Katholische Kirche Papst veröffentlicht Internetregeln für Nonnen

Vertragen sich soziale Medien mit Kontemplation? Eine Klosterkirche in Bayern.

(Foto: Manfred_Neubauer)

Vertragen sich Facebook und Twitter mit innerer Ruhe und Besinnlichkeit? Durchaus, sagt Franziskus. Trotzdem hat der Papst jetzt 289 Regeln für das Surfen innerhalb der Klostermauern erlassen.

Von Martin Zips

Das mit der Abgeschiedenheit ist heute ja so eine Sache. Die Welt lässt sich gar nicht mehr aussperren - überall nur Wlan und mobiles Netz. Ein brennender Dornbusch, aus dem man göttliche Anweisungen erhält; der Auftrag, sofort eine Arche zu bauen; die Verkündigung eines Engels oder die Begegnung mit einem kürzlich von den Toten Auferstandenen - früher mag all das noch möglich gewesen sein, heute verhindern Snapchat, Tinder und Instagram fast jede Form analoger Besinnlichkeit. Die Spiritualität wird zugespamt. Oder etwa nicht?

Selbst christliche Gemeinschaften, die sich als "kontemplativ" bezeichnen, also eher im Verborgenen wirken, sind offenbar überfordert. So scheint es zumindest, wenn man "Cor Orans" (Betendes Herz) studiert, die neuen Richtlinien, die Papst Franziskus für weltweit 38 000 Nonnen, die Mitglieder in kontemplativen Orden sind, erlassen hat.

Es sind 289 frisch abgefasste Instruktionen, eine Art Update für die Klausur. Hier wird nicht nur festgelegt, dass aussterbende Klöster keine Nonnen im Ausland mehr anwerben dürfen, bloß, um ihr Überleben zu sichern. Es geht auch nicht nur darum, ob und wann ein Kirchenmann von einer Oberin noch für dies und das um Erlaubnis gefragt werden muss. Es geht vor allem um die Frage, wie innere Ruhe im Konvent überhaupt noch einkehren kann, wenn draußen 365 Tage im Jahr digital Oktoberfest gefeiert wird.

Damit man das jetzt nicht falsch versteht: Altbacken ist "Cor Orans" nicht. Im dritten Kapitel erfährt der weibliche Eremit sogar, und das ist erstaunlich, dass selbst ihm hinter dicken Klostermauern das Surfen mit dem Smartphone prinzipiell gestattet ist. Jedoch sei das digitale Tor zur Welt mit "Genügsamkeit und Bedacht" zu nutzen. Facebook und Twitter? Warum nicht? Aber bitte mit "Ernsthaftigkeit und Diskretion". Und niemals dürften die neuen Medien für Ordensschwestern "Anlass zur Zeitverschwendung" sein.

Das mit der Zeitverschwendung ist natürlich ein weites Feld. Selbst der Vatikan verfügt ja heute über eine riesige Social-Media-Abteilung. Gut 18 Millionen Menschen folgen dem (englischsprachigen) Twitter-Account von Papst Franziskus. Also fragt sich nicht nur Bernd Hagenkord, deutscher Jesuit und Leitender Redakteur von Vatican News, "warum ausgerechnet jetzt diese Handreichung herauskommt". Und warum nur für Nonnen? Twittern vor allem Schwestern in der Morgenhore? Fällt vor lauter Instagram in manchen Frauenklöstern gar die Vesper aus?

Der katholische Theologe und Zen-Meister Alexander Poraj vom Benediktushof im unterfränkischen Holzkirchen betont: Handy-Abstinenz dies-, aber auch jenseits des Kreuzgangs bringe dem nach Sinn suchenden Menschen nur dann etwas, wenn sie aus Vernunft und nicht etwa aus Angst vor einem strafenden Gott erfolge. "Nur in einer Haltung der unmittelbaren Präsenz lässt sich göttliche Einheit erfahren." Mit anderen Worten: Möglicherweise spricht der Schöpfer schon längst aus brennenden Smartphones. Und Engeln kann man auch auf Whats-app begegnen, womöglich sogar in der Klosterzelle. Man muss sich nur ernsthaft darauf einlassen.