Interview: M. Rolff

Wer in Fort Lupton, USA, die Musik aufdreht, sollte sich dabei nicht erwischen lassen: Ein Anruf bei Karen Cade, die jugendliche Ruhestörer mit Kinderliedern und Barry Manilow beschallt.

Wer in Fort Lupton im US-Staat Colorado die Musik aufdreht, sollte sich dabei nicht erwischen lassen. Ruhestörer müssen mit einer drastischen Gegenmaßnahme rechnen: Sie werden in Strafsitzungen von Gerichtsassistentin Karen Cade, 46, mit Kinderliedern und Schnulzen beschallt, zum Beispiel mit Barry-Manilow-Songs.

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Barry Manilow: Mit seinen Songs werden nun junge Ruhestörer bestraft. Aber Karen Cade mag ihn, wirklich! (© Foto: Reuters)

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Süddeutsche Zeitung: Hallo Mrs. Cade, was haben Sie gegen Barry Manilow?

Karen Cade: Aber überhaupt nichts, im Gegenteil, früher fand ich den sogar ziemlich gut. Ich schwöre: Ich mochte sogar "Mandy", das Lied ist genau meine Generation, ich bin ja leider schon Mitte 40.

SZ: Wir haben gehört, dass Sie junge Leute mit Manilow-Songs bestrafen.

Cade: Das stimmt auch, aber es ist mir unangenehm, dass jetzt alle, die uns auf das Programm ansprechen, immer nur nach Manilow fragen. Schließlich setzen wir auch andere Lieder als Strafe ein.

SZ: Vielleicht haben Sie da einen Nerv getroffen? Schnulzen polarisieren ja immer ziemlich stark.

Cade: Gut möglich, aber uns geht es ja nicht darum, diese Musik zu bewerten. Wir nutzen sie einfach, um Ruhestörer zu sensibilisieren. Mit Songs, die sie nicht mögen. Um ihnen zu zeigen: Musikgeschmack ist etwas Persönliches. Hört ihr, wie laute Musik nerven kann?

SZ: Wen bestrafen Sie eigentlich?

Cade: Leute, die im Auto die Musik zu stark aufdrehen, und die sind eben oft sehr jung. Geahndet wird alles, was ein Polizist in mehr als 25 Fuß Entfernung vom Wagen noch hören kann.

SZ: Klingt strikt.

Cade: Ja, aber die Ruhestörer waren hier ein echtes Problem. Anwohner konnten die Bässe der Anlagen in den Autos spüren, die an ihrem Haus vorbeifuhren. Paul Sacco, unser Council-Richter, der selbst Kinder hat und Gitarre spielt, kam vor ein paar Jahren auf eine Idee: Geldstrafe ist gut, zusätzliche Pädagogik aber noch besser. Weil die 60 Dollar Bußgeld ja oft von den Eltern gezahlt werden. Die Kinder sollen aber auch etwas leisten.

SZ: Sehr anständig. Und dann werden Kopfhörer verteilt?

Cade: Nein, leider nicht. Es gibt alle drei Monate eine einstündige Gruppensitzung. Am Freitagabend, weil es ein echtes Opfer sein soll. Ich beaufsichtige die Strafaktion, damit niemand redet, einschläft oder Textnachrichten verschickt.

Auf der zweiten Seite: Wie die Songauswahl zustande kommt - und ob sich schon Künstler beschwert haben.

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