Mutiger Sprung ins Wasser: Der von Piraten verschleppte US-Kapitän wollte vor seinen Kidnappern fliehen - vergeblich. Die Seeräuber fordern jetzt Lösegeld und drohen, den 53-Jährigen zu ermorden.
Dramatische Szenen vor der somalischen Küste: Der von Piraten gefangen genommene Kapitän des US-Frachters Maersk Alabama ist mit einem tollkühnen Fluchtversuch gescheitert.
Bild vergrößern
Entführter US-Kapitän Richard Phillips wollte vor den Piraten fliehen - mit einem kühnen Sprung ins Wasser. (© Foto: Reuters)
Anzeige
US-Fernsehsender meldeten am Freitag, Richard Phillips sei ins Wasser gehechtet und habe zu dem in der Nähe kreuzenden US-Zerstörer Bainbridge schwimmen wollen. Er sei aber kurz darauf von seinen Wächtern gefasst und wieder in ein weit vor der Küste im Indischen Ozean treibendes Rettungsboot gezerrt worden.
Im Verteidigungsministerium ging man davon aus, dass Phillips die Aktion unverletzt überstanden habe.
"Wir haben keine Angst vor den Amerikanern"
Die Seeräuber hatten am Mittwoch vergeblich versucht, den Frachter in ihre Gewalt zu bringen. Sie wurden in die Flucht geschlagen, konnten jedoch den 53-jährigen Kapitän entführen und mit ihm entkommen. Seitdem wird Phillips von vier Piraten in einem Rettungsboot festgehalten, das offenbar keinen Treibstoff mehr hat.
Nach weiteren Informationen fordern die Entführer inzwischen Lösegeld für den Kapitän. Das berichtete ein Somalier, der offenbar schon bei früheren Schiffsentführungen als Vermittler fungiert hatte. Details zu den Forderungen sind nicht bekannt. Die Piraten drohten nach Angaben des Somaliers zugleich damit, den 53-Jährigen zu ermorden, sollten sie von der US-Marine angegriffen werden.
Dies sei die Botschaft des Piratenführers, der den Seeräubern von Land aus Anweisungen erteile, hieß es. Man wolle versuchen, den US-Kapitän an Land zu bringen, wo man sich dort eine bessere Ausgangsposition für Verhandlungen verspreche.
Kurz vor Phillips Fluchtversuch hatten die Piraten vor einem Angriff gewarnt. Sie würden jede Militäraktion zurückschlagen. "Wir haben keine Angst vor den Amerikanern", sagte ein Sprecher der Seeräuber in einem Telefongespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. Freunde der vier Bewacher Phillips' beschrieben die Lage auf dem Rettungsboot als immer verzweifelter.
Die mit Lebensmitteln für Uganda und Somalia beladene Maersk Alabama setzte indes die Fahrt zu ihrem Bestimmungshafen Mombasa in Kenia fort. Der Nachrichtensender CNN zufolge sind zwei weitere Kriegsschiffe auf dem Weg, um sich dem Zerstörer Bainbridge anzuschließen.
Somalische Piraten haben in den vergangenen Monaten zahlreiche Schiffe gekapert und hohe Lösegelder erpresst. Ein internationaler Verband von Kriegsschiffen, an dem auch die Deutsche Marine beteiligt ist, versucht, ihnen Einhalt zu gebieten.
Neben anderen Schiffen ist auch die Hansa Stavanger der Hamburger Reederei Leonhardt & Blumberg in der Gewalt der Piraten. Einem Bericht des Spiegel zufolge liegt das Schiff nun vor Somalia vor Anker. In der Nähe sei die deutsche Fregatte Rheinland-Pfalz. Die Bundesregierung erwägt dem Bericht zufolge, Eliteeinheiten von Bundespolizei und Bundeswehr in Dschibuti und Mombasa zu stationieren, um künftig schneller vor Ort sein zu können.
"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...
(sueddeutsche.de/Reuters/AP/bica/dmo/hgn)
Bundespräsident Gauck in Jerusalem