Hexenjagd in Papua-Neuguinea Gefoltert, geköpft, verbrannt

Erneut sind in Papua-Neuguinea zwei Frauen tagelang gefoltert und dann hingerichtet worden, weil sie jemanden verhext haben sollen. Menschenrechtler kritisieren, der Vorwurf Hexerei werde oft nur als Vorwand genutzt - um Gewalt gegen Frauen zu rechtfertigen.

Von Felicitas Kock

Zwei Frauen werden verschleppt, weil sie durch Hexerei einen Lehrer getötet haben sollen. Sie werden von einem wütenden Mob auf den Dorfplatz gezerrt, dort festgehalten und tagelang gefoltert. Ihr Martyrium endet mit dem Tod, den Frauen wird der Kopf abgeschlagen. Die Sicherheitskräfte des Dorfes in Papua-Neuguinea, heißt es, hätten der Enthauptung zugesehen, unfähig, etwas gegen die tobende Menschenmasse zu unternehmen. "Wir waren hilflos", sagen die Polizisten später lokalen Medien - wieder einmal.

Nur wenige Tage vor den Enthauptungen wurden in dem Inselstaat im Pazifik sechs Frauen und ein Mann wegen Hexerei-Verdachts mit glühenden Eisenstangen gefoltert. Im März ging das Schicksal einer jungen Mutter um die Welt, die auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, weil man sie als Hexe für den Tod eines fremden Kindes verantwortlich machte. Auch hier hatte die Polizei keine Chance. Und auch hier war die Frau von einer Horde zorniger Menschen umgeben, die sie brennen sehen wollten.

Folter und Tod angeblicher Hexen auf öffentlichen Plätzen, in Dörfern und Kleinstädten, ohne dass jemand etwas dagegen unternimmt - für viele Westeuropäer klingt das nach dunkelstem Mittelalter. "Der Glaube an Hexerei gehört zum Weltbild vieler Menschen in Papua-Neuguinea", erklärt Joachim Görlich, der das Land seit 1989 immer wieder bereist und erforscht. "Es handelt sich um ein magisches, sehr komplexes Weltbild: Alles hängt hier irgendwie zusammen und nichts geschieht einfach so", sagt der Ethnologe.

Wenn sich jemand verlieben soll, wird mitunter Liebesmagie angewandt, wenn eine reiche Ernte eingebracht werden soll, Gartenmagie - und wenn jemand stirbt, wird nicht zwangsläufig nach einer naturwissenschaftlichen Begründung gesucht, sondern nach einem Hexer, der für den Tod verantwortlich sein könnte. Die Suche nach übernatürlichen Ursachen spielt besonders dann eine Rolle, wenn der Tote hoch angesehen war, wie jetzt im Fall des Lehrers - oder sehr jung und damit eigentlich noch nicht zum Sterben bereit, wie bei der Hexenjagd im März.

Als Wurm in die Körper der Opfer

Darüber, wie eine Hexe tötet, gibt es unterschiedliche Annahmen. Weit verbreitet ist laut Görlich die Vorstellung, die Hexe verwandle sich in einen Wurm, dringe in den Körper ihres Opfers ein und fresse dessen Eingeweide auf.

Wer als Hexe verdächtigt wird, hängt meist mit Geschlecht und sozialer Stellung zusammen. Die UN-Berichterstatterin zu Gewalt gegen Frauen, Rashida Manjoo, kritisierte nach ihrem Besuch in Papua-Neuguinea 2012, dass die Anschuldigung, eine Hexe zu sein, vor allem Witwen und andere Frauen ohne Familie treffe, denen es an schützenden sozialen Beziehungen fehlt.

Allgemein werde der Vorwurf der Hexerei oft nur als Vorwand für Gewalt gegen Frauen genutzt. "Ich war geschockt von der Brutalität, mit der gegen Frauen vorgegangen wird, die verdächtigt werden, Hexen zu sein. Die Angriffe schließen häufig Folter, Vergewaltigungen, Genitalverstümmelungen und Mord mit ein", schildert Manjoo in ihrem Bericht. Die Gewalt gehe meist von jungen Männern aus, die wiederum von anderen Mitgliedern der Gemeinschaft angestachelt würden. "Meinen Gesprächspartnern zufolge wird die Beschuldigung als Hexe auch genutzt, um Frauen ihr Land oder ihren Besitz wegzunehmen", heißt es weiter.