Kirche und Sex Vatikanpapier spricht Heikles an

Ehe, Familie, Homosexualität: In einem päpstlichen Papier werden auch die heiklen Themen nicht ausgespart. Mit Wertungen halten sich die Autoren allerdings zurück - und ebenso mit Vorschlägen, was man ändern sollte.

Von Andrea Bachstein und Matthias Drobinski

Das immerhin ist klar: Es darf über alles geredet werden, wenn sich die katholischen Bischöfe im Oktober in Rom treffen, um über Ehe, Familie, Sexualität und die Haltung ihrer Kirche zu diesen Themen zu beraten.

Das "Instrumentum Laboris", das Vorbereitungspapier auf die Bischofssynode, das an diesem Donnerstag in Rom vorgestellt wurde, spart auf seinen fast 90 Seiten auch die heiklen Themen nicht aus - die Paare nicht, die ohne Trauschein zusammenleben, und nicht die Geschiedenen, die wieder heiraten, die Vielehe so wenig wie Homosexualität.

Die Ergebnisse der Umfrage, die der Vatikan im November gestartet hatte, haben hier ihren Niederschlag gefunden. "Die Kirche hat noch nie zuvor eine solche weltweite Erhebung der Meinungen, Problemsichtweisen und Lebensrealitäten gemacht", sagte Kardinal Lorenzo Baldisseri, der Generalsekretär der Synode.

Die Autoren des Dokuments beklagen, dass viele Katholiken die Aussagen des Lehramtes nicht mehr verstünden. Allerdings dürfe sich die Kirche nicht "mit einem legalistischen Blick" begnügen; hinter den "kirchenrechtlich irregulären" Situationen würden sich sowohl "Geschichten großen Leids" als auch "Zeugnisse echter Liebe" verbergen.

Geredet wird über vieles, nur nicht über Änderungen

Viele Katholiken wünschten sich von ihrer Kirche "Barmherzigkeit, Güte und Nachsicht im Hinblick auf die neuen Verbindungen", referiert das Papier, einige würden auf die orthodoxen Kirchen verweisen, wo Geschiedene nach einer Zeit der Besinnung und Buße wieder heiraten dürfen.

Gerade bei diesen "pastoral schwierigen Situationen", hält sich das Instrumentum Laboris mit Wertungen zurück, so auch beim Thema Homosexualität: Gläubige aus osteuropäischen Ländern lehnten homosexuelle Beziehungen dezidiert ab, während die Bischöfe im Westen versuchten, zu einer "respektvollen, nicht verurteilenden Haltung" gegenüber Schwulen und Lesben zu kommen - ohne natürlich der Homo-Ehe zuzustimmen.

So redet das Dokument über vieles, auch darüber, wie viel Ansehen die Missbrauchsskandale gekostet haben, oder wie wenige Katholiken sich ans kirchliche Verbot künstlicher Verhütungsmittel halten. Über mögliche Änderungen redet es nicht. Mehrere Bischöfe haben schon davor gewarnt, das Treffen in Rom mit zu hohen Erwartungen zu überfrachten.