Imagewandel von Carla Bruni-Sarkozy Für immer ladylike?

Von der temperamentvollen Wildkatze zur Hauskatze. Im ersten großen Interview nach der Abwahl ihres Mannes bekennt sich die ehemals verruchte Carla Bruni-Sarkozy zum Spießertum.

Von Judith Liere

Die Gattin des ehemaligen französischen Präsidenten, Carla Bruni-Sarkozy, wandelte ihr Image von der verruchten Sängerin zur Vorzeigedame.

(Foto: REUTERS)

Es klingt ein bisschen nach den Sätzen, die stockkonservative Politikergattinnen bei der letzten US-Wahl gerne äußerten: "Ich liebe das Familienleben, ich liebe es, jeden Tag das Gleiche zu tun. Ich liebe es, einen Ehemann zu haben." Gesagt hat sie aber keine Tea-Party-Anhängerin, sondern Carla Bruni-Sarkozy, in einem Interview mit dem französischen Magazin Vogue, das am Montag erschienen ist.

Carla Bruni, das war, bevor sie 2008 den mittlerweile abgewählten französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy heiratete, die Frau, die erst als Model und dann als Sängerin Erfolge sammelte. Sie war die Frau, der Affären mit Mick Jagger, Eric Clapton, Donald Trump und Kevin Costner nachgesagt werden und die sogar einmal einen Mann für dessen verheirateten Sohn verließ. Sie war die Frau, die in einem ihrer Lieder mit Säuselstimme ihre 30 Liebhaber besang und in einem anderen einen Mann als ihre Droge bezeichnete, "tödlicher als afghanisches Heroin, gefährlicher als kolumbianisches Koks", weshalb der kolumbianische Botschafter eine Pressekonferenz gab, weil er Imageschäden für sein Land fürchtete. Sie war die Frau, die einst bekannte: "Ich bin eine Katze, eine Italienerin. Monogamie langweilt mich fürchterlich."

"Ich bin eine richtige Spießerin!"

Und jetzt das: "Ich bin eine richtige Spießerin!", freut sich Bruni-Sarkozy im Vogue-Interview über ihre neue Bürgerlichkeit. Statt als temperamentvolle Wildkatze inszeniert sie sich nun als Hauskatze und mamma, die von der Sinnlichkeit des Stillens schwärmt. Das Interview in der Dezemberausgabe des Modemagazins kann man als den ersten Schritt zu Carla Brunis Comeback nach ihrer Zeit als Präsidentengattin ansehen. Die 44-Jährige ist auch auf dem Cover zu sehen - im weit geöffneten Jeanshemd, mit lasziv ins Gesicht wehendem Haar und knallblauen Augen und komplett faltenfreier Haut. Fast hat man das Gefühl, der zuständige Bildredakteur habe eine Extra-Überstunde für die Retusche eingelegt, um den Paparazzifotos zu widersprechen, die Bruni-Sarkozy kurz nach der Geburt ungeschminkt und mit bequemen Alltagsklamotten zeigten, viel wurde damals über ihr Aussehen geätzt.

Als Sarkozy noch im Amt war, profitierte der konservative Politiker von der wilden und verruchten Vergangenheit der schönen Frau an seiner Seite, trotzdem musste sich Bruni mit einer zurückhaltenden Gegenwart begnügen. Sie kleidete sich in adrette Kostüme und Mäntel, die stark an die Mode erinnern, die die Frauen des englischen Königshauses bei Auftritten tragen, zog flache Schuhe an, damit sie den klein gewachsenen Sarkozy nicht noch mehr überragte; sie, die vorher eher als linker Freigeist galt, verzichtete darauf, ihre Meinung öffentlich zu äußern. Schön sein, lächeln, repräsentieren, vielleicht auch noch ein Kind bekommen - die klassischen Aufgaben einer Präsidentengattin hat Bruni-Sarkozy erfüllt.

Lieber Lady als Vamp

Doch nun ist ihr Mann nicht mehr Präsident, und Carla Bruni-Sarkozy könnte wieder loslegen und ihr verruchtes Image, das auch einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg ihres Debütalbums "Quelqu'un m'a dit" geleistet haben dürfte, wiederbeleben - zumal sie gerade wieder an einer neuen Platte arbeitet, die im Frühjahr erscheinen soll. Doch stattdessen hat sich Bruni entschieden, auch nach ihrer Zeit als Première Dame lieber Lady als Vamp zu bleiben. Auch das Recht auf freie Meinungsäußerung, auf das sie nun nicht mehr diplomatisch verzichten müsste, nutzt sie eher zaghaft. In der Vogue spricht sie sich offen für die gleichgeschlechtliche Ehe aus, ansonsten ist ihr aber kein kritisches Wort zur Politik ihres Mannes zu entlocken.

Dennoch hat das Interview für Empörung gesorgt. Denn während ihrer Schwärmerei über ihr Leben als Ehefrau sagte sie: "In meiner Generation muss man keine Feministin mehr sein." Dieser Satz, der bereits vor dem Erscheinen des vollständigen Interviews veröffentlicht wurde, sorgte für eine Welle des Protests, unter anderem auf Twitter, wo viele Nutzer unter dem Schlagwort "#ChereCarlaBruni" Gründe anführten, warum man Feminismus auch heute noch brauche.

Inzwischen ist Bruni wieder zurückgerudert, sie habe sich "ungeschickt" ausgedrückt. Wenn Feminismus bedeute, dass eine Frau ihre Freiheit einfordere, dann sei sie durchaus eine Feministin. Sie habe aber selbst nie das Bedürfnis empfunden, sich aktiv an einem Kampf zu beteiligen, den andere Frauen noch heute führen. Das klingt plausibel - zumindest aus ihrer Sicht. Bei einer Karriere als Model, Sängerin und als Frau berühmter Männer dürfte sie wegen ihres Geschlechts wahrscheinlich auch keine Nachteile erlebt haben.