Vor einem Jahr raste Jörg Haider in den Tod. Die Kärnter gedenken dem Rechtspopulisten mit einem Denkmal, vielen Kerzen - und einer Sonderausstellung.
Jörg Haider ist in seiner Heimat Kärnten zum Mythos geworden. Vor einem Jahr, in der Nacht zum 11. Oktober 2008, raste der Kärntner Landeshauptmann mit 142 Stundenkilometern und 1,8 Promille im Blut in einen Betonpfeiler.
Bild vergrößern
Hochzeitsfotos, Kinderschuhe und ein Schaukelpferd: Zum ersten Todestag erföffnete in Kärnten eine Ausstellung mit persönlichen Gegenständen Jörg Haiders. Seine Witwe Claudia (Bild) war auch dabei. (© Foto: dpa)
Anzeige
Zu seinem ersten Todestag ehrt man den Rechtspopulisten in Kärnten wie einen Heiligen. Das Klagenfurter Bergbau-Museum widmet ihm eine Sonderschau mit persönlichen Gegenständen: Haiders Schaukelpferd und Kinderschuhe sind ebenso zu sehen wie sein Trachtenanzug, sein Arbeitsschreibtisch und Hochzeitsfotos. Die Ausstellung wurde unter anderem im Beisein von Haiders Witwe Claudia und seiner Mutter Dorothea eröffnet. Das in einem ehemaligen Luftschutzbunker aus der Nazi-Zeit untergebrachte Museum soll sogar bald seinen Namen tragen.
Am Sonntag, seinem Todestag, wird ein kleines Denkmal an dem Ort südlich von Klagenfurt eingeweiht, an dem der 58-Jährige verunglückte. Der Unfallort des umstrittenen Politikers ist bereits zu einer Art Pilgerstätte geworden, Haider-Anhänger haben Blumen, Kerzen und Liebesbotschaften niedergelegt. Für Sonntag ist im Klagenfurter Dom eine Trauermesse angesetzt, im vergangenen Jahr hatten in der Stadt 25.000 Menschen Abschied von Haider genommen.
"Kärnten wird Jörg Haider niemals vergessen", sagt Gerhard Dörfler, Haiders Nachfolger im Amt des Landeshauptmanns. Vor den Landtagswahlen im März machte das von Haider gegründete rechtspopulistische Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) mit dem Image des Verstorbenen Werbung - und fuhr mit 45 Prozent der Stimmen ein Ergebnis ein, das Haider zu Lebzeiten in "seinem" Kärnten selbst nie erreichte.
Die Umstände seines Todes haben Haiders Popularität ebensowenig geschadet wie seine umstrittenen Äußerungen über den Nationalsozialismus. Der Rechtspopulist hatte etwa Vernichtungslager der Nazis verharmlosend in "Straflager" umbenannt, die "ordentliche Beschäftigungspolitik im Dritten Reich" gelobt oder positive Worte für die Waffen-SS gefunden.
Der Sozialpsychologe Klaus Ottomeyer, der ein Buch über Haider geschrieben hat, sagt, Haider habe es verstanden, seinen jugendlichen Charme und sein selbst von politischen Gegnern anerkanntes Charisma einzusetzen, um die Wähler einzulullen. "Er hat sowohl das Bild des Liebhabers, als auch das Bild des Vaters verkörpert", sagt Ottomeyer. "Und das Bundesland (Kärnten) fühlt sich jetzt tatsächlich wie ein Waisenkind."
Letztendlich würde den Menschen aber klar werden, dass sie von einem Verführer manipuliert worden seien. Dazu beitragen könnten auch die nackten Zahlen: Das gerade einmal 500.000 Einwohner zählende Kärnten ist nach Haiders Regierungszeit mit zwei Milliarden Euro verschuldet, die Opposition rechnet daher mit einer drastischen Kürzung der Sozialleistungen.
Außerhalb von Kärnten ist der Haider-Effekt längst verpufft: Die BZÖ ist in keinem anderen Landtag mehr vertreten. Erst im September misslang der Partei unter Führung von Haiders Schwester, Ursula Hauber, der Einzug in den Landtag von Oberösterreich.
"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...
- Thema
- Jörg Haider RSS
- Klagenfurt Haider soll ein Museum bekommen 01.08.2009
- Österreich Stimmenfang mit Totenkult 26.02.2009
- "Haider, der Film" An seiner Seite 04.12.2008
- Hypo Alpe Adria und BayernLB Verdächtiges in der Verkaufskette 08.04.2010
- Kritik an FDP DGB-Chef graut vor Guido Haider 05.04.2010
- BayernLB: HAAG-Skandal Haider wollte offenbar zehn Millionen Euro 19.02.2010
- Westerwelle unter Beschuss "Haider der deutschen Politik" 15.02.2010
(sueddeutsche.de/AFP/Reuters/bre)
Frauen in Saudi-Arabien
Bitte beachten Sie unsere netiquette und unsere AGB
... Haider war quasi Antialkoholiker, er trank höchstens Mal ein Glas Bier oder Wein. Woher die 1,8 Promille kommen und wie der ungeübte "Trinker" Haider damit überhaupt in seinen Wagen kommen konnte, wird natürlich nicht erklärt. Und aus einem Betonpfosten, der schon beim Dagegentreten auseinanderfällt, wird dann ganz schnell ein Betonpfeiler.
Die SZ muß selbstverständlich ihren Bericht über den alles in den Schatten stellenden bösen Haider auch mit den überlichen verdächtigen Sätzen "ehemaligen Luftschutzbunker aus der NS-Zeit" und Waffen-S S" granieren, damit das Übel Haider zudem wird, was er nach PC zu sein hat.
In meinen Augen ist das nichts anderes als geziehlte Manipulation.
...bekommt die Regierung die es verdient.Ich schließe da die Deutschen momentan übrigens auch nicht aus.
.... waren doch seine letzten Stunden viel mehr geprägt von seinen Buberln, mit denen er den ganzen Schnaps getrunken hat, der ihm zu dem grandiosen Abgang verholfen hat.
Nein - gerüchteweise soll es die Form eines übergroßen Alkomaten bekommen!
Don't drink and drive!
Total verantwortungslos der Kerl. Allem Anschein nach besoffen gerast und an einen Betonpfeiler gedonnert.
Zum Glück hat er dabei niemanden mit in den Tod gerissen.
Hätte er es überlebt, man hätte ihn für 10 Jahre wegsperren sollen!
Paging