Katholische Krankenhäuser und Vergewaltigung Schrecklich konsequent

Abtreibung ist eine Todsünde - so lautet ein Grundsatz der katholischen Kirche. Doch was ist mit dieser Konsequenz im Fall der vergewaltigten Frau in Köln?

Ein Kommentar von Matthias Drobinski

Aus Sicht der katholischen Kirche ist klar: Abtreibung ist eine Todsünde, weil sie ein Menschenleben tötet. Also rechtfertigt auch eine Vergewaltigung keine Abtreibung, es muss vielmehr der betroffenen Frau so geholfen werden, dass sie das Kind bekommen kann.

Egal, unter welchen Umständen es entstanden ist, Leben ist Leben, es darf nicht getötet werden. Man kann anderer Meinung sein, aber eines muss man der katholischen Kirche zugestehen: Sie ist konsequent.

Doch was ist, wenn diese Konsequenz aufs Leben trifft? Es hat ja auch jene Frau ein Lebensrecht, die da in Köln an die Tür eines katholischen Krankenhauses klopfte, weil sie fürchten musste, ein Leben lang sich mit einem Kind auseinandersetzen zu müssen, das eine Frucht der Gewalt ist. In dieser Situation gibt es nur Dilemma-Entscheidungen - jede Konsequenz droht unmenschlich zu werden.

Und das ist passiert, als das Sankt-Vinzenz-Krankenhaus eine mutmaßlich vergewaltigte junge Frau abwies. Auch aus der Sicht der Kirche war dies ein Fehler, aber der Fehler liegt auch im System. Offenbar hatten die diensthabenden Ärztinnen und Ärzte Angst, sie würden entlassen, wenn sie hier anders handeln als vorgeschrieben. Und offenbar hatten sie Grund dazu, denn tatsächlich achtet die Kirche gerade im Erzbistum Köln darauf, dass die Lehre konsequent befolgt wird. Dabei wäre hier nur eines menschlich gewesen: die Inkonsequenz.