Indonesien Kritik an "Jungfrauentests" für Polizeianwärterinnen

Frauen, die in Indonesien Polizistinnen werden möchten, sollen auf ihre Jungfräulichkeit untersucht werden, so ein Bericht von "Human Rights Watch". Ein Polizeisprecher rechtfertigte das Vorgehen - als übliche Praxis.

Schmerzhaft und traumatisch, so beschreiben indonesische Polizistinnen in einem Bericht der Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch" die Praxis: Frauen, die in Indonesien in den Polizeidienst wollen, müssen sich zuvor gynäkologisch untersuchen lassen. Auch darauf, ob sie noch Jungfrauen sind. Der Test werde auf der Website der Polizei als Voraussetzung aufgeführt, heißt es in einer Mitteilung von "Human Rights Watch"

Für den Bericht hatte die Organisation acht von den Tests betroffene Polizistinnen und Bewerberinnen befragt. Zudem wurden Polizeiärzte, Personaler und Frauenrechtsaktivisten interviewt. Demnach werde bei der Untersuchung mittels eines sogenannten Zwei-Finger-Tests geprüft, ob das Jungfernhäutchen der Bewerberinnen noch intakt sei. Dies sei in Indonesien üblich.

Eine übliches Vorgehen

Die Leiterin der Frauenrechtsabteilung von "Human Rights Watch", Nisha Varia, bezeichnete den Test als diskriminierend und erniedrigend. "Die Polizeibehörden in Jakarta müssen den Test sofort und eindeutig abschaffen", so Varia. Dem Bericht zufolge empfahl die indonesische Polizei auf einer Rekrutierungswebsite noch Anfang des Monats Bewerberinnen für den Polizeidienst, Jungfrauen zu bleiben.

Ronny Sompie, ein Sprecher der indonesischen Polizei, bestätigte in einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters die Durchführung der Untersuchung, jedoch sei die Jungfräulichkeit keine Bedingung für die Einstellung. Stattdessen sei sie Teil des üblichen Gesundheitstest, für den die Geschlechtsorgane von Frauen und Männern untersucht würden.

Menschenrechtler kritiseren weltweit immer wieder die Durchführung von Jungfräulichkeitstests. Das Europäische Parlament verurteilte diese während der Proteste in Ägypten im Jahr 2011 als "eine Form der Folter". "Human Rights Watch" hat die Praxis zudem in Indien und Afghanistan dokumentiert.