Vor zwei Jahren hatte die Regierung dem Konsum von Alkopops durch Jugendliche mit einer Sondersteuer einen Riegel vorgeschoben. Nun drängt eine zweite Generation der Mixgetränke auf dem Markt - aufgrund einer Gesetzeslücke kann sie so billig angeboten werden, dass auch der Nachwuchs sich das Saufen wieder leisten kann.
Sie sind klein, süß und sehen lustig aus. Und sie sind gefährlich. Denn sie enthalten hochprozentigen Alkohol, den man nicht schmeckt:
Seit Einführung einer Sondersteuer ging der Konsum von Alkopops massiv zurück. Das könnte sich bald wieder ändern. (© Foto: dpa)
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Alkopops zählten in den vergangenen Jahren zu den gesellschaftlichen Reizthemen: Sie entfachten eine breite Diskussion über das Trinkverhalten Minderjähriger. Denn die bunten, grellen Farben und ihr extrem süßer Geschmack sollten offenbar nicht erwachsene Konsumenten ansprechen.
Vielmehr, so hieß es, verführten die alkoholhaltigen Mixgetränke Jugendlich zum "Binge-Drinking", zu deutsch Komasaufen. Durch die Beigabe von Limo, Cola und anderen zuckerhaltigen Getränken schmecke der Schnaps auch Teenagern. Und der Alkoholmissbrauch in dieser Altersgruppe nähme stetig zu.
Eine Sondersteuer aus dem Jahr 2004 ließ die Mixgetränke jedoch nahezu aus den Regalen der Supermärkte verschwinden. Durch die Steuer hat sich der Preis verdoppelt. Mit dem Effekt, dass viele Jugendliche sich Alkopops schlicht nicht mehr leisten können. Außerdem wurde der Warnhinweis "Abgabe an Personen unter 18 Jahren verboten" vorgeschrieben.
Alkoholkonsum ging um die Hälfte zurück
Laut einer Studie der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung zum Thema ging seit einführung des Gesetzes der Konsum von Alkopops in der Altergruppe der zwölf- bis 17-jährigen um die Hälfte zurück. 63 Prozent gaben an, sie würden keine Alkopops mehr kaufen, "weil sie zu teuer geworden seien".
Mittlerweile jedoch gibt es die zweite Generation der Alkopops. Hersteller der Mix-Getränke hatten nach Einführung der Sondersteuer begonnen, Ersatzprodukte zu entwickeln. Möglich macht das eine Gesetzeslücke: Weil statt Schnaps nun Wein und Bier verwendet werden, entfällt die Sondersteuer von 84 Cent, heißt es in einer Meldung der Nachrichtenagentur AP.
Die kleinen Getränke kosten zwischen 69 und 79 Cent und sind damit kaum teurer als eine 0,5-Liter Flasche Bier - damit werden sie für Jugendliche wieder erschwinglich. Außerdem sind Wein und Bier ab 16 Jahren legal erhältlich.
Der Alkoholgehalt der neuen Mix-Getränke ist mit 5,5 Prozent aber nahezu genauso hoch wie der ihrer schnapshaltigen Vorgänger.
Auch enthalten die neuen Alkopops kleine Mengen von Hochprozentigen. Auf einigen Flaschen wird mit Sprüchen wie "With the taste of rum/vodka" geworben. Rechtlich ist die Beimischung von Kleinstmengen erlaubt - "zur Geschmacksabrundung".
Die vermeintlich harmlosen Mixturen auf Wein- und Bierbasis hätten es deshalb meist genauso in sich wie ihre Vorgänger, warnen Verbraucherschützer und Suchtexperten.
Sie fordern deshalb eine baldige Ausdehnung der 2004 eingeführten Sondersteuer auf die zweite Generation der Alkopops.
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