Am heutigen Welt-Aids-Tag hätte die erste Homo-Ehe Lateinamerikas geschlossen werden sollen. Jetzt hat eine Richterin die Trauung untersagt.

Die erste Homo-Ehe Lateinamerikas, die in Argentinien geschlossen werden sollte, ist in letzter Minute gerichtlich gestoppt worden. Die für Nachmittag geplante Trauung in Buenos Aires sei vorläufig ausgesetzt, erklärte die zuständige Richterin Martha Gomez Alsina.

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Ihr Kampf wird weitergehen: Alejandro Freyre und José Maria Di Bello wollten am Diestag als erstes homosexuelles Paar Lateinamerikas heiraten. Eine Richterin hat ihnen in letzter Minute die Hochzeit untersagt. (© Foto: Reuters)

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Dem Hochzeitspaar, dem 39-jährigen Alejandro Freyre und seinem zwei Jahre älteren Partner José Maria Di Bello, war bereits im April in der argentinischen Hauptstadt die Trauung verweigert worden. Mitte November hatte dann ein Gericht entschieden, die Trauung eines gleichgeschlechtlichen Paares sei rechtmäßig - was Richterin Gomez Alsina anders sah.

Eingetragene Partnerschaften Homosexueller sind in Buenos Aires bereits seit 2002 möglich. Der Rechtsstatus ist aber nicht identisch mit der herkömmlichen Trauung.

"Wir sind Aktivisten, alle Medien zählen", hatten Freyre und Di Bello noch am Wochenende gesagt. Sie betrachteten ihre Hochzeit auch als ein politisches Statement, als Signal, als Befreiungsschlag.

In einigen europäischen Ländern gibt es gleichgeschlechtliche Ehen schon länger, aber nicht in Lateinamerika, das von Machismo und Doppelmoral geprägt ist. Die zwei Argentinier hätten die ersten sein sollen, darum planten sie eine aufwendige Inszenierung. Schon bei den ersten PR-Terminen trugen sie weiße Hemden und um den Hals rote Schleifen, das Symbol für Solidarität mit HIV-Infizierten und Aids-Kranken.

Der Sozialarbeiter Freyre, 39, und der Soziologe Di Bello, 41, sind HIV-positiv. Auch darum geht es bei ihrem Versuch, nun doch endlich heiraten zu können. Deshalb hatten sie das Standesamt für den 1. Dezember reserviert, den weltweiten Aids-Gedenktag. Es sollte eine Welle der Solidarität werden, bis hinauf nach Mexiko. Alex sagte: "Wir zeigen, dass man HIV-positiv sein und ein Lebensprojekt haben kann, dass man schwul sein kann und dieselben Rechte wie andere Familien hat."

Argentinier sind mehrheitlich für Homo-Ehe

Die meisten Argentinier sind auf ihrer Seite, laut Umfragen 68 Prozent. Selbst im erzkatholischen Mexiko wird die Homo-Ehe debattiert. Di Bello warb kürzlich in Peru. Er hat gehört, dass sich dort oft Schwule auf dem Land das Leben nehmen, aus Angst, entdeckt zu werden. Nun kürte Argentiniens Parlament eine Transsexuelle zur Frau des Jahres. In Argentinien, glauben Freyre und Di Bello, werde ihre Hochzeit bald hundertfach nachgeahmt, so sie denn endlich stattfinden sollte.

Im April wurden Freyre und di Bello, die sich bereits vor 25 Jahren bei Freunden und Verwandten geoutet hatten, beim Standesbeamten vorstellig: Sie würden gerne heiraten. Das ginge nicht, war die Antwort, dasselbe hatten zuvor andere Schwule und Lesben zu hören bekommen. Sie klagten beim progressiven Verwaltungsgericht von Buenos Aires. In der vergangenen Woche gab ihnen eine Richterin recht - ein historisches Urteil für die Region. "Wir haben juristische Barrikaden niedergerissen, das ist ein Systemwandel", hatte Alex Freye gesagt. Da hatte er noch daran geglaubt, am 1. Dezember tatsächlich heiraten zu dürfen.

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(sueddeutsche.de/AFP/abis/kat)