Von Astrid Bischof

Der Volksmusiker "Pauli Kärntner" steht wegen Kindesmissbrauchs vor dem Hamburger Landgericht. Er soll auch seinem Sohn Gewalt angetan haben.

Er lächelt in die Kameras der Pressefotografen. Einfach so, als sei nichts vorgefallen. Der Mann sitzt in Hamburg vor Gericht, die Tränen kommen ihm erst am Ende des ersten Prozesstages - irgendwann merkt er offenbar, dass das, was er getan hat, vielleicht doch schlimm ist. Er ist des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern angeklagt: In einer Hamburger Dampfsauna soll Bernd O. einen neunjährigen Jungen angefasst haben.

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Mit seiner Gruppe "Pauli Kärntner und die Original Elbmusikanten" tritt Bernd O. als Volksmusikant auf. Der 41-Jährige soll mehrere Kinder missbraucht haben, darunter auch den eigenen Sohn. (© Foto: dpa)

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So richtig berühmt ist er mit seinem Schifferklavier und seiner Lederhose nicht geworden. Die Volksmusikgruppe, in der er singt, spielt und lacht, hat noch nicht einmal eine eigene Homepage. Nur auf Myspace findet sich ein Profil von dem Strahlemann, der sich auf der Bühne "Pauli Kärntner" nennt und mit den Original Elbmusikanten spielt. Im wahren Leben soll der Akkordeonspieler aus Hamburg mindestens zwei Jungen - darunter auch den eigenen Sohn - sexuell missbraucht haben.

Auch die 29-jährige Lebensgefährtin Anja S. sagt aus - und sagt, sie habe ihn beim Missbrauch des gemeinsamen Sohnes erwischt und ihm das Kind vom Schoß gerissen. Sie habe sich gedacht, dass das irgendwie sexuell motiviert sei. Bernd O., der "Pauli Kärntner", sieht das anders: Das seien ganz normale Liebkosungen eines Vaters, in anderen Kulturen sei das durchaus üblich. Er sei ein Mensch, der sich zu Kindern hingezogen fühle, der Kinder verstehe und gerne mit ihnen spiele.

Anja S. ist zwölf Jahre jünger als ihr Lebensgefährte. Sie wirkt naiv, vielleicht auch eingeschüchtert. Kennengelernt hat sie ihn, als sie als Kindermädchen auf seine Kinder aufpasste. Damals war er noch verheiratet. Bei der Scheidung im Jahr 2004 standen bereits Missbrauchsvorwürfe im Raum, darum wurde Bernd O. der Umgang mit seinen Kindern untersagt. Anja S. sagte im Gerichtssaal, sie hänge menschlich weiterhin an ihrem Lebensgefährten.

Seitdem er im August 2009 in Untersuchungshaft genommen wurde, hat sich auch ihr Leben massiv verändert: Sie ist in stationärer psychiatrischer Behandlung, der zweijährige Sohn lebt derzeit in einer Pflegefamilie. Sie wolle das Kind aber bald zurückholen, könne sich aber nicht vorstellen, wieder mit Bernd O. zusammenzuleben.

Vor Gericht steht O. nun, weil er im Sommer 2009 einen neunjährigen Jungen in einem Hamburger Schwimmbad in die Kabine einer Dampfsauna gelockt, ihn dort unsittlich berührt haben und sich dann vor den Augen des Kindes selbst befriedigt haben soll.

Die Anwältin der Opferfamilie, Marjam Samadzade, ist entsetzt darüber, wie O. seine Pädophilie verharmlost - und dass dem Volksmusiker bisher keine Taten nachgewiesen wurden. Bereits vor neun Jahren habe O. wegen Belästigung von Kindern in einem Jugendzentrum und auf Spielplätzen vor Gericht gestanden. Bei einer Hausdurchsuchung seien kinderpornographische Bilder gefunden worden.

Der Volksmusiker sei allerdings nur wegen unerlaubten Waffenbesitzes zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Den Familien der Opfer stellten die Staatsanwaltschaften in Kiel und Lübeck lediglich einen Brief zu, in dem stand, dass O. bereits eine erhebliche Strafe bekommen habe und dass darum die Missbrauchsfälle nicht weiter untersucht werden müssten.

"Das ist eine unzumutbare Missachtung der Opferrechte", sagt Opfer-Anwältin Marjam Samadzade. Sie ist auch über einen Satz verärgert, den der jetzige Richter zu Bernd O. gesagt haben soll: "Er sagte zu O., dass er bisher viel Glück gehabt habe. Aber das ist nicht Glück, das ist das Ergebnis davon, dass Strafermittlungsbehörden ihre Arbeit nicht getan haben."

Bernd O. sitzt wegen Fluchtgefahr noch immer in Haft, seine Gruppe Pauli Kärntner & die Original Elbmusikanten hatte eine Südamerikatournee geplant. In dem Fall, der jetzt vor dem Hamburger Landgericht verhandelt wird, sind insgesamt vier Prozesstage anberaumt.

Weil Bernd O. nach langem Hin und Her und zahlreichen Nachfragen die Vorwürfe bestätigt habe, verzichte der Richter auf die Anhörung des neunjährigen Opfers, so Opferanwältin Samadzade. "Begriffen hat er trotzdem nicht, was er den Kindern angetan hat", meint sie. Das Kind und dessen Eltern waren am ersten Verhandlungstag nicht in der öffentlichen Verhandlung. Zahlreiche Medienvertreter waren vor dem Gerichtsgebäude erschienen.

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(sueddeutsche.de/abis)