Japan Dem Verbot zum Trotz: Japan fängt Wale

  • Trotz eines Erlasses des Internationalen Gerichtshofs läuft Japans Walfangflotte wieder aus. Für wissenschaftliche Zwecke sollten 333 Minkwale gefangen werden, heißt es.
  • Tokios Chefunterhändler macht keinen Hehl daraus, dass er auch die kommerzielle Jagd wieder legalisieren will.
  • Außenpolitisch kann dieses Vorhaben vor allem wegen Australien Folgen haben.
Von Christoph Neidhart, Tokio

An diesem Dienstag läuft Japans Walfangflotte in den Südpazifik aus, um ihre Jagd wieder aufzunehmen, angeblich zu rein wissenschaftlichen Zwecken. Als wäre nichts gewesen; als hätte der Internationale Gerichtshof die Jagd nicht im März 2014 für rechtswidrig erklärt.

Auf der Jagd nach 333 Minkwalen

Die Flotte plant, in drei Monaten 333 Minkwale zu erlegen - ungeachtet der Proteste, die zum Beispiel von der australischen Regierung kommen, die vor dem Internationalen Gerichtshof gegen Japan geklagt hatte. "Wir akzeptieren in keinerlei Form, dass Wale für eine sogenannte wissenschaftliche Forschung getötet werden", sagte Australiens Umweltminister Greg Hunt am Montag. Canberra hat den Südpazifik zur Walschutzzone erklärt. Der australische Generalstaatsanwalt George Brandis kündigte an, sein Land überlege sich, die japanische Flotte mit Hilfe der Küstenwache zu beschatten.

Seit 1986 schon ist jeder kommerzielle Walfang verboten. Japan nutzte bis 2014 aber ein Schlupfloch im Beschluss der Internationalen Walfangkommission (IWC): Unter dem Deckmantel der Wissenschaft jagte das Land Wale zu angeblichen Forschungszwecken. Das Walfleisch kam dann kurz nach der Rückkehr der Flotte auf den Markt.

Japan kauft IWC-Stimmen von Kleinstaaten

Der Beschluss aus dem Jahr 2014 gab den Walschützern Hoffnung. Doch Japans Chefunterhändler für Walfangfragen, Joji Morishita, rechtfertigte sich, als er die Wiederaufnahme im Sommer in Aussicht stellte, wie folgt: Wer glaube, Den Haag habe Japan den wissenschaftlichen Walfang verboten oder sogar jeglichen Walfang, habe das Urteil missverstanden, sagte er. Dabei sprach er selbst vom wissenschaftlichen Walfang mit dem Zusatz "sogenannten". Der Gerichtshof habe Japan vielmehr "die Gelegenheit gegeben, unsere Pläne zu überarbeiten". Das habe Tokio nun getan, Wissenschaftler hätten die neuen Methoden gutgeheißen. Wie der australische Fernsehsender ABC 4 vor einigen Jahren zeigte, kauft Tokio allerdings mehrmals die IWC-Stimmen von Kleinstaaten wie Grenada, Dominica und den Salomonen. Viele dieser Länder wurden erst mit Hilfe Japans Mitglieder der IWC.

Die neue Jagd ist auf zwölf Jahre angelegt. Statt der bisher üblichen 900 Tiere pro Jahr soll jedoch nur ein Drittel davon erlegt werden. Die Wissenschaft, meint Morishita, könnte aber auch erfordern, dass mehr als 333 Wale erlegt würden. Er macht kein Hehl daraus, dass er den kommerziellen Walfang legalisieren möchte.

Nur wenige Japaner essen Walfleisch

Die Regierung in Tokio versucht mit dem Walfang, ihre Standhaftigkeit zu beweisen - mit fraglichem Resultat. Innenpolitisch erreicht sie damit wenig, den meisten Japanern ist der Walfang gleichgültig, nur wenige essen Walfleisch. Außenpolitisch exponiert sie sich als stur und uneinsichtig - und verkennt, dass sie ihre Geschäfte gefährdet. Ein von der japanischen Regierung unterstütztes Konsortium bewirbt sich gerade um einen 30 Milliarden schweren Auftrag, in dessen Rahmen zwölf U-Boote ausgeliefert werden sollen - an: Australien.