Kinderporno-Verdacht Katholischer Spitzenfunktionär tritt zurück

Schon seit einem Jahr wird gegen ihn wegen Kinderporno-Verdachts ermittelt, ohne dass sein Verband davon wusste. Jetzt geht der Chef der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung in die Offensive.

Weil die Ermittlungen gegen ihn öffentlich zu werden drohten, ist ein katholischer Spitzenfunktionär zurückgetreten. Georg Hupfauer, der Chef der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung KAB steht unter Verdacht, Kinderpornos besessen zu haben. Der 59-Jährige habe sein Amt in der Organisation niedergelegt, nachdem er von bevorstehenden Medienberichten erfahren habe, sagte die Bundesvorsitzende des KAB, Regina-Dolores Stieler-Hinz. Der Verband habe bislang nichts von den Ermittlungen gewusst.

Die Staatsanwaltschaft Aachen ermittelt nach eigenen Angaben bereits seit einem Jahr gegen Hupfauer. "Es gab eine Strafanzeige im März, und daraufhin wurden die Ermittlungen eingeleitet", sagte ein Sprecher. Im Mai 2013 hätten die Ermittler Hupfauers Privathaus durchsucht und Beweismittel beschlagnahmt. Hupfauer lebt mit seiner Frau in Alsdorf bei Aachen.

Einem Bericht der Bild-Zeitung zufolge werden Speichermedien wie Computer-Festplatten und USB-Sticks des langjährigen KAB-Chefs derzeit noch ausgewertet. Hupfauer sprach in einem Interview mit dem Kölner Express von einem riesigen Fehler, den er begangen habe: "Ich räume ein, dass ich über Jahre hinweg im Internet frei zugängliche, pornografische Seiten querbeet besucht habe. Darunter hat sich auch Kinderpornografie befunden. Ich habe nicht gezielt danach gesucht, aber ich war auf diesen Seiten", sagte er der Zeitung. Er lege großen Wert auf ein schnelles Ermittlungsverfahren, um den Verdacht ausräumen zu können, sagte Hupfauer der Aachener Zeitung: "Ich gehe nach wie vor davon aus, dass rechtlich keine große Sache dabei herauskommt."

Der Straftatbestand des Besitzes von Kinderpornografie ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft erfüllt, wenn ein Internet-Nutzer kinderpornografische Inhalte vorsätzlich herunterlädt. "Wenn der Beteiligte nichts davon mitkriegt, ist das straflos", sagte der Sprecher. Die Ermittler müssten Hupfauer gegebenenfalls nachweisen, dass er zumindest billigend in Kauf genommen habe, dass Material abgespeichert wurde.

"Bestürzung und Fassungslosigkeit"

"Mit Bestürzung und Fassungslosigkeit hat der engste Führungskreis der KAB heute aus der Presse von den Vorwürfen erfahren", heißt es in einer Presseerklärung der Organisation. Sie kündigte an, Hupfauer werde zeitnah von allen verbandspolitischen Aufgaben zurücktreten. Der 59-Jährige ist demnach im Zentralkomitee der deutschen Katholiken, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Organisationen Deutschlands und Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft christlicher Arbeitnehmerorganisation.

Die KAB versteht sich als selbstständiger Arbeitnehmer-Verband. Die etwa 125 000 Mitglieder starke Organisation finanziert sich nach eigenen Angaben größtenteils über Mitgliedsbeiträge.