Sie sahen aus wie Gentlemen. Sie sprachen wie Gentlemen. Dann begingen zwei Männer allerdings den größten Juwelenraub in der Geschichte Großbritanniens.

Ein Taxi hält. Zwei gut gekleidete Männer steigen aus. Sie betreten ein Schmuckgeschäft in der New Bond Street im Londoner Nobel-Stadteil Mayfair. Kaufen wollen sie nichts, auch wenn sie so aussehen, wie die Kunden, die hier sonst ein- und ausgehen. Sie zücken ihre Schusswaffen, bedrohen die Angestellten und schnappen sich Ringe, Ketten, Armbänder und Uhren. Vor allem auf Diamantenbesetztes hatten sie es abgesehen.

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Der Nobel-Juwelier Graff steht in London für den Inbegriff des Luxus'. Zwei als Gentlemen getarnte Diebe haben dort den größten Juwelenraub der Geschichte Großbritanniens verübt. (© Foto: dpa)

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Bereits am vergangenen Donnerstag ist der größte Juwelenraub in der Geschichte Großbritanniens geschehen. Die Diebe haben so viele Juwelen aus dem Londoner Juweliersgeschäft Graff getragen, dass es Tage dauerte, bis der Schaden beziffert war: Die Männer sind mit Schmuckstücken im Wert von 40 Millionen Pfund - 47 Millionen Euro - entkommen. Graff handelt nur mit Spitzenschmuckstücken und bedient die oberen Zehntausend mit Geschmeide. Paris Hilton, Mike Tyson und Victoria Beckham kaufen hier ein.

Sie sprachen mit Londoner Dialekt

Wie Gentlemen sahen sie aus - wie Gentlemen sprachen sie. Die Männer, die laut Augenzeugenberichten etwa Mitte Dreißig sind, sprachen Londoner Dialekt. Die Gangster gingen auf der Flucht allerdings ganz und gar nicht gentleman-like, sondern äußerst abgebrüht vor: Damit sie ungehindert in ihr geparktes Fluchtauto steigen konnten, nahmen sie zunächst eine Angestellte des Ladens mit nach draußen und gaben einen ersten Schuss ab. Auf ihrer Flucht durch die vollgestopften Straßen Londons benutzten die Männer mindestens drei Autos.

Als sie nach ein paar Straßen vom ersten in das zweite Fahrzeug wechselten, feuerten die Männer einen zweiten Schuss in den Boden ab. Dann entkamen sie im Verkehrsgewirr der britischen Hauptstadt.

Wie die Polizei am Mittwoch mitteilte, haben die Ermittler inzwischen mehrere Wohnungen durchsucht. Bereits am Montag wurde nach Angaben der Fahnder in London ein 50 Jahre alter Mann festgenommen - jedoch inzwischen gegen Kaution wieder freigelassen. In welchem Zusammenhang der 50-Jährige mit dem Verbrechen stehen könnte, teilte die Polizei nicht mit.

Chefermittlerin Pam Mace geht fest davon aus, die Diebe zu finden. "Jemand weiß, wer die Männer sind. Sie haben zweifellos über ihren Plan gesprochen oder später damit geprahlt", mutmaßte sie. Mace sprach von einem gut geplanten Beutezug und nannte die beiden Verbrecher "extrem gefährlich". Die Polizei veröffentlochte Bilder der Überwachungskamera aus dem Juweliergeschäft, auf denen die beiden Männer gut zu erkennen sind. Außerdem wurden Fotos eines Teils der Beute veröffentlicht. Die Fahnder gehen davon aus, dass die Räuber mindestens zwei Helfer hatten, die die verschiedenen Fluchtfahrzeuge fuhren.

Mace ist zuversichtlich, aber die Erfahrungen aus dem letzten Coup bei Graffs im Jahr 2003 sprechen dagegen, dass die Schätze wieder auftauchen: Nur 20 Juwelen aus dem 23-Millionen-Pfund-Raub sind bisher gefunden.

Damals hatte sich der bislang größte Juwelenraub des Königreichs bei Graff ereignet. Der Nobeljuwelier wirbt mit dem Spruch "Die wunderbarsten Juwelen der Welt" für sich. Zwei Serben hatten den Schmuck im Wert von 23 Millionen Pfund - damals etwa 33 Millionen Euro - erbeutet. Allerdings konnte einer der Räuber noch auf der Flucht zu Boden gerissen werden und kam danach ins Gefängnis.

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(sueddeutsche.de/dpa/AP/AFP/abis/bica/dmo)