Vor der Nordostküste Kanadas hat wieder das weltweit größte Abschlachten von Robben begonnen. Pelze und Öl von 325.000 Tieren sollen der Region wirtschaftlich helfen. Außerdem, so behaupten kanadische Fischer, seien die Robben eine Gefahr für ihre Fischgründe. Tierschutzorganisationen kritisieren, dass viele Tiere auf grausame Weise getötet und sogar bei lebendigem Leib gehäutet werden.
Das kanadische Fischereiministerium in Ottawa hat für diese Saison 320.000 Sattelrobben und 5000 Klappmützen zum Töten freigegeben.
Der erste Tag des Schlachtens in der Provinz Prince Edward Island: Eine Robbe vor den Resten ihrer gehäuteten Artgenossen. (© Foto: AP)
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Etliche Einwohner der industriearmen Atlantik-Provinz Neufundland leben vom Verkauf der Robbenfelle, deren Preis in den vergangenen fünf Jahren nach kanadischen Medienangaben auf das Zehnfache gestiegen ist - 70 bis 100 Dollar (54 bis 78 Euro).
Deshalb, so der Sprecher der Fischervereinigung der Provinz Prince Edward Island, müssten Gegner der Jagd die Käufer kritisieren, nicht die Jäger.
Ein weitere Einnahmequelle ist das Öl, das aus den Tieren gewonnen wird.
Kanadas Regierung begründet die Rekordschlachtquote für die vergangenen drei Jahre von etwas mehr als einer Million Tiere damit, dass sich die Robben stark vermehrt hätten. Der Bestand sei "gesund und reichlich" und etwa drei Mal so groß wie noch in den 70er Jahren.
Auch hätten die Tiere die Kabeljaubestände im Atlantik abgebaut. Kritiker der Tötungen sehen den Grund dafür allerdings im Überfischen der Meere durch den Menschen.
Die Jagd ist wegen der hohen Zahl der zu tötenden Tiere als auch wegen des Vorgehens der Jäger umstritten. Tierschützer kritisieren, die jungen Robben würden mit Knüppeln zu Tode geprügelt.
Die Jäger bestreiten dies und versichern, sie würden Gewehre und Speere einsetzen, die erlegten Tiere seien sofort tot.
Mit den Jägern fanden sich am frühen Dienstag Dutzende von Demonstranten auf den Eisschollen im Golf des St. Laurence nahe der Magdalen-Inseln ein.
"Es ist schrecklich dort draußen. Überall auf dem Eis ist Blut, und die toten Robben liegen herum, soweit das Auge reicht", sagte Rebecca Aldworth vom Tierschutzbund der USA, die die Jagd im Golf des St. Lawrence beobachtet.
95 Prozent aller getöteten Robben seien noch nicht einmal drei Monate alt, so Aldworth. Die Jagd beginnt zwei Wochen nach der Geburt der Seehundjungen und dauert bis zum 15. Mai.
Im Todeskampf zurückgelassen
Aldworth berichtete von Robben im Todeskampf, die die Jäger hilflos zurückgelassen hätten. Die Vorschriften verpflichten die Jäger dazu, sich des Todes der Robben zu vergewissern, bevor sie weiterziehen.
Tierschutzorganisationen kritisieren jedoch, dass Jungtiere auf grausame Weise getötet und nicht selten bei lebendigem Leib gehäutet werden. Sie fordern ein weltweites Importverbot für Robbenprodukte, wie es kürzlich in den USA durchgesetzt wurde.
Auch Mexiko, Belgien und die Niederlande erwägen nach Angaben von Tierschützern derzeit ein solches Verbot.
Die Hauptabnehmer von Robbenprodukten, China und mehrere skandinavische Länder, vor allem Dänemark und Norwegen, haben bisher keine Einwände gegen die blutigen Schlachtmethoden erhoben.
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace protestiert in den vier größten deutschen Städten Berlin, Hamburg, München und Köln mit einer viertägigen Plakataktion und einer Mahnwache gegen die Robbenjagd.
Proteste in Deutschland
Im Zentrum der Hauptstadt auf dem Pariser Platz können sich Passanten bis Freitag an der Gestaltung eines 350 Meter langen Banners beteiligen, das der kanadischen Botschaft übergeben werden soll.
Greenpeace wirft Kanada vor, dass die Jagd "sinnlos und ethisch verwerflich" sei.
Nach Angaben der Organisation werden in Kanada pro Jahr etwa zehn Millionen Euro mit der Robbenjagd erwirtschaftet.
Im Jahr 2002 hätten dagegen allein 290.000 deutsche Kanada-Urlauber insgesamt 240 Millionen Euro ausgegeben.
Einige Tierschutzverbände haben aus Protest gegen das Robbenschlachten in diesem Jahr erstmals zu einem Boykott aller kanadischen Meeresprodukte aufgerufen, darunter auch Fisch und Krabben.
Der Greenpeace-Protest richtet sich ausdrücklich nicht gegen die traditionelle Jagd der Ureinwohner Kanadas und Grönlands zur Deckung des Eigenbedarfs.
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(dpa/AP/AFP)
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