Im Februar starb der 16-jährige Lukas W. bei einem Wetttrinken, jetzt wird der Kneipenwirt verhaftet. Zum Verhängnis könnte ihm der Trick mit dem Wasser werden.
Vermutlich hat Aytac G. nicht gedacht, dass man sich an einem einzigen Abend totsaufen kann. Nicht über Jahre, wie Alkoholiker das machen, sondern einfach so, an einem Abend so viele Tequilas trinken, dass man daran stirbt.
Bild vergrößern
Warum sollten sich Jugendliche anders benehmen als viele Erwachsene beim Oktoberfest? (© Foto: ddp)
Anzeige
Aytac G. weiß es nun besser, und wahrscheinlich wäre alles anders gelaufen, wenn am 25. Februar Lukas W. nach dem 30. Tequila gesagt hätte: "Okay, hast gewonnen, mir ist schlecht."
Vielleicht wäre nichts passiert, und Aytac G. hätte noch seine Kneipe, und die Polizei hätte ihn nicht vor ein paar Tagen festgenommen. Aber Lukas W. hat nichts gesagt, er soff weiter.
Er wusste nicht, dass Aytac G. zwischendurch Wasser statt Tequila getrunken hatte. Es war kein faires Spiel, es war wie solches Wettsaufen immer ist - idiotisch.
Irgendwann hatte Lukas 45 Tequila getrunken. 4,1 Promille. Er kippte um, seine Freunde legten ihn auf eine Couch. Lukas übergab sich, das Erbrochene blieb im Hals stecken. Er lief blau an, das Gehirn wurde nicht mit Sauerstoff versorgt. Erst dann rief jemand einen Krankenwagen.
Lukas W. fiel in ein Koma, aus dem er nie wieder aufwachen sollte. Vier Wochen später stimmen Lukas' Eltern zu, die Apparate abzuschalten. Die Ärzte an der Berliner Charité können nichts mehr tun. Lukas W., der Gymnasiast aus Steglitz, wird 16 Jahre alt. Er stirbt beim Versuch, den Wirt einer Kneipe unter den Tisch zu saufen.
Respekt durch Saufen?
Für viele klingt das vielleicht unfassbar dumm, aber wenn man 16 ist und es kaum abwarten kann, wie ein Erwachsener behandelt zu werden, dann gibt es vermutlich wenige Dinge, mit denen man sich in seinem Freundeskreis mehr Respekt verschaffen kann.
Man ist kein Kind mehr, man ist langsam erwachsen. Sätze wie "Nicht schnacken, Kopf in Nacken" oder "Prosit der Gemütlichkeit" haben sich nicht 16-Jährige ausgedacht. Warum sollten sie sich anders benehmen als viele Erwachsene beim Oktoberfest?
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...
Kapitalabzug aus Südeuropa
Wie meinen Sie das? Würde Ihnen diese Erklärung das Verständnis erleichtern? Dann passen Sie: Eine solche Erklärung hilft nicht immer...
Sie müssen ja echt schlimme Eltern gehabt haben.
im übrigen möchte ich diejenigen, die hier von der Schuld der Eltern schwadronnieren und ihrer (vernachlässigten) Einflußnahme, auch mal darauf hinweisen, welche logischen Konsequenzen ihre Haltung auf ihre eigene Argumentation hat: Wenn die Eltern tatsächlich einen so maßgeblichen Einfluß hätten, wäre es in der Tat völlig irrig, vom dem "bösen" Amokläufer, Kinderschänder, Massenmörder etc. zu reden. Er war ja "nur" Opfer seiner falschen Erziehung.
Gerade im Fall von Amokläufern finde ich einen guten Hinweis, daß es tatsächlich nicht verfehlt ist, auch darüber nachzudenken, welchen prekären Einflüssen er ausgesetzt gewesen sein muß, um solch eine Tat zu begehen, die ihm ja nun mal keinen Vorteil bringt. Aus einer ihm inhärenten Bosheit heraus kann es wohl kaum geschehen sein. Trotzdem möchte ich bezweifeln, ob es angemessen ist, zuerst den Blick auf die Eltern zu werfen. Sie sind nur ein Einfluß unter vielen.
Dasselbe gilt nicht weniger für andere Verbrechen, auch wenn sie dem Täter einen erkennbareren Nutzen brachten. Wenn der Nutzen alleine die Tat begründet, müssen die "Anständigen" sich überlegen, ob sie einfach nur zu blöd waren, um Verbrecher zu werden. Entweder es gibt eine angeborene Neigung zum Verbrechen, dann war der Täter nicht wirklich verantwortlich und in seiner Entscheidung frei. Oder es lagen Faktoren in seiner prägenden Umwelt vor, die seine Neigung zum Verbrechen wenigstens mitbeeinflußten. Darüber nachzudenken, ist gesellschaftlich sicher von größerem Nutzen als über die Eltern herzuziehen.
Nichtsdestotrotz ist es natürlich verkehrt, darüber die Opfer zu vernachlässigen. Doch deren Leid wird durch eine unreflektierte Bestrafung und Verurteilung nicht wirklich gemindert. Die Bestrafung ist eine erzieherische Maßnahme dem Täter gegenüber. Dem Opfer und möglichen zukünftigen Opfern ist viel mehr durch eine Aufarbeitung der Hintergründe gedient. Wer das nicht kapiert, hat ebenso eine faksche Einstellung wie derjenige, der das Bedürfnis der Opfer nach Trost, Anerkennung, Wiedergutmachung und Mitgefühl ignoriert
seien Sie nicht zu optimistisch: Auch vor der Pubertät ist der Einfluß nicht groß genug, um sicher dergleichen verhindern zu können.
Aber wie auch immer. Auch für den Fall, daß die Eltern etwas hätten besser machen können (und so etwas hinterher zu wissen, ist immer sehr leicht), womit sie nicht hätten rechnen müssen, war, daß der Wirt, der beteligte Erwachsene, immerhin, sich so verkehrt verhält. Die Schuld der Eltern, sofern sie überhaupt besteht, davon wissen wir nämlich nichts, ist angesichts dessen zu vernachlässigen
"Deren Einfluß auf Pubertierende ist arg begrenzt."
Stimmt, aber wenn dann noch EInfluss genommen werden muss in diesem Maße, dann ist es eh schon zu spaet. Der Einfluss muss viel frueher genommen werden... imgrunde genommen von Geburt an.
Paging