Lernen, mit dem Leid umzugehen: Georg Nothelle vom Malteser Hilfsdienst spricht über die psychischen Belastungen internationaler Helfer, seine eigenen Erfahrungen und über den Tod eines Kollegen.
Ob es um die Katastrophe in Birma oder das tragische Erdbeben in China geht: die Katastrophenmeldungen reißen nicht ab. Dabei sind in Krisengebieten jedes Mal Hunderte von Hilfskräften im Einsatz. Georg Nothelle, der Leiter des Afrikareferats des Malteser Hilfsdienstes, berichtet von seinen Erfahrungen - und schildert Erfolgserlebnisse und Frustration der internationalen Helfer.
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"Am besten, man stürzt sich in die Arbeit und krallt sich daran fest": Helfer vom Roten Kreuz versorgen ein Zyklon-Opfer. (© Foto: dpa)
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SZ: An welchen Orten waren Sie bisher im Einsatz?
Georg Nothelle: Das ist eine lange Liste, die fängt vor über zwanzig Jahren an und geht über Länder wie Pakistan, Somalia, Sudan oder Tansania.
SZ: Wie bereiten Sie sich auf einen Einsatz vor?
Nothelle: Ich versuche, möglichst viele Informationen zu sammeln, und zwar sowohl aus den üblichen Quellen als auch im persönlichen Kontakt mit Menschen vor Ort. Ihre Eindrücke sind manchmal wesentlich wichtiger als Sachdarstellungen.
SZ: Wie stellen Sie Ihren Körper auf mögliche Strapazen ein?
Nothelle: Durch die vielen Reisen ist mein Körper schon vorbereitet. Es ist sehr wichtig, physisch fit zu sein. Allein die Zeitunterschiede und die Schlafdefizite, die in solchen Einsätzen zusammenkommen, sind eine enorme Belastung. Wenn man dann wieder im Flieger sitzt, klappt man innerlich zusammen. Manchmal möchte man dann nur noch schlafen.
SZ: Kann man sich auch psychisch auf den Einsatz vorbereiten?
Nothelle: Das ist wahrscheinlich das Schwierigste. Was man in Krisengebieten zu sehen bekommt, kann dir schon in die Knochen fahren. Und wenn menschliche Schicksale dazukommen, wie 1994, als in Goma die Toten mit Bulldozern zu einem Haufen geschoben wurden, fängt es an, sehr tief in einem zu nagen.
SZ: Wie können Sie in solchen Momenten weiterarbeiten?
Nothelle: Man versucht, sich nicht zu sehr auf einzelne Menschen zu konzentrieren, sondern den Bedarf der großen Menge zu sehen. Das ist wie ein Ventil, dann stürzt man sich in die Arbeit und krallt sich daran fest. In gewissen Situationen aber kann es schon sein, dass man psychische Hilfe braucht oder sogar den Einsatz abbrechen muss.
Lesen Sie auf Seite 2 über den Zusammenhalt der Helfer vor Ort
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