Die Polizei hat das Paar aufgespürt, das drei kleine Kinder in einer italienischen Pizzeria zurückließ. Die beiden werden nun verhört - und vermutlich bald wieder freigelassen.

Fast vier Tage nachdem eine 26-Jährige Frau aus dem Sauerland zusammen mit ihrem Partner drei Kleinkinder in einer norditalienischen Pizzeria einfach zurückgelassen hat, wurde das Paar am Donnerstag unverletzt von der Polizei aufgegriffen. Spekulationen über einen möglichen Selbstmord der Mutter und ihres Freundes haben sich damit zerschlagen.

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Ina R. und ihr Begleiter Sascha S.: Die Polizei hat das Paar in der Nähe der Stadt Aosta gefasst. (© Foto: AFP)

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Das Paar wurde sofort von der Polizei vernommen. Vieles deutet darauf hin, dass die beiden aus Verzweiflung über ihre verfahrene Lebenssituation handelten. Aus Tagebuchaufzeichnungen der jungen Leute ging hervor, dass sie in finanziellen Schwierigkeiten stecken und über Selbstmord nachdachten. Der 24-jährige Mann ist zudem ein flüchtiger Häftling.

Das Paar habe nach ihrer Entdeckung gleich nach den Kindern gefragt, seien sich aber sicher gewesen, dass es ihnen gut gehe, teilte der Polizeichef von Aosta, Salvatore Aprile, laut einer Meldung der italienischen Nachrichtenagentur ANSA auf einer Pressekonferenz mit. Die beiden seien von einer Polizeistreife entdeckt worden, berichtete Aprile weiter. Sie hätten den Beamten erzählt, das ihnen das Geld ausgegangen sei und sie sogar ein Handy verkauft hätten, um sich etwas zu Essen kaufen zu können.

Das Paar solle bald wieder auf freien Fuß gesetzt werden, hieß es aus Justizkreisen in Aosta. Die beiden sollten im Polizeipräsidium im Beisein eines Dolmetschers mit der Strafanzeige gegen sie wegen Aussetzung Minderjähriger konfrontiert werden; außerdem sollten sie erklären, warum sie geflüchtet waren.

Keine internationale Fahndung

Dann könnten sie das Präsidium verlassen, also auch der aus einem Hafturlaub geflohene Mann. Denn er sei nicht international zur Fahndung ausgeschrieben. Die deutschen Ermittler hatten dem Mann noch die Möglichkeit gegeben, freiwillig nach Deutschland zurückzukehren.

Das Paar sei wohlauf, teilte die italienische Polizei mit. Es wurde etwa zehn Kilometer von Aosta aufgespürt. Eine Anwohnerin hatte die Deutschen dort entdeckt. "Ich habe versucht, mit ihnen zu sprechen, habe sie gefragt, ob sie etwas brauchten, aber wir haben uns nicht verständigen können", sagte die Anwohnerin Manuela Bionaz.

"Wir haben dann ein paar Minuten lang versucht, miteinander zu kommunizieren, und sie gaben mir zu verstehen, dass es ihnen gut gehe und sie nichts brauchten." Das sei bereits am Dienstagabend gewesen. Sie benachrichtigte die Polizei, ein Hubschrauber fand zunächst jedoch nichts.

Später fand Bionaz sie dann jedoch Zigarettenkippen und andere Spuren, die auf die beiden Deutschen hindeuteten. Die Polizei suchte erneut und wurde fündig. Das Paar habe auf einer von Gehölz gesäumten Straße möglicherweise in einem am Straßenrand geparkten Fahrzeug übernachtet, vermuten die Ermittler. Die Streife brachte das Paar auf das Präsidium in Aosta.

Die Kinder spielten derweil "wohlauf" in einem Heim im Zentrum von Aosta, berichtete die italienische Tageszeitung La Repubblica. Mit italienischen Kindern im Heim verständigten sich die kleinen Deutschen mit Händen und Füßen hervorragend.

Sie sollten noch an diesem Freitag von Mitarbeitern des Olper Kreisjugendamtes zurück nach Deutschland geholt werden. Daran ändere sich auch durch das Wiederauftauchen der Mutter nichts, sagte ein Sprecher der Kreisverwaltung Olpe. Zwei Mitarbeiter des Kreisjugendamtes waren am Donnerstagmorgen mit einem Auto ins Aostatal aufgebrochen. Die Geschwister sollen voraussichtlich bei den Großeltern in Finnentrop im Sauerland untergebracht werden. Der Mutter wurde das Sorgerecht entzogen.

Die Mutter und ihr Freund hatten die Kinder im Alter von zehn Monaten sowie vier und sechs Jahren am Sonntag in dem Restaurant zurückgelassen und waren spurlos verschwunden. Nach dem Verschwinden der Mutter hatten italienische Behörden die Kinder in Obhut gekommen. Ihren 24-jährigen Begleiter hatte die Frau in einem Gefängnis kennengelernt. Dort sitzt auch der leibliche Vater der Kinder ein.

Die Siegener Staatsanwaltschaft hat ein Vorermittlungsverfahren gegen die Mutter eingeleitet. "Es wird geprüft, ob der Anfangsverdacht einer Straftat besteht", hieß es. Allerdings scheinen die Umstände des Zurücklassens der Kinder in einer Gaststätte die Voraussetzungen für eine "Aussetzung" und "Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht" nicht zu erfüllen. Dies setze als Folge der Tat erhebliche Gefahren oder Schäden für die Opfer voraus.

Der leibliche Vater der Kinder seitzt derzeit eine Strafe von zwei Jahren und acht Monaten wegen Körperverletzung mit Todesfolge ab. Er hatte 2006 ein weiteres Kind des Paares so sehr geschüttelt, dass es starb. Der 24 Jahre alte neue Freund der Frau war Anfang April nicht in die Haft zurückgekehrt. Er muss noch zwei Strafen wegen schwerer räuberischer Erpressung bis Mitte 2011 verbüßen.

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(AP/dpa/AFP/hai/odg/aho)