Hinrichtungen von Ausländern in Indonesien Reaktionen aus Brasilien und den Niederlanden

Präsident Widodo, der ansonsten weltweit viel Lob für seine Reformbereitschaft geerntet hat, scheint bei den Hinrichtungen von Drogenstraftätern noch unnachgiebiger als manche seiner Vorgänger zu sein: Er wollte keinen der sechs Verurteilten begnadigen, weil Drogen schon so viele Leben in Indonesien ruiniert hätten, bekräftigte er. Der Generalstaatsanwalt beharrte darauf, dass drastische Schritte nötig seien, um das Land besser vor Drogen zu schützen. Diese Argumentation ist auch in anderen Teilen Asiens verbreitet. Die Justiz habe seine Entscheidungen, die Verurteilten hinzurichten, keinesfalls leichtfertig getroffen, versicherte er. "Ich hoffe, die Welt wird das verstehen."

Doch zu hören war nun vor allem Protest. Am heftigsten hat Brasilien reagiert, Präsidentin Dilma Roussef klagte, sie sei "erschüttert und empört", nachdem der indonesische Staat ihre Bitten einfach ignorierte und einen brasilianischen Staatsbürger exekutieren ließ, der wegen Kokainschmuggels verurteilt worden war.

Zur gleichen Zeit starben am Wochenende fünf weitere Verurteilte, eine Indonesierin und eine Vietnamesin, ein Mann aus Malawi, ein Nigerianer und ein Niederländer. Neben Brasilien riefen auch die Niederlande ihren Botschafter aus Jakarta vorläufig zurück, Außenminister Bert Koenders sprach von einer brutalen Strafe, die mit der menschlichen Würde nicht vereinbar sei.

Zwölfköpfiges Erschießungskommando

Die Hinrichtungen waren von Samstag auf Sonntag, kurz nach Mitternacht ausgeführt worden. Die Regeln in Indonesien schreiben vor, dass die Häftlinge weiße Kleidung tragen und an einen Pfahl gebunden werden. Ein Arzt markiert auf dem Hemd die Stelle des Herzens, bevor ein zwölfköpfiges Erschießungskommando dann feuert. Der letzte Wunsch der Vietnamesin lautete offenbar, sie wolle den Schützen ungefesselt gegenübertreten.

Die harte Linie Jakartas alarmiert nun auch Canberra, denn es ist damit zu rechnen, dass demnächst auch zwei Australier hingerichtet werden könnten. Sie waren 2006 als Anführer eines Drogenrings mit dem Namen "Bali Nine" verurteilt worden. Außenministerin Julie Bishop widersprach der Abschreckungsthese und erklärte, dass Hinrichtungen Indonesiens Drogenprobleme nicht lösen würde. Die übrigen sieben Australier im Alter zwischen 18 und 28, die als Mitglieder der Gang festgenommen wurden, haben jetzt teils lebenslange Haftstrafen zu tragen. In indonesischen Gefängnissen sitzen jetzt noch 60 Drogenstraftäter, die zum Tode verurteilt wurden. Etwa die Hälfte sind Ausländer.