Nach dem ICE-Unfall in Köln werden für das gesamte Wochenende Probleme im Fernverkehr erwartet. Die Deutsche Bahn will zahlreiche ICE-3-Züge überprüfen. Mit gutem Grund: Denn nach Einschätzung eines Experten hätte der Unfall auch in einer Katastrophe enden können.
Auch drei Tage nach dem ICE-Unfall in Köln müssen sich Bahnreisende auf Verspätungen und Zugausfälle einstellen. Für das gesamte Wochenende werden Probleme im Fernverkehr erwartet, weil die Deutsche Bahn die meisten ICE-3-Züge in den Werkstätten überprüft.
Der ICE-Unfall in Köln verursacht weiterhin Probleme im Bahnverkehr. (© Foto: dpa)
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Das ICE-Modell, bei dem am Mittwoch eine Achse brach, ist die modernste Version der Flotte. Die Deutsche Bahn plant, nur 40 Prozent der Verbindungen mit dem Superschnellzug anzubieten.
Erst am Montag soll sich der Verkehr weitgehend normalisieren. Stark betroffen ist der Verkehr aus dem Ruhrgebiet über Köln und Frankfurt nach München beziehungsweise Stuttgart sowie die ICE-Verbindung von Frankfurt nach Paris.
Ein Ersatzverkehr, vor allem mit IC-Zügen, werde eingerichtet, teilte die Bahn mit. Zudem zeige sich die Bahn kulant bei der Erstattung von Fahrscheinen. Laut Bahn werden Fahrgäste im Norden und Osten kaum etwas von den Problemen bemerken. Die Überprüfung der ICE-Züge sei eine reine Vorsichtsmaßnahme, hieß es bei der Bahn.
Die Ermittlungen zur Ursache des Unfalls laufen derweil auf Hochtouren. Dabei steht die Frage im Vordergrund, ob Zugbegleiter mit einer Notbremsung den Zug zum Entgleisen gebracht haben oder ob ihre Bremsung bei mäßiger Geschwindigkeit eine größere Katastrophe verhindert hat.
Vorwürfe gegen Bahn-Mitarbeiter
Passagiere hatten das Bahnpersonal zuvor auf verdächtige Geräusche bei der Fahrt hingewiesen. Kurz nach dem Unfall waren Vorwürfe laut geworden, die Bahn-Mitarbeiter hätten zu spät auf die Hinweise von Fahrgästen reagiert. Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen unbekannt wegen Gefährdung des Bahnverkehrs.
Wie zwei Bahn-Sprecher am Freitag in Berlin mitteilten, wurde der Zug kurz nach Verlassen des Kölner Hauptbahnhofs durch eine Notbremsung der Zugbegleiter gestoppt. Die Leitung der Bahn-Pressestelle für Personenverkehr dagegen wollte diese Information weder bestätigen noch dementieren.
"Das Zugpersonal hat den Zug gestoppt - wie, entzieht sich unserer Kenntnis", hieß es. Nach der Bremsung war der Zug mit einem Achsbruch aus dem Gleis gesprungen. "Ob das eine die Ursache des anderen ist, wird derzeit ermittelt",sagte einer der Bahn-Sprecher weiter.
Der Unfall hätte in einer Katastrophe enden können, sagte Markus Hecht, Professor für Schienenfahrzeuge an der Technischen Universität Berlin, dem Tagesspiegel. "Ein solcher Defekt ist das Gefährlichste, was es gibt."
Im schlimmsten Fall hätte die Achse in einer Kurve brechen können, dann wäre der Zug entgleist und womöglich von der Strecke abgekommen. Die Achse des ICE müsse schon länger beschädigt gewesen sein. "Stahl reißt nur langsam - der Schaden muss also schon länger vorhanden gewesen sein", sagte Hecht. Es gebe keine automatischen Systeme bei den ICE-Zügen, um solche Schäden frühzeitig zu erkennen.
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(AP/dpa/gal/mmk)
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