Tödliche Überschwemmungen nach heftigen Regenfällen in Pakistan: 870 Menschen ertrinken in den Fluten, 400.000 verlieren ihre Häuser. Nun droht ein Ausbruch von Seuchen.
Nach heftigen Regenfällen und Überschwemmungen im Norden Pakistans steigt die Opferzahl unentwegt. Am Samstag zählten die Einsatzkräfte bereits mehr als 870 Tote. Rettungstrupps und Militäreinheiten waren unterwegs in die Unglücksregion, um Zehntausenden gestrandeten Menschen zu helfen, teilten die Behörden am Samstag mit. Die Bundesregierung sagte dem Land finanzielle Hilfe zu.
Bild vergrößern
Der Monsun setzt Pakistan unter Wasser - mehrere Dörfer sind überflutet, mindestens 870 Menschen starben. (© AP)
Anzeige
Nach heftigem Monsunregen waren Flüsse über die Ufer getreten und hatten ganze Landstriche überflutet. Nach Angaben der Provinzregierung verloren bislang etwa 400.000 Menschen ihre Häuser. Pakistanische Medien sprachen von den schlimmsten Überschwemmungen in der Region seit mehr als 80 Jahren. Das pakistanische Fernsehen zeigte Bilder von Menschen, die sich an Zäune und andere Gegenstände klammern, während das Wasser immer wieder über ihre Köpfe schwappt.
Auswärtiges Amt stellt 500.000 Euro zu Verfügung
Der Informationsminister der besonders getroffenen Nordwest-Grenzprovinz Khyber-Pakhtunkhwa, Mian Iftikhar Hussain, bat die internationale Gemeinschaft um rasche Hilfe. Sollte es keine Unterstützung für die örtlichen Rettungskräfte geben, "könnte die Situation zu einem großen humanitären Desaster" werden, sagte er.
Die meisten Opfer habe es in den Distrikten Shangla und Swat gegeben, wo zahlreiche Bergdörfer von der Außenwelt abgeschnitten seien, berichteten Hilfsorganisationen. Das Auswärtiges Amt in Berlin will bis zu 500.000 Euro humanitäre Soforthilfe für Pakistan zur Verfügung stellen. Das kündigte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) an. Mit dem Geld sollen unter anderem Notunterkünfte, Decken und Trinkwasser finanziert werden.
Der Malteser Hilfsdienst warnt nun vor der Ausbreitung von Seuchen. "Die Gefahr, dass sich jetzt durch Wasser übertragene Krankheiten verbreiten oder im Extremfall sogar eine Cholera-Epidemie ausbricht, ist groß", sagte Malteser-Präsident Constantin von Brandenstein-Zeppelin. Die ohnehin schwierige Gesundheits- und Hygienesituation der Menschen werde durch die Überschwemmungen noch verschlimmert. "Viele Menschen haben kein Dach mehr über dem Kopf und sind von den Fluten eingeschlossen", so Brandenstein-Zeppelin. Die Malteser sind nach eigenen Angaben derzeit mit drei medizinischen Teams im Katastrophengebiet und leisten Nothilfe für rund 10.000 Menschen.
Der Monsun beginnt in Südasien in der Regel Anfang Juni und dauert bis September. In diesem Zeitraum wandert das Regengebiet vom Süden des indischen Subkontinents in Richtung Norden. Den Nordwesten Pakistans hatte der Monsun Mitte Juli erreicht. Bei den Unwettern sterben jährlich zahlreiche Opfer, schwere Schäden werden verursacht.Am schlimmsten betroffen ist der Nordwesten des Landes.
So glamourös wie beherzt: Angelina Jolie hat in Berlin ihren Film über den Bosnienkrieg vorgestellt. Jetzt lesen ...
- Leck in Öl-Pipeline Gefahr für den Michigan-See 29.07.2010
- Umweltkatastrophe in China Millionen ohne Trinkwasser 29.07.2010
- Hochwasser in Pakistan Millionen obdachlos, Präsident in Nobelhotel 06.08.2010
- Flutkatastrophe in Pakistan Erste Fälle von Cholera 04.08.2010
- Pakistan Wasser auf die Mühlen der Taliban 03.08.2010
- Hochwasser-Katastrophe in Pakistan Tödliche Fluten 01.08.2010
- Hochwasser-Katastrophe in Pakistan Angst vor Seuchen 01.08.2010
(dpa/mob)