Inselstaat Vanuatu im Südpazifik Dutzende Tote nach Zyklon "Pam" befürchtet

  • Der verheerende Zyklon "Pam" ist mit voller Wucht auf den Pazifikstaat Vanuatu getroffen.
  • Nach Angaben von Meteorologen hatten die Sturmböen Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 340 Kilometern in der Stunde.
  • Erste Berichte gehen von mindestens 44 Toten aus. Einen genauen Überblick über Opfer und Schäden gibt es nicht - der Kontakt zu den meisten Inseln ist abgebrochen.

Ein Wirbelsturm der höchsten Kategorie

Schwere Zerstörungen und möglicherweise Dutzende Tote: Der Wirbelsturm "Pam" hat im Pazifikstaat Vanuatu mit tödlicher Wucht gewütet. Wegen des Zusammenbruchs das Telekommunikationsnetzes war das Ausmaß der Schäden am Samstag zunächst unklar. Das UN-Kinderhilfswerk Unicef Neuseeland warnte, "Pam" könne die "schlimmste Unwetterkatastrophe in der pazifischen Geschichte" sein.

Sturmböen mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 340 Kilometern pro Stunde rissen in der Nacht zu Samstag allein in der Hauptstadt Port Vila Tausende Häuser fort, entwurzelten unzählige Bäume und knickten Strommasten wie Strohhalme um, wie Nothelfer berichten. Mindestens 100 000 Menschen leben nach UN-Angaben in der Schneise des Sturms, ein Viertel der Hauptstadt-Bewohner dürften ersten Schätzungen zufolge obdachlos sein.

Das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Hilfe geht unbestätigten Berichten über mindestens 44 Tote in einer Provinz nach.

"Ausgedehnte Zerstörungen"

Es gebe Berichte über "ausgedehnte Zerstörungen", Trümmer auf den Straßen und großflächige Überschwemmungen, sagt die UN-Büroleiterin Sune Gudnitz. Unicef-Sprecherin Alice Clements beschreibt die Stunden der Angst im Radio New Zealand als "15 bis 30 Minuten absoluten Schreckens", die "Pam" verbreitet habe.

Die Unicef-Chefin in Neuseeland, Vivien Maidaborn, erklärt, es handele sich möglicherweise um die bislang größte Unwetterkatastrophe in der Pazifikregion. Es sei zu befürchten, das Tausende Menschen in der Region betroffen seien. In ihrem dreistöckigen Hotel sei die Schiebetür ihres Zimmer "komplett weggeblasen" worden - "es war erschreckend", sagt Unicef-Sprecherin Clements.

Hauptstadt schwer getroffen

Ein Mitarbeiter der Hilfsorganisation Save the Children, Tom Skirrow, berichtet aus der Hauptstadt Port Vila von "völliger Zerstörung - Häuser sind zerstört, Bäume entwurzelt, Straßen blockiert und Menschen irren auf den Straßen umher auf der Suche nach Hilfe". Das Ausmaß der Schäden werde erst in einigen Tagen klar sein.

Chloé Morrison, Mitarbeiterin von World Vision Australia, sagt, ganze Dörfer seien "buchstäblich weggeblasen", Häuser und Hütten wie "Konfetti" durch die Luft gewirbelt worden. In weiten Teilen des Inselstaats brachen das Telefonnetz und die Stromversorgung zusammen. Nachdem der Sturm vorbeigezogen war, gingen verheerende Regenfälle nieder.

Kontakt zu abgelegenen Inseln abgebrochen

"In den Straßen war es heute morgen gespenstig ruhig", sagt Morrison. "Ich habe nur vereinzelt Leute gesehen. Die kamen aus den Notunterkünften, um nach ihren Häusern zu sehen, aber es steht ja praktisch nichts mehr." Sie seien völlig verstört gewesen. Zu den 20 World-Vision-Mitarbeitern in Port Vila habe sie Kontakt, aber weitere 80 seien auf abgelegenen Inseln im Einsatz. "Wir können uns gar nicht ausmalen, wie es dort aussieht", sagte sie.

Die Inseln seien von der Außenwelt abgeschnitten, eine Kommunikation sei unmöglich. "Ich glaube nicht, dass auch nur eine der über 80 Inseln verschont geblieben ist", sagt Morrison. "Es kann Tage dauern, bis wir das Ausmaß der Zerstörung oder Opferzahlen kennen."

Nach Angaben des australischen Wetterdienstes waren fast alle Landesteile von "Pam" betroffen.

Weitere Unwetterwarnungen in der Region

Auf der Hauptinsel leben rund 65 000 Menschen. Der lokale Wetterdienst warnt vor weiteren "sehr zerstörerischen" Böen, heftigen Regenfällen und Überschwemmungen am Samstag. Die australische Außenministerin Julie Bishop versprach Vanuatu Hilfe.

Während der wärmeren Monate kommt es im Pazifik immer wieder zu Wirbelstürmen. Vor einem Jahr hatte der Zyklon "Lusi" auf Vanuatu schwere Schäden angerichtet, zehn Menschen kamen ums Leben. Im November 2013 war Taifun "Haiyan" vom Pazifik über die Philippinen hereingebrochen. Es starben mehr als 7000 Menschen. "Haiyan" war mit Spitzenböen von mehr als 370 Kilometern in der Stunde der stärkste Taifun, der je an Land kam. Taifune, Zyklone und Hurrikans sind die gleichen Wettersysteme, sie werden nur je nach Weltregion anders genannt.