Keine Schwimmbad-Attraktion Pinguine dürfen nicht nach Soest

Wie rettet man ein Schwimmbad, das nur Verluste macht? Im nordrhein-westfälischen Soest hatten die Betreiber des "Aquafun" eine ungewöhnliche Idee. Doch daraus wird nichts.

Der Pinguin - lateinisch korrekt Spheniscus - ist vor allem in den kalten Gewässern der Südhalbkugel heimisch. Am Kap der guten Hoffung vor Südafrika, nahe der Falklandinseln oder in der Antarktis zum Beispiel. Dass er mit Soest, einer Kreisstadt in Nordrhein-Westfalen, liebäugeln würde, ist bisher nicht bekannt.

Der Pinguin ernährt sich vor allem von Fischen oder kleinen Krebstieren. Dass ihm auch Pommes-Reste oder ins Wasser geworfene Reste eines Ed-von-Schleck-Eises munden würden, bezweifeln Biologen.

Trotz dieser Zweifel verfolgten die Betreiber des Spaßbades "Aquafun" in Soest ihre Idee. Pinguine leben im Wasser. Im Schwimmbad gibt es Wasser. Pinguine sind Publikumslieblinge. Also könnten sie jede Menge Badegäste anlocken.

Weil Wellness, Whirlpool und Wellenbecken offenbar nicht genügen, um das seit Jahren defizitäre Bad mit ausreichend Badegästen zu füllen, wollten die Verantwortlichen bei den Stadtwerken in Soest ein spezielles Bassin für die Tiere anlegen. Er habe das Bad damit "aufhübschen" wollen, so drückt es Hans-Peter Klose, der Aufsichtsratschef der Stadtwerke, aus.

"Nicht aufzulösende Kontroverse"

Doch aus dem Pinguin-Reservoir zwischen Nichtschwimmerbecken und Saunalandschaft wird jetzt nichts. Zu groß war der Protest von Tierschützern. Mit Mahnwachen, einer Demonstration und einer Online-Petition hatten die Kritiker protestiert. Mehr als 1900 Unterschriften hatte die "Lippstädter Pfortenhilfe" gegen das Projekt gesammelt, mehr als 3500 Menschen schlossen sich zudem Facebook-Seite "Gegen Tierquälerei im Aquafun" an.

"Pinguine sind sensible Tiere, sie sind geräuschempfindlich", sagt Tierschützerin Lena Mairing. Außerdem seien die Tiere neugierig. "Die Wahrscheinlichkeit, dass Dinge ins Becken geworfen werden und die Pinguine daran verenden, ist zu groß."

Es gebe wohl "im Kern eine nicht aufzulösende Kontroverse innerhalb der Bevölkerung", sagte Stadtwerke-Aufsichtsratschef Klose. Deswegen habe man am Montagabend beschlossen, das Projekt nicht weiterzuverfolgen.

Pinguin-Forscher halten die Bedenken der Tierschützer allerdings für überzogen. "Humboldt-Pinguine sind relativ anspruchslos, über ihr Hörvermögen weiß man nur sehr wenig", sagt der Biologe Klemens Pütz, wissenschaftlicher Direktor der Stiftung "Antarctic Reserach Trust" und in Medien gerne "einziger deutscher Pinguin-Forscher" genannt.

Forscher wenig begeistert

Pütz ist von der Idee, Pinguine im Spaßbad zu halten, wenig begeistert. "Selbst wenn man das Becken ausreichend absichert und schließt, schüttele ich ein bisschen den Kopf." Zoos stünden ohnehin bereits in der Kritik: "Und bei einem Spaßbad ist die Grenze dann überschritten."

Auch Günther Schleussner, Vogelspezialist und Tierpfleger in der Stuttgarter Wilhelma, sieht zwar keine Probleme bei der technischen Umsetzung des Soester Pinguin-Projekts, er warnt aber vor Kosten und Aufwand: "Da kann ja der Bademeister nicht mal eben in der Mittagspause ein paar Heringe ins Becken werfen." Die Idee sei nicht durchdacht, außerdem sollten Tiere nicht zur Dekoration degradiert werden.

Ganz neu wäre die Idee indes nicht. Das Spreewelten-Bad im brandenburgischen Lübbenau hat bereits seit 2008 Pinguine im Becken, von den Schwimmern getrennt durch eine Glaswand. "Problemlos und ohne Protest", wie eine Sprecherin versichert.