Es sind also nicht nur Glücksritter und Phantasten, zu allem entschlossene Habenichtse und arme Tröpfe, die sich auf den gefährlichen Weg nach Italien machen: Die Männer wägen sachlich ihre Chancen ab, so wie andere die Wahl des Handwerks oder Studiengangs.
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Gut 1000 Euro im Monat kann einer schwarz auf dem Bau in Italien verdienen, manchmal mehr. Das ist ein Vermögen in einem Land, in dem laut Weltbank mehr als 40 Prozent der Bevölkerung von weniger als zwei Euro am Tag leben müssen.
Das Italiengeschäft blüht seit Jahren in Tutun und Shidmoh, die Regierung in Kairo weiß natürlich davon. Früher reisten die Männer illegal mit Drei-Monats-Touristenvisa nach Italien ein und blieben Jahre, aufgefangen vom Netzwerk der bereits in Mailand lebenden Verwandten und Nachbarn.
Heute ist dieser Weg versperrt. Da bleiben nur die Boote, die im Schutz der Nacht auslaufen aus dem Hafen von Alexandria oder von irgendeinem anderen Hafen an der ägyptischen Mittelmeerküste. Rund 3500 Euro verlangen die Schleuser pro Person, dafür verkaufen die Männer oft genug den Schmuck der Familie.
In seeuntüchtigen Fischerbooten und Wasser leckenden Seelenverkäufern sind sie zwei Tage unterwegs auf dem Meer, "wenn es gut läuft. Wenn das Wetter schlecht ist, werden das leicht 20 Tage", sagt der wohlhabend gewordene Italiener Adel Ramadan. "Dann haben sie bald kein Wasser mehr, und zu essen gibt es rohen Fisch."
Adel Ramadan hat sein Glück gemacht in Italien. Er hat sich längst sein "italienisches" Haus gebaut in Shidmoh, er hat ein Auto, ist verheiratet. Kurz: Er ist seinen Weg gegangen als Bauarbeiter in dem fremden Land. Adel Rahman sagt, er sei mit einem Visum eingereist, als dies noch ging und habe seinen Aufenthalt später im Zuge einer Amnestie für illegale Einwanderer legalisiert.
"Die italienische Polizei ist nicht allzu streng", sagt er. "Wenn du nicht auffällst, lassen sie dich in Ruhe." Derzeit ist Adel Ramadan allerdings in Trauer: Vier seiner Onkel und Cousins wurden vor wenigen Tagen tot nach Hause gebracht. Aid, Adel, Ibrahim und Ahmed sind bei der jüngsten Schiffskatastrophe vor Italien ertrunken.
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(SZ vom 04.12.2007/gdo)
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