Katholische Kirche Warum der Papst zwei portugiesische Kinder heiligspricht

Ein undatiertes Foto zeigt die Kinder Lúcia dos Santos, Francisco und Jacinta Marto (v.l.). Die beiden Geschwister werden von Papst Franziskus heiliggesprochen.

(Foto: AFP)
  • Jacinta, Francisco und Lúcia soll vor 100 Jahren, am 13. Mai 1917, die Jungfrau Maria erschienen sein.
  • Später habe sie ihnen drei Geheimnisse anvertraut, die sie aber nicht verraten dürften.
  • Papst Franziskus reist nach Fátima, um die zwei der drei Kinder, die wenig später gestorben sind, heiligzusprechen - und mit ihm Millionen Katholiken.
Von Thomas Urban, Fátima

Der Marmorweg zur Basilika Unserer lieben Frau vom Rosenkranz ist frisch poliert, die Tribüne für die Fernsehkameras aufgebaut, das Hotel "Aleluia" ist trotz exorbitanter Preise seit langem ausgebucht, Tausende portugiesischer Polizisten proben seit Tagen für ihren größten Einsatz in der Geschichte des Landes: Am Samstag kommt Papst Franziskus in den Wallfahrtsort Fátima, er will zwei der drei Hirtenkinder heiligsprechen, denen vor genau 100 Jahren auf einem Feld an der Stelle, auf der die neobarocke Basilika errichtet wurde, erstmals die Jungfrau Maria erschienen sein soll. Mehrere Millionen Pilger aus aller Welt werden erwartet.

Doch nicht nur die Sicherheitsexperten machen sich in Zeiten des islamistischen Terrors Sorgen um den Schutz des Heiligen Vaters und der Gläubigen. Auch die Meteorologen schauen sich besorgt die Satellitenbilder an, die zunehmend Wolkenzusammenballungen über dem Atlantik zeigen. Für das Papstwochenende sei mit heftigen Regengüssen zu rechnen, orakelt die portugiesische Presse. Und das bliebe nicht ohne Folgen für die Messe mit der Heiligsprechung unter freiem Himmel.

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Denn dem riesigen Platz zwischen der Basilika mit ihrer goldenen Krone auf der Turmspitze und der riesigen kreisrunden Dreifaltigkeitskirche, die an ein modernes Kongresszentrum erinnert, droht die Überflutung. Beide Gotteshäuser stehen auf Anhöhen, die asphaltierte Fläche dazwischen, mit rund 35 Hektar der größte Kirchenvorplatz der Welt, fällt von beiden Enden her zur Mitte ab; doch haben die Architekten offenkundig eine Kanalisation vergessen, die das Regenwasser abführen könnte.

Fátima ist einer der wichtigsten Wallfahrtsorte der katholischen Christenheit geworden, Pilgergruppen aus aller Welt ziehen über den Vorplatz, Dutzende von Landesfahnen sind auszumachen, von Brasilien über die Ukraine bis zu Südkorea. In sechs Sprachen wird auf dezenten Schildern vor Automardern und Taschendieben gewarnt. Die Andenkenläden sind vom Gelände des "Heiligtums von Fátima", wie es offiziell heißt, verschwunden, sie reihen sich aber dicht an dicht in der knapp 12 000 Einwohner zählenden Kleinstadt

Zwei Kinder starben bald, Lúcia wurde 97

Heiligen- und Papstfiguren aller Arten und Größen stehen in den Schaufenstern und Kiosken, wobei sich der ewig lächelnde Franziskus und der in allen romanischen Ländern nach wie vor hochverehrte Johannes Paul II. einen Wettstreit zu liefern scheinen. Es war der polnische Papst, der die beiden früh gestorbenen Hirtenkinder selig gesprochen hat. Sein Nachnachfolger aus Argentinien verkündete vor zwei Monaten, nun sei der Beweis dafür erbracht, dass sie ein Wunder bewirkt hätten, somit die kirchenrechtliche Voraussetzung für die Heiligsprechung erfüllt sei.

Das Wachsfigurenmuseum von Fátima stellt die Geschichte der Geschwister Jacinta und Francisco Marto sowie ihrer Cousine Lúcia Santos dar. Sie hüteten im März 1917 Schafe unweit des Dorfes, als ihnen ein Engel erschienen sein soll; sie waren damals sieben, acht und zehn Jahre alt und Analphabeten. Am 13. Mai war es dann die Jungfrau Maria höchstselbst, die ihnen aufgetragen haben soll, sich zum 13. jedes Monats am selben Platz einzufinden. Die Geschichte sprach sich herum, immer mehr Menschen begleiteten die drei Kinder. Am 13. Juli berichteten mehrere Teilnehmer der spontanen Wallfahrt zu dem Feld über dem Dorf, dass sich die Sonne in eine um sich selbst drehende Feuerscheibe verwandelt habe. Die drei Kinder, und nur sie, aber sahen erneut die Gottesmutter, sie habe ihnen drei Geheimnisse anvertraut, die sie aber nicht verraten dürften.

Die beiden Geschwister starben kurz hintereinander wenig später, Lúcia de Santos aber lernte schreiben und ging noch als Jugendliche in ein Kloster. Zum 10. Jahrestag der Erscheinungen gab sie an, vom Himmel den Auftrag bekommen zu haben, die drei Geheimnisse aufzuschreiben. Doch sie musste das Papier auf Anweisung eines Priesters verbrennen. Als in Europa längst Krieg herrschte, schrieb sie 1941 erneut die Worte auf, die die Jungfrau Maria ihr gesagt haben soll. Das Papier mit dem Text des dritten Geheimnisses legte sie indes in einem Briefumschlag und versiegelte diesen; sie schrieb darauf, dass der Umschlag nicht vor 1960 zu öffnen sei.