Den Menschen in Birma muss dringend geholfen werden, das Deutsche Rote Kreuz könnte das tun. Aber wie, wenn das Land von fremdenfeindlichen Machthabern regiert wird? Ein Interview mit Svenja Koch vom DRK.

Die Überlebenden in Birma brauchen dringend Unterstützung von ausländischen Hilfsorganisationen. "Die Menschen berichten, dies sei schlimmer als der Tsunami. Es ist wie in einem Kriegsgebiet. Die Zahl der Toten ist einfach überwältigend", sagt Kyi Minn, Seuchenberater für World Vision, auf Anfrage von sueddeutsche.de.

In Bangkok werden die Hilfsgüter für die Opfer in Birma vorbereitet. (© Foto: AP)

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Die Militärregierung von Birma hat sich inzwischen offenbar entschlossen, internationale Hilfe nicht nur zuzulassen, sondern gezielt darum zu bitten. "Ich habe vom Auswärtigen Amt die Information, dass soeben ein internationales Hilfegesuch herausgegeben wurde", sagt Heinz-Hartmut Wilfert von der Hilfsorganisation ADRA zu sueddeutsche.de .

Svenja Koch, Pressesprecherin des Deutschen Rotes Kreuzes, kann das noch nicht bestätigen und wartet eine offizielle Einladung ab. Sie erklärt, wie das DRK dann helfen wird.

sueddeutsche.de: Jeden Tag erhöhen sich die Zahlen der Opfer. Wann startet das Rote Kreuz die Hilfe?

Svenja Koch: Wir haben 12.000 einheimische Ersthelfer in Myanmar vor Ort. Das Team verteilt schon Hilfsgüter aus einem Lagerhaus in Rangoon.

sueddeutsche.de: Das Land wird von der Regierung abgeschottet. Es fließt kein Strom mehr. Haben Sie überhaupt Kontakt zu den Helfern?

Koch: Wir nicht, aber die Kollegen in Bangkok und in Genf haben Kontakt.

sueddeutsche.de: Wie sieht denn die Erste Hilfe aus?

Koch: Das Lagerhaus in Rangoon ist zwar beschädigt, aber die Güter sind noch vorhanden. Außerdem gibt es noch weitere Lagerhäuser in der Region. Es werden so genannte "family kits" verteilt. Diese Pakete bestehen aus Kleidung, Decken, Moskito-Netzen, Seife und Kochtöpfen. Auch Plastikplanen, unter denen die Opfer Schutz vor Regen finden, sind enthalten.

sueddeutsche.de: Wie viele dieser Pakete sind vor Ort?

Koch: Ein paar Tausend.

sueddeutsche.de: Aber diese Hilfe wird nicht ausreichen.

Koch: Nein, natürlich nicht. Aber wir benötigen erst die Einladung der Regierung aus Naypyidaw. Erst wenn sie um ausländische Hilfe bittet, können wir loslegen und Experten und weitere Hilfsgüter ins Land schicken. Ohne diese Einladung würden alle zum Beispiel in Bangkok festsitzen, weil sie nicht nach Birma einreisen dürfen.

sueddeutsche.de: Man hat schon sehr viel über unpassende Hilfsgüter gehört. Wie sorgen Sie dafür, dass die wirklich benötigten Dinge bei den Menschen ankommen?

Koch: Natürlich macht es keinen Sinn, Altkleider-Pakete über das Land abzuwerfen. Die "family kits" sind gut geeignet. Dann wird Trinkwasser dringend gebraucht, weil es sehr wahrscheinlich ist, dass die Brunnen verschlammt sind. Und Nahrung, weil wahrscheinlich die Ernte zerstört ist. Unterkünfte müssen gebaut werden, da die Menschen ihr Zuhause verloren haben. Sauberes Wasser steht deshalb an erster Stelle, weil sonst Krankheiten und Seuchen ausbrechen könnten..

sueddeutsche.de: Auf wie viele Opfer stellen Sie sich ein? Glauben Sie, dass das Unglück ein Ausmaß wie der Tsunami in Indonesien 2004 annehmen könnte?

Koch: Das kann ich gar nicht sagen. Das Wichtigste ist erst einmal, dass die einheimischen Helfer und Experten so schnell wie möglich Unterstützung bekommen, um die Überlebenden zu versorgen.

sueddeutsche.de: Wie lange wird es dauern, bis die Experten vor Ort sind?

Koch: Das hängt davon ab, wie die Regierung Einreise und Visa handhabt.

sueddeutsche.de: Welche Experten werden Sie schicken?

Koch: Das Rote Kreuz hat Experten vor allem zur Wasserversorgung und für die medizinische Hilfe.

sueddeutsche.de: Gehen schon Spenden für die Opfer in Birma bei Ihnen ein?

Koch: Das fängt jetzt an. Wir haben ein spezielles Spendenkonto eingerichtet. Unter dem Stichwort "Zyklon" kann man unter der Kontonummer 414141 (Bank für Sozialwirtschaft BLZ 370 205 00) für die Überlebenden spenden. Wir können damit auf jeden Fall die Arbeit des Roten Kreuz in Myanmar unterstützen.

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(sueddeutsche.de/jüsc)