Kinderhandel in China Ärztin soll Neugeborene verkauft haben

Eine chinesische Frauenärztin soll mehrere Babys direkt nach der Geburt entführt und verkauft haben. Inzwischen sind drei der Kinder wieder aufgetaucht und den Eltern zurückgegeben worden. Die chinesischen Behörden haben umfangreiche Untersuchungen angekündigt.

Eine Ärztin in China wird beschuldigt, Patientinnen ihre neugeborenen Kinder weggenommen und dann verkauft zu haben. Sie habe den Eltern erzählt, die Babys seien todkrank und sie nehme sie in ihre Obhut, heißt es in übereinstimmenden Medienberichten. Nun sind zwei der verschwundenen Kinder wiederaufgetaucht - wenige Wochen alte Zwillingsmädchen, die im Juli im Krankenhaus des Bezirks Fuping zur Welt gekommen waren. Eines der Mädchen wurde mehr als 500 Kilometer, das andere etwa 160 Kilometer vom Geburtsort entfernt gefunden. Noch im Kreißsaal habe die Ärztin Zhang Shuxia der Mutter gesagt, die Kinder litten unter "angeborenen tödlichen Krankheiten", berichtete der staatliche Rundfunk.

Bereits in der vergangenen Woche war ein kleiner Junge wieder aufgetaucht, der Mitte Juli im gleichen Krankenhaus in der Provinz Shaanxi zur Welt gekommen war. Die Ärztin soll der Mutter des Jungen gesagt haben, dass er unter einer schweren Erbkrankheit leide und hohe finanzielle Lasten bedeute, wie die staatlichen Medien der Volksrepublik am Dienstag meldeten. Der Junge wurde im Haus eines Bauern in der östlich angrenzenden Provinz Henan gefunden, wo drei weitere Tatverdächtige festgenommen wurden. Der Bauer, der bereits drei Töchter hat, hatte für den Jungen umgerechnet etwa 7500 Euro gezahlt.

Im Zusammenhang mit dem Skandal wurden im Bezirk Fuping laut der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua fünf Verantwortliche gefeuert, darunter der Chef des Krankenhauses, in dem die entführten Kinder zur Welt kamen. Die Polizei habe bislang 55 verdächtige Fälle aufgenommen. In 26 von ihnen soll die Ärztin Zhang verwickelt sein. Xinhua-Berichten zufolge wurde sie inzwischen verhaftet, die Polizei soll Untersuchungen in fünf der gemeldeten Fälle aufgenommen haben.

Der Gouverneur der Provinz Shaanxi, Lou Qinjian, kündigte laut Xinhua an, die Bemühungen zur Aufklärungen des Skandals zu verstärken. Kinderhandel ist in China ein verbreitetes Problem. Zum Teil wird dafür die Ein-Kind-Politik verantwortlich gemacht, wonach es insbesondere Ehepaaren in Städten verboten ist, mehr als ein Kind zu haben. Hinzu kommt, dass Jungen in China bevorzugt werden: Bauern dürfen gemäß der Ein-Kind-Politik zwei Kinder haben, wenn das erste ein Mädchen ist.