Italien Trauminsel sucht Kinderarzt

Der Hafen von Pantelleria. Die Insel liegt zwischen der sizilianischen und der tunesischen Küste.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Die 8000-Einwohner-Insel Pantelleria vor Sizilien braucht dringend medizinische Unterstützung. So dringend, dass sie die Stelle international ausschreibt.

Von Oliver Meiler

Wenn man doch Kinderarzt geworden wäre! Das Paradies stünde einem offen. Auf Pantelleria, einer Insel in der Straße von Sizilien, vulkanisch rau und schön, wird händeringend nach einem Kinderarzt gesucht, der die Dottoressa Mariella Guzzo ersetzen könnte. Nach langem Dienst ist sie in Pension gegangen, und auf frühere, landesweite Ausschreibungen hat sich niemand gemeldet - nun ist die Stelle sogar auch international ausgeschrieben.

Das liegt wohl daran, dass es in Italien generell an Ärzten mangelt, besonders an Spezialisten. Auf dem Festland verdient man auch mehr. Und so versucht es die Gesundheitsbehörde der Provinz Trapani, die zuständig ist für die Insel, nun mit einem deutlich üppiger dotierten Lohnangebot für den Posten auf Pantelleria: 90 000 Euro im Jahr.

Für lokale Verhältnisse ist das eine kleine Extravaganz, 20 000 Euro mehr als früher, aber unbedingt vertretbar. Gewissermaßen überlebenswichtig. Findet sich für die Stelle nämlich wieder niemand, wird die Geburtsstation im Ambulatorium von Pantelleria schließen müssen. Werdende Mütter müssten dann nach Sizilien fahren, um zu gebären, und das ist gar nicht so nahe - mit der Fähre sind es fast sechs Stunden. Tunesien wäre weniger weit weg. Wenn es in der Schwangerschaft Komplikationen gibt, ist es jetzt schon üblich, dass Frauen nach Agrigent, Trapani oder Palermo geflogen werden - mit dem Hubschrauber, aus Sicherheitsgründen. Auch das ist teuer. Die Investition in die Geburtsstation würde sich wohl rechnen. Neben einem Kinderarzt wird übrigens auch ein Neonatologe gesucht. Auf Pantelleria!

Man könnte ja denken, dass das Geld bei den Überlegungen in diesem Fall nur eine beiläufige Rolle spielen sollte. Schon der Name: Er leitet sich vermutlich aus dem arabischen Bint ar-riah ab, "Tochter der Winde". Mistral und Scirocco fegen die Wolken weg, klären die Luft, schärfen das Licht. Es regnet nicht oft auf der Insel. Darum bauten sie auf Pantelleria immer schon Häuser, die berühmten "Dammusi", deren Dächer so geformt sind, dass sie im Winter das Regenwasser sammeln.

Ihre Gärten, nicht selten in Terrassen angelegt, schützen die knapp 8000 Bewohner mit Mauern aus Lavagestein, damit nicht die Winde die Früchte davontragen: die Zitronen, Orangen, Oliven, die Weintrauben des "Zibibbo", eines süßen Weißweins. Der traditionelle, tausend Jahre alte Weinanbau auf Pantelleria erscheint den Kulturschützern der Unesco als so wertvoll, dass sie ihn zum Welterbe zählen. Aus Pantelleria kommen auch die besten Kapern Italiens, der würzigste Oregano. Ein Konzentrat von allem, was das Mittelmeer ausmacht.

Vor allem aber sind Pantellerias Küsten nicht so verbaut worden wie andere. Die Insel hat sich dem Massentourismus recht erfolgreich widersetzt. Sie bewahrt ihren alten Charakter, der über Jahrhunderte von vielen Besatzern geprägt wurde: den Phöniziern, den Römern, den Byzantinern, den Arabern, den Bourbonen, den Normannen. Der Ort ist etwas für Liebhaber, für Romantiker ohne Inselkoller. Im vergangenen Jahr kamen auf Pantelleria achtzig Kinder auf die Welt. Sehr anstrengend ist der Job also nicht. Die Bewerbungsfrist läuft noch bis zum 10. Oktober.

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