Seismologe Jochen Zschau erklärt, wie es zu dem Beben in den Abruzzen kam und warum niemand die Menschen gewarnt hat.
Jochen Zschau, 64, ist Direktor der Abteilung für Erdbebenrisiko und Frühwarnung am Deutschen Geo-Forschungs-Zentrum in Potsdam. Zschau hat Geophysik in Kiel und München studiert und ist einer der führenden Seismologen des Landes.
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Erdbeben-Experte Jochen Zschau. (© Foto: oh)
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sueddeutsche.de: Herr Zschau, wieso hat niemand die Menschen in den Abruzzen vor dem Erdbeben gewarnt?
Zschau: Weil das niemand kann. Wir können Erdbeben nicht vorhersagen. Ob es zu einem Beben kommt, wissen auch wir Seismologen immer erst hinterher. Die Vorhersage-Methoden sind nicht verlässlich genug.
sueddeutsche.de: Der italienische Seismologe Giampaolo Guiliani hat mit der sogenannten Radon-Methode ein Erdbeben in den Abruzzen vorhergesagt, allerdings hat er ein früheres Datum genannt. Warum hat ihm niemand geglaubt?
Zschau: Auch diese Methode deutet nicht sicher auf ein Erdbeben hin. Wenn das chemische Element Radon zusammen mit CO2 aus dem Boden aufsteigt, kann das auf Risse in der Erdkruste hindeuten, die ein Beben ankündigen. Wir können und müssen auf so etwas achten - aber warnen können wir wegen so einer Beobachtung nicht. Das würde bei den Menschen nur zu Panik führen.
sueddeutsche.de: Hat es in den Abruzzen außer aufsteigendem Radon keine Anzeichen für ein Beben gegeben?
Zschau: Doch, das hat es. Ich war in der vergangenen Woche selbst in Italien. Da hat es auch ein kleines Beben gegeben. Die seismische Aktivität war hoch, doch das deutet noch nicht eindeutig auf ein Beben von solcher Größe hin. Die Erde scheint chaotisch zu reagieren.
sueddeutsche.de: Was bedeutet das für Ihre Arbeit?
Zschau: Das ist schon deprimierend. Manchmal haben kleine Effekte in der Erdkruste, also Spannungen oder veränderter Druck, gewaltige Auswirkungen - und wir können nur die gefährdeten Regionen festlegen, aber keinen genauen Zeitpunkt für ein Beben vorhersagen.
sueddeutsche.de: Wie kommt es überhaupt zu einem solchen Beben?
Zschau: Dutzende Faktoren spielen eine Rolle. Vereinfacht gesagt, entsteht seismische Aktivität durch die Verschiebung der Erdplatten. Die Platte von Afrika bewegt sich auf Europa zu. Unter Italien schieben sich die Platten übereinander, dadurch entstehen Spannungen, die sich in Erdbeben entladen.
sueddeutsche.de: Wie häufig bebt die Erde in Italien so heftig wie dieses Mal?
Zschau: Ungefähr alle zehn Jahre. Aber das schwächt die Dramatik nicht ab. Ein Sechser-Beben ist in jedem Fall eine Katastrophe.
sueddeutsche.de: Ist ein solches Erdbeben auch in Deutschland möglich?
Zschau: Ja. Die Wahrscheinlichkeit ist geringer, aber ein Beben der Stärke sechs kann auch in Deutschland passieren. Auf der Schwäbischen Alb zum Beispiel, in der Niederrheinischen Bucht oder im Vogtland.
sueddeutsche.de: Kann man sich vor einem Erdbeben schützen?
Zschau: Man kann sein Haus so bauen, dass es einem Beben widersteht. Leider handeln die Menschen in Italien viel zu selten auf diese Art.
sueddeutsche.de: Besteht in den Abruzzen noch Gefahr für die Menschen?
Zschau: Ja, es gibt dort immer noch Nachbeben. Die klingen zwar langsam ab, aber können durchaus noch eine Stärke über fünf erreichen und dadurch sehr gefährlich sein.
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(sueddeutsche.de/grc/jja)
Bundespräsident Gauck in Jerusalem
@FragIchMichAuch
und wenn die Tiere aufgrund von anderen Umständen reagieren, dann wollen sie genau ... was tun? Eine ganze Region evakuieren?
Ich würde nun mal den Neapolitanern raten ihren geliebten Hausberg genau zu beobachten. Verwerfungen dieser Größenordnung haben schon öfters ein Überdruckventil aufgehen lassen.
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sollte man mal auf das Verhalten der Tierwelt achten.