Interview im US-Fernsehen Ivana Trump: "Ich bin die First Lady"

Die Exfrau des amtierenden US-Präsidenten erklärt in einem Interview, dass sie das Weiße Haus in zwei Wochen auf Spur bringen würde. Melania Trump geht auf die Provokation ein.

Von Johanna Bruckner, New York

Andy Cohen inszeniert fürs amerikanische Fernsehen Streits zwischen vermögenden Hausfrauen. Das Format heißt Real Housewives und ist so erfolgreich, dass es inzwischen Ableger für diverse US-Städte gibt, von Beverly Hills bis New York. Gerade macht Produzent Cohen die Erfahrung, dass die Wirklichkeit manchmal spektakulärer ist als alles, was sich die fähigsten Scripted-Reality-Schreiber ausdenken könnten.

In der Realität nämlich, also der ohne Drehbuch, erklärt die geschiedene Frau des amtierenden US-Präsidenten öffentlich: "Ich bin im Grunde die erste Trump-Frau. Okay? Ich bin die First Lady." Und wie reagiert die tatsächliche First Lady? Nun, wie eine echte Trump eben: Sie bolzt zurück. Über ihr Büro lässt sie ausrichten: "An dieser Aussage einer Ex ist offenkundig nichts dran, es ist ein bedauerlicher Fall von Geltungssucht (...)."

"Things are getting a little Real Housewives around the White House", kommentiert die Washington Post. Und TV-Produzent Cohen twittert angesichts des öffentlichen Zwists zwischen Ivana und Melania Trump: "Das passiert wirklich. Alle Ehefrauen streiten. Da bin selbst ICH sprachlos."

Ihre Nachfolgerin bezeichnet Ivana Trump als "das Showgirl" oder "Niemand"

Das ist offensichtlich Koketterie, und stimmt auch nicht so ganz. Denn Donald Trump lebt inzwischen in dritter Ehe und zumindest der Streit zwischen Ivana und ihrer direkten Nachfolgerin Marla Maples war - bislang - ziemlich einseitig. Ivana Trump, die derzeit durch amerikanische Talkshows tingelt, um ihr Buch "Raising Trump" zu promoten, nutzt die TV-Bühnen, um ihren alten Groll öffentlichkeitswirksam zu pflegen. So bezeichnet sie die Frau, die sie für die Trennung von Donald Trump Anfang der Neunzigerjahre verantwortlich macht, konsequent als "das Showgirl". Oder alternativ als "Niemand".

Da ist der Kampf "Ivana vs Melania" schon ausgeglichener. Die eine nutzt die Macht der Medien, die andere die Macht des politischen Amts. Das gab es so auch noch nicht. Zwar sind schon in der Vergangenheit Präsidenten mit ihrer zweiten Frau ins Weiße Haus eingezogen, doch im Gegensatz zu Donald Trump waren sie nicht geschieden, sondern verwitwet. Einzige Ausnahme war Ronald Reagan, der vor Nancy mit der Schauspielerin Jane Wyman verheiratet war. Die verlor während der gesamten politischen Karriere ihres Exmannes kein öffentliches Wort über ihn.

Ganz anders Ivana Trump, die das Amt ihres Exmannes geschäftstüchtig zu nutzen weiß. Der Titel ihres jüngsten autobiografischen Werkes ist doppeldeutig: In "Raising Trump" schreibt sie darüber, wie sie die ältesten drei Trump-Kinder erzogen hat. "Raising Trump" - das lässt sich etwas freier aber auch übersetzen mit "wie ich Trump groß machte". In der beliebten Sendung Good Morning America ist diese Lesart Programm. Auf die Frage der Reporterin, wie oft sie noch mit ihrem Exmann Kontakt habe, antwortet Ivana: "Alle zwei Wochen."