitän mit meinen Passagieren die Weltmeere erobern". Er denke nicht ans Aufhören. Er will wieder eingestellt werden. Im letzten Oktober hat die Reederei Jungblut fristlos gekündigt.

Das Unternehmen, das mehrheitlich der Münchner Holding "Aurelius" gehört, wirft seinem früheren Kapitän Vertrauensbruch und wiederholt illoyales Verhalten vor. Es habe vor dem Rauswurf "immer wieder Indiskretionen gegeben", sagt Kornelia Kneissl, die Sprecherin der Reederei. Der Streit hat einen handfesten Hintergrund, es ging um die Arbeitsbedingungen für die Besatzung des Kreuzfahrtschiffes, rund 280 Menschen halten das "Traumschiff" an Bord am Laufen.

Im Sommer erwog die Reederei, das Schiff aus Kostengründen auszuflaggen und fortan unter der Flagge Maltas fahren zu lassen. Jungblut protestierte öffentlich und warnte, dass sich die soziale Situation der Mitarbeiter dadurch massiv verschlechtern würde. "Ich lasse meine Crew im Sturm nicht alleine", sagte er einmal in einem Interview.

"Ich will zurück auf die Brücke"

Als das Schiff bei den olympischen Spielen in London als Hotelschiff für die deutschen Sportler auf der Themse im Hafen lag, soll Jungblut auch den Bundespräsidenten in einem Brief um Hilfe gebeten haben. Später folgte die fristlose Kündigung. Der Kapitän sei nicht entlassen worden, weil er gegen die Ausflaggung war, erklärt das Unternehmen. "Es ging um die Art und Weise", sagt Kneissl. Jungblut wird unterdessen intensiv von der Gewerkschaft Verdi unterstützt, die durchaus einen Zusammenhang mit der Ausflaggung sieht. Auf dem Schiff hat sich nach Angaben von Verdi inzwischen ein Betriebsrat gegründet.

Der Gütetermin am Freitagmittag dauerte nicht lange. Nach weniger als einer Stunde schon stand fest, dass die Reederei und ihr früherer Kapitän nicht zueinander finden würden. Nun kommt es bald zum Arbeitsgerichtsverfahren. "Ich will zurück auf die Brücke", sagte Jungblut noch einmal. Der selbstbewusste Mann soll ein sehr beliebter Kapitän sein. Am 5. April wird die Verhandlung fortgesetzt. "Dieses Ergebnis haben wir erwartet. Wir vertreten nach wie vor die Auffassung, dass das Vertrauensverhältnis zerrüttet ist", sagt Reedereisprecherin Kneissl. Jungblut will an seine Rückkehr glauben. "Ich habe für das Schiff gekämpft, für die Besatzung und für die deutsche Flagge. Ich habe mir nichts vorzuwerfen", sagt er.

Seit August steht fest, dass die Reederei auf die Ausflaggung verzichten will. Die wirtschaftliche Bilanz am Jahresende war positiv. Die Auslastung sei um über zehn Prozentpunkte gestiegen, die Weihnachtsreise 2012 war komplett ausgebucht.

Was der Arbeitskampf für das Geschäft bedeutete, lässt sich schwer sagen. Es habe sechs Stornierungen von Reisen gegeben, die mit einem Hinweis auf Presseberichte begründet worden seien, erklärt das Unternehmen, wohl wegen des Streits um den Kapitän. Zugleich aber gebe es ja einen beachtlichen Zuwachs an Buchungen nach den Berichten um Jungblut und den Einsatz des Schiffs bei Olympia. Bis dahin hatten offenbar viele gar nicht gewusst, dass man auf dem Schiff aus dem Fernsehen auch Reisen buchen kann - dass es das Traumschiff auch in echt geben soll.