Kinder-Verbot in Düsseldorfer Biergarten "Zehn bis 20 Prozent der heutigen Eltern kotzen mich extremst an"

Ein Wirt in Düsseldorf wendet eine umstrittene Methode an, um in seinem Biergarten für Ruhe zu sorgen: Er sperrt einen Bereich für Hunde - und für Kinder.

(Foto: Federico Gambarini/dpa)

"Keine Kinder - keine Hunde", heißt es ab sofort auf einem Schild des Düsseldorfer Biergartens "Sonnendeck". Wirt Patrick Weiß, selbst Vater von drei Kindern, erklärt, warum er keine andere Möglichkeit mehr sah.

Von Martin Zips

Am Niederkasseler Deich in Düsseldorf, direkt am Ufer des Rheins, betreibt Patrick Weiß den Biergarten "Sonnendeck". Es gibt eine Terrasse mit Blick aufs Wasser, außerdem eine Strandlandschaft mit Liegestühlen und Sonnenschirmen. "Ein kaltes Getränk in der Hand, den feinen Sand unter den Füßen, einfach mal abschalten", so bewirbt der Betreiber die Vorzüge seines Lokals auf seiner Website. Doch weil Abschalten in letzter Zeit immer schlechter möglich war, sah sich Weiß zu einer drastischen Maßnahme gezwungen: Er hat den Strand zur kinderfreien Zone erklärt. Im Gespräch mit der SZ erklärt er, warum er das Problem nicht bei den Kindern, sondern vor allem bei den Eltern sieht.

Herr Weiß, ist Ihr gesamter Biergarten nun für Kinder und Hunde verboten?

Nein. Nur ein bestimmter Bereich. Wer sich vom Lärm separieren will, der soll dort seine Ruhe haben dürfen.

Finden Sie das Schild, auf dem Kinder und Hunde quasi gleichgesetzt werden, glücklich ausgewählt?

Nein, das gebe ich zu. Andererseits zeigt es: Dieser Biergartenbereich ist eben für Kinder und Hunde gleichermaßen gesperrt. Fertig. Aus.

Warum haben Sie diesen Bereich gesperrt?

Naja, es gibt immer mehr Eltern, die sich einfach nicht um ihre Kinder kümmern. Da ist das Befüllen von Aschenbechern mit Sand und das Anzünden von Palmen ja noch Gedöns. Aber oft lassen die Eltern ihre Kinder einfach völlig unbeaufsichtigt. Dann rennen die zum Beispiel zum Parkplatz runter und niemand passt auf. Das bin ich leid. Ich verstehe auch nicht, wieso man Hunde stundenlang kläffen lässt, ohne was dagegen zu machen.

Zurück zu den Kindern. Haben Sie selber welche?

Drei sogar, die sind zwischen drei und 15 Jahre alt. Ich habe gefühlte 500 Jahre Windeln gewechselt und verstehe es einfach nicht, dass man sich nicht um seine Kinder kümmert. Letztens stand ein Kind bei uns mitten in der Küche. Neben der heißen Fritteuse. Ich habe mich von dem Kind zu seiner Mutter führen lassen und alles, was die Mutter sagte, war: "Naja, ich muss ja auch mal in Ruhe essen." Ich möchte es mal so sagen: Zehn bis 20 Prozent der heutigen Eltern kotzen mich extremst an.

Kinder kotzen Sie aber nicht an, oder?

Natürlich nicht. Dass ein Kind spielen will, wenn es Sand sieht, ist doch völlig normal. Ich kriege aber einen Hals, wenn Eltern ihr Kind nicht in die Schranken weisen. Wir haben hier so eine Terrasse mit Liegestühlen, da kann man sich entspannen. Und was machen einige Eltern? Sie fangen an, ihrem Kind auf der Terrasse Fahrradfahren beizubringen. Ohne schlechtes Gewissen. Nebenan haben wir Sand aufgeschüttet. Da lassen diese Eltern ihre Blagen ziemlich rücksichtslos Fußball spielen. Und ihr Essen bringen Sie sich auch meist selber mit.

Gut, in bayerischen Biergärten darf man das glücklicherweise auch. Sonst wird es auch ziemlich teuer, für eine Familie.

Babynahrung mache ich natürlich auch in der Küche warm. Aber wenn jetzt jeder selbst sein stilles Wasser mitbringt, kann ich irgendwann auch meine Familie nicht mehr ernähren.

Herr Weiß, hat der Egoismus unter Biergartenbesuchern in der vergangenen Zeit zugenommen?

Überall hat der Egoismus zugenommen! In Skandinavien übernimmt die Kinderbetreuung ja mehr oder weniger der Staat. Das finde ich toll. Hier aber ist es nicht so. Manchen Eltern ist alles scheißegal und wenn man sie drauf anspricht, werden sie noch pampig. "Entschuldigen Sie, Ihr Kind baut gerade eine Matschburg auf dem Tisch." - "Ja und? Die machen wir später weg." - "Aha. Lassen Sie Ihr Kind daheim auch Matschburgen auf Tischen bauen?"

Sind Sie da jetzt nicht ein bisschen streng?

Nein. Gerade die, die selber Kinder haben, sind doch dankbar für Orte der Ruhe. Ich weiß, wovon ich rede. Wenn ich mit meiner Frau verreise, möchte ich ja auch nicht in einem Zimmer sein, in dem Kinder schon ab sechs Uhr morgens den Ball außen an die Wand werfen. Mit Kinderfeindlichkeit hat das nichts zu tun! Aber wenn man friedlich zusammenleben möchte, braucht es nun mal gegenseitigen Respekt.

Und an dem fehlt es?

Die Ignoranz und Arroganz dieser Yuppie-Eltern, die wir gerade hier in Düsseldorf haben, zieht einem manchmal schon die Schuhe aus. Ich seh´s ja bei meiner Tochter in der Schule: Vor den Lehrern hat überhaupt niemand mehr Respekt. Als Gesellschaft sollten wir schon dafür sorgen, dass gerade Lehrern wieder mehr Respekt entgegengebracht wird.

Stehen Sie eigentlich wegen Ihres Schildes schon im Zentrum eines Shitstorms?

Im Gegenteil. Nur ein Einziger hat mich bisher am Telefon als "Kinderhassersau" oder so beschimpft. Dem konnte ich aber gar nicht antworten, weil er so schnell wieder aufgelegt hat. Die Emails, die mich erreichen, sind ausschließlich positiv.

Befürchten Sie Umsatzeinbußen?

Wissen Sie was? Die wären mir auch egal. Hauptsache, ich habe endlich meine Ruhe. Ich habe mir schon überlegt, nur noch für Firmenveranstaltungen am Wochenende meinen Biergarten aufzumachen und mich den Rest der Woche mit meinen Kindern selber in den Sand zu setzen.

So fertig macht Sie das alles?

Ich konnte nachts schon nicht mehr schlafen. Ich habe wirklich viel versucht, die Leute zu mehr Rücksicht zu erziehen. Ich habe es einfach nicht geschafft. Daher mein Entschluss. Und zu dem stehe ich.