Katastrophe von Kaprun Alptraum ohne Ende

Acht Jahre nach der Brandkatastrophe der Gletscherbahn von Kaprun erhebt ein deutscher Gutachter schwere Vorwürfe: Im österreichischen Prozess seien zielgerichtet Tatsachen vertuscht worden.

Schwere Vorwürfe gegen die Sachverständigen im Prozess um die Brandkatastrophe von Kaprun: "Im Prozess in Österreich wurde zielgerichtet versucht, Tatsachen zu vertuschen und zu unterdrücken", sagte Hans-Joachim Keim. Der deutsche Ingenieur ist für den Hersteller Fakir als Gutachter tätig.

Verkohlte Reste waren alles, was von der Gletscherbahn Kaprun blieb.

(Foto: Foto: dpa)

Ein von Fakir produzierter Heizlüfter gilt als Verursacher der Brandkatastrophe vom 11. November 2000, bei der im Tunnel der Standseilbahn zum Kitzsteinhorn bei Kaprun 155 Menschen ums Leben kamen.

Es seien seitens der Gutachter im Prozess gravierende Falschaussagen gemacht worden, um Straftaten zu vertuschen, die beim Umbau der Gletscherbahn verübt worden seien, sagte Keim. Beweismittel und Ölspuren seien während des Ermittlungsverfahrens verschwunden.

Keim zufolge war der Einbau des Lüfters im Jahr 1992 "fahrlässig, wenn nicht sogar grob fahrlässig". Der Heizlüfter habe laut Gebrauchsanweisung nicht in Fahrzeuge eingebaut werden dürfen. "Im Prozess ging das Gericht immer nur davon aus, dass der Heizlüfterhersteller schuldig sein muss."

Keims Gutachten waren nur in den Ermittlungen der deutschen Staatsanwaltschaft berücksichtigt worden, nicht aber in Österreich. Wegen der seiner Ansicht nach schweren Versäumnisse der vier vereidigten Sachverständigen erstattete der Ingenieur bereits im April Strafanzeige bei den österreichischen Behörden. Die Entscheidung, ob ein Ermittlungsverfahren eröffnet wird, liegt mittlerweile beim Justizministerium in Wien.

Bei den Ermittlungen der deutschen Staatsanwaltschaft gegen den Hersteller Fakir sei die Bewertung der Beweisergebnisse etwas anders gewesen als die der österreichischen Kollegen, sagte Oberstaatsanwalt Wolfgang Schwarz. Die Staatsanwaltschaft Heilbronn hatte das Ermittlungsverfahren im September 2007 mangels Tatverdachts eingestellt.